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BMW Z8:Zu wenig Be-Acht-ung

Für 235 000 Mark gibt es einen Sportwagen im Retrodesign, der nur wenig Emotionen ausstrahlt

(SZ vom 19.02.2000) Mit Sportwagen hatte BMW ja in den vergangenen Jahren kein besonders glückliches Händchen: Das Achter-Coupé dümpelte in der Gunst der Käufer vor sich hin. Der Heilsbringer kam dann aus England, in Gestalt von: Bond, James Bond. Der kurvte mit dem Z3 durch den panamesischen Dschungel - und der Z3 widerstand jeglichem Geschosshagel so wie Bond manch irdischen Versuchungen. Dies muss viele beeindruckt haben, denn im Roadster-Dreikampf mit dem Porsche Boxster und dem Mercedes SLK schlug sich der BMW Z 3 recht wacker.

Was liegt da näher, als auf dieser Erfolgswelle weiterzuschwimmen: Auch in Die Welt ist nicht genug bedient sich der Super-Agent eines Münchner Geschöpfes, das das Ende des Films allerdings nicht unbeschadet erreicht: Trotzdem ist BMW davon überzeugt, dass der Z8 eine Erfolgsstory werden wird - eine Ikone unter den Super-Sportwagen, die sich die Reichen dieser Erde genussvoll in die Garage stellen sollen.

Leistung ohne Ende

In der Tat haben die Münchner einen aparten Cocktail angerührt (nicht geschüttelt): Eine lange Motorhaube verspricht Leistung ohne Ende - und diese optische Ankündigung löst der V8, der unter der Haube lauert, perfekt ein: Das Aggregat schüttelt die Leistung von 294 kW (400 PS) beinahe mühelos aus den Zylindern. 400 Pferdchen ziehen den 1,6 Tonnen schweren Roadster so schnell weg, dass der russische Geheimdienst eine Rakete bräuchte, um seine Spur nicht zu verlieren. 4,7 Sekunden dauert es, den Wagen auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen, und erst bei 250 km/h gebietet die Elektronik dem munteren Treiben sanft Einhalt.

Die nüchternen Zahlen geben den subjektiven Fahreindruck allerdings nur unzureichend wieder: Man fühlt sich souveräner unterwegs als im bärenstarken M-Roadster mit 321 PS, der auf dem Z3 basiert. Dazu trägt vor allem die Karosserie aus Aluminium bei, die so steif zu sein scheint wie die Nerven von James Bond stark: Auch auf schlechten Straßen lässt sich keine Verwindungsneigung erkennen. Im Vergleich zu anderen Cabrios dürften die Münchner hier neue Bestmarken gesetzt haben.

Leider lässt sich dies nicht vom Fahrkomfort behaupten: Klar, ein Sportwagen ist keine Sänfte, aber die Stuckerneigung, die der Z8 auf den Betonplatten amerikanischen Highways zeigt, müssen die Ingenieure ihrem neuen Paradegefährt wohl noch abgewöhnen. Dem Vernehmen nach wird daran bereits gearbeitet - und dies ist nötig, um zu einem harmonischen Gesamtklang aus Motor und Fahrwerk zu kommen.

Apropos harmonisch: Exzellente Arbeit haben die Münchner beim Sound engineering geleistet. Obwohl der Z8 weltweit alle Geräuschvorschriften erfüllt, kommt der Fahrer in den Genuss einer Motorsymphonie aus kernigen Trompetengeräuschen bei niedrigen und mittleren Drehzahlen, während im Bereich oberhalb von 5000 Touren Blechbläser mit hellerem Klang den Ton angeben. Erst bei 7000/min - eine für BMW-Motoren untypisch hohe Drehzahl - hebt der Dirigent, der auf den schnöden Namen Elektronisches Motormanagement hört, den Taktstock zum Abwinken.

Allerdings genehmigen sich die Musiker gerne ein kräftiges Schlückchen: 21,1 Liter Kraftstoffverbrauch im Stadtverkehr sind ein Wert, als ob es nie eine Ölkrise gegeben hätte. Wahrscheinlich werden die Z8-Besitzer, die 235 000 Mark für ihr neuestes Lieblingsspielzeug ausgeben müssen, an der Tankstelle aber nicht geizen. Bei vernünftiger Fahrweise lassen sich Verbrauchswerte von etwa 15 Litern Super auf 100 km erzielen.

Natürlich resultiert die Faszination eines reinrassigen Sportwagens in erster Linie aus den Fahrleistungen, aber einen wichtigen Part spielt auch die Optik. Um die Formen des Z8 zu begreifen - und das ist in diesem Falle wörtlich gemeint - empfiehlt BMW-Chefdesigner Chris Bangle, das Fahrzeug einmal von Hand zu waschen. Das haben wir nun noch nicht getan, aber dafür genau hingesehen - und wir sind uns sicher: Dieses Auto ist kein Hingucker.

Vielleicht liegt dies ja gerade an dem von BMW angestrebten Retrodesign: Beim Griff in die Firmengeschichte stießen die Designer natürlich auf den legendären 507 aus dem Jahr 1955, von dem nur rund 250 Exemplare gebaut wurden. Die seitlichen Kiemen erinnern an ihn, weitere Zitate aus der automobilen Vergangenheit sind das angedeutete Haifischmaul und die steil stehende Windschutzscheibe. Wenn da nur nicht die schwarzen Trauerränder unter den Augen in Form von schwarzen Plastikblenden um die Scheinwerfer herum wären. Von hinten betrachtet, sieht der Z8 seltsamerweise emotionslos aus - daran können auch die neuartigen Rückleuchten und Blinker in Neon-Technik, die zehn Mal schneller als herkömmliche Leuchten ansprechen, nichts ändern. Im Innenraum geht es drangvoll eng zu, was für einen Roadster nicht ungewöhnlich ist. Nur sollte bei einer 4,40 Meter langen Karosserie der Längsverstellbereich für die beiden Sitze größer sein. Sehr schön liegt das Drei-Speichen-Lenkrad in der Hand, dessen Streben aus Aluminium-Stangen gefertigt sind, jenem Werkstoff, aus dem auch einige Blenden und der Schaltknauf sind. Weniger ergonomisch ist das Cockpit angeordnet: Es hat seinen angestammten Platz hinter dem Lenkrad verlassen müssen und thront nun, beschirmt von zwei sanften Wölbungen, genau in der Mitte. Wer wissen will, wie (viel zu) schnell er fährt, muss jedes Mal den Blick von der Straße nehmen.

Was Pierce Brosnan nicht weiter interessiert haben dürfte - denn selbst wenn ein Auto wegen zu schnellen Fahrens aus dem Verkehr gezogen worden wäre, hätten ihm für die Dreharbeiten noch zwei andere, echte Prototypen, - und für die Schlusssequenz ein BMW mit Ford-Motor - zur Verfügung gestanden. Wer bei uns einen Z8 fahren will, muss sich noch bis zum Sommer 2001 gedulden - so lange sind momentan die Lieferfristen. Maximal acht Z8 können im Münchner Stammwerk pro Tag gefertigt werden, zum großen Teil in Handarbeit.

Hätte James Bond eine Alternative zum Z8? Vielleicht könnte er zu seinem ursprünglichen Dienstwagen, zu Aston Martin, zurückkehren - oder es Schumi gleich tun und auf einen Ferrari - in diesem Fall den viel nervöseren F 360 Modena - umsteigen. Oder später, auf seine alten Tage, zu einem deutlich komfortableren, aber viel weniger fahraktiven SL 500 wechseln. Doch das wäre etwa so, als ob die Queen die Regierungserklärung künftig auf Französisch vortragen würde.

Von Otto Fritscher

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