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BMW-Youngtimer-Szene in Argentinien:Blauweiße Leidenschaft

Alejandro Novak und sein BMW M1

Mit 16 sah Alejandro Novak zum ersten Mal einen BMW M1. Es dauerte 20 Jahre, bis er sein Traumauto endlich gefunden hatte.

(Foto: WGO)

Sie sind nur wenige, aber dafür umso enthusiastischer: In Argentinien gibt es einige der treuesten BMW-Fans der Welt. Und das, obwohl Autos und Ersatzteile nur schwer aufzutreiben sind. Manche von Ihnen brauchten 20 Jahre, um ihren Traumwagen zu finden.

Alejandro Novak ist ein zurückhaltender Mann. Er ist fein gekleidet, in gutsitzendem dunkelblauem Zwirn. Der Anwalt aus Buenos Aires spricht ruhig, wählt seine Worte mit Bedacht. Doch sobald es um sein Auto geht, beginnen die Augen des Mittvierzigers zu strahlen, die Stimme bekommt einen freudigen Unterton, Stolz schwingt mit. Der Grund ist sein schneeweißer BMW M1.

20 Jahre lange bemühte sich Novak um das Auto, von dem es nur drei Exemplare in Argentinien gibt. Sein Schlüsselerlebnis hatte der Anwalt im Alter von 16 Jahren, als er den M1 auf einer Rennstrecke bewundern durfte. Seitdem ließ ihn die Leidenschaft für den Wagen nicht mehr los. Vor einigen Jahren fand er dann eines der seltenen Fahrzeuge. Das hatte aber noch eine Rennausstattung, inklusive entsprechender Lackierung. Es dauerte sechs Monate, um den Straßensportler wieder in den Original-Zustand zurückzuversetzen.

Ersatzteile nur im Ausland

Das klingt nach einer leicht zu lösenden Aufgabe - ist es aber nicht. Denn vor einen originalen BMW M1 hat die argentinische Regierung einen Paragraphen-Wall gesetzt. Jeder, der seine Produkte in Argentinien verkaufen will, muss sie im Land produzieren oder im gleichen Gegenwert argentinische Waren exportieren. Zudem darf man ein Auto erst importieren, wenn es 23 Jahre alt ist. Für Sammler bedeutet das, dass sie die seltenen Ersatzteile nur über deutsche Autohändler bekommen. Und dann kosten sie fünf Mal so viel. "50 Prozent gehen an den Zoll. Den Rest schlägt der Händler drauf", erklärt Mariano Varsky, Sekretär des BMW Clubs Argentinien.

Also finden die rund 70 Mitglieder andere Wege, um an die benötigten Sachen zu kommen. Entweder erwerben sie Teile auf eBay oder lassen sich diese durch andere BMW-Clubs als Paket schicken. In ihrem Hauptquartier mitten in Bueno Aires treffen sich dann die Anhänger der bayerischen Fahrzeuge regelmäßig, um sich bei der Pflege ihrer Fahrzeuge zu helfen.

Die erschwerten Umstände lassen die argentinischen Autofans mit besonders viel Herzblut an ihren Fahrzeugen schrauben. Denn eines fällt beim Anblick der Youngtimer-BMWs sofort auf: Sie sind in perfektem Zustand. So blüht die Sammler-Leidenschaft für die Autos aus Bayern in Argentinien auch im Licht dieser Restriktionen.

Der örtliche Sattler restaurierte den Innenraum

Roberto Andriuolos BMW 600 etwa, die "Große Isetta", Baujahr 1958, stand 20 Jahre lang unbeachtet unter einer Staubschicht in der Ecke eines Parkhauses und rottete vor sich hin. Der Zustand war dementsprechend erbärmlich. "Das Interieur war komplett zerstört, aber die Karosserie und der Motor befanden sich in einem erstaunlich guten Zustand", erinnert sich der 74-Jährige.

Roberto Andriuolo mit seiner BMW Isetta

Roberto Andriuolo fand seinen BMW 600 verstaubt und verrottet in einem Parkhaus.

(Foto: WGO)

Als es an die Restauration ging, halfen die Experten von BMW Classic in München mit Konstruktionsplänen. Schwieriger war es, an Ersatzteile zu kommen. Also musste sich Andriuolos etwas einfallen lassen. Der örtliche Sattler half beim Wiederherstellen des Innenraums. Ein Jahr dauerte es, um ein Rücklicht mit original Acrylglas zu ergattern.

Doch Roberto Andriulos Geduld wurde belohnt. Heute, fünf Jahre nach der Rettung, sieht die Isetta aus wie neu. Und Andriuolos und sein M1-fahrender Landsmann Alejandro Novak sind sich einig: Verkaufen werden sie ihre Autos nie.