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BMW X5 Plug-in-Hybrid im Test:Plug-in-Hybride, die in drei Jahren noch nicht einmal geladen wurden

Zweifeln an der Öko-Bilanz begegnet Oliver Zipse sehr selbstbewusst: "Für den neuen BMW X 3 Plug-in-Hybrid haben wir den gesamten Footprint von der Rohstoffbeschaffung bis zum Recycling zertifizieren lassen." Im Vergleich zu einer reinen Verbrennervariante sei der CO₂-Fußabdruck beim Laden mit europäischem Durchschnittsstrom um 26 Prozent geringer, mit Grünstrom sogar um mehr als die Hälfte. Bleibt die Frage, wie oft die Kunden das Ladekabel tatsächlich nutzen. Leasingfirmen berichten von Plug-in-Hybriden, die nach drei Jahren mit dem originalverpackten Kabelset für den Stromanschluss zurückgegeben werden.

Der BMW-Chef versucht, solche Kritik mit Daten aus vernetzten Fahrzeugen zu widerlegen. "70 Prozent aller BMW-Nutzer laden regelmäßig - und wenn sie laden, dann laden sie voll", so Zipse in seiner Auftaktrede vor mehr als tausend Teilnehmern des Car Symposiums. Selbst diejenigen, die wenig laden, würden effizienter fahren als mit konventionellen Verbrennermodellen. Das habe die anonymisierte Auswertung von 15 000 BMW 5er Plug-in-Fahrzeugen ergeben. Mild-Hybride können die Energie im Schubbetrieb allerdings ähnlich zurückgewinnen wie die Teilzeitstromer. Dafür brauchen sie weder Hochvoltsysteme noch große Akkupakete. Und sie schleppen nicht 300 Kilogramm Mehrgewicht mit sich herum.

Ob der BMW X5 im städtischen Pendelverkehr sinnvoll ist, bleibt eine andere Frage

Im zweiwöchigen SZ-Praxistest hinterließ der BMW X 5 45 e einen ambivalenten Eindruck: Einerseits kaschiert das Fünfmeterauto geschickt seine trägen Massen und überzeugt mit hohem Komfort auf jedem Untergrund. Rein rechnerisch reicht sein Elektro-Radius für die meisten (Pendel-)Strecken aus. Demnach ließe sich der Stecker-Hybrid unter der Woche rein elektrisch bewegen - wenn er denn immer geladen wird. Ob so ein Trumm im städtischen Pendelverkehr sinnvoll ist, bleibt eine andere Frage. Das eigentlich Überraschende ist aber, dass das Luxus-SUV auf längeren Strecken patzt: Wer (als typischer Dienstwagenfahrer) Kilometer abspult, hat keine Möglichkeit, auf der Autobahn schnell nachzuladen. Mit einer maximalen Ladeleistung von 3,7 Kilowatt dauert das Tanken an der Steckdose sieben Stunden. Derart elektrifizierte Firmenwagen werden also gleich doppelt dafür belohnt, dass sie (wie im SZ-Durchschnitt) über acht Liter Super verbrauchen.

Der BMW X 5 45 e will ein Alleskönner sein, doch die Verbrauchswerte eines Diesels unterbietet er nur mit einem genau umrissenen Einsatzprofil. Dazu gehören ein gewisser Steckeridealismus ebenso wie Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz oder zu Hause. In urbanen Umweltzonen könnte sich der Elektroantrieb jedoch perspektivisch als entscheidendes Plus erweisen. Immer mehr Städte erwägen Zugangsbeschränkungen für verbrennungsmotorisch angetriebene Fahrzeuge. Deshalb will BMW seine Doppelantriebe ab diesem Frühjahr an die digitale Leine nehmen. Bei der Einfahrt in eine Umweltzone soll der Ottomotor automatisch abgestellt werden. An eine Zwangskoppelung denken die Münchner nicht: Der Fahrer kann das intelligente Navigationssystem jederzeit überstimmen. Wer den Akku nicht geladen hat, darf auch weiterhin Sprit verfeuern. Solange, bis die ersten Kommunen den Schalter umlegen. Wer dann nicht elektrisch fahren kann, muss draußen bleiben.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

© SZ vom 15.02.2020/reek

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