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BMW Siebener im Fahrbericht:Wendekreis im Lieferwagenformat

Der Innenraum des BMW 7ers Modell 2015.

Das Cockpit des neuen Siebeners ist eine Hightech-Zentrale.

(Foto: BMW Group)

Bereit für einen Ausflug im 750iL xDrive? Vor uns stehen 5,23 Meter Auto, der Radstand ist nur 33 Zentimeter kürzer als ein kompletter VW Up!, der Wendekreis hat mit 12,9 Meter Lieferwagen-Format. Doch dank Hinterradlenkung fährt sich der Viersitzer kaum weniger agil als ein Fünfer, dank vernetzter Sensoren und Kameras hat er stets das Verkehrsgeschehen rundum im Auge, dank kreativer Software wird unter anderem selbständig eingeparkt. Komfort? Angenehm leise, vibrationsarmer Motor, sanft schaltende Automatik. Aber selbst auf den dezenten 19-Zöllern tut sich der Wagen bis etwa 60 km/h schwer mit dem sanften Anfedern und Abrollen - das kann die S-Klasse besser.

Erst jenseits der Stadtgrenze holt der BMW auf und sammelt sogar Bonuspunkte, denn die Luftfederung hält das Niveau, ist schluckfreudig und trotzdem straff genug abgestimmt. Auf Wunsch reduzieren elektromechanisch angetriebene Stabilisatoren Wankbewegungen in Kurven. Die Lenkung hat Biss, ist ebenso kurvengierig wie richtungsstabil, wirkt in sich gefestigt und vermittelt stets das gewünschte Maß an Fahrbahnkontakt. Mit xDrive sind Grip und Traktion kein Thema. Selbst das Einlenkverhalten leidet kaum darunter, dass jetzt die Vorderräder ins Geschehen miteinbezogen werden.

Mehr Verve im Sportmodus

Klar, speziell dieser Siebener fährt sich wie ein großer, schwerer Wagen. Aber er ist kein Angst-Untersteuerer, keine vom Elektronik-Overkill kastrierte Passiv-Limousine. Obwohl das V8-Modell lang gezogene Kurven lieber mag als enge Serpentinen lässt sich auch dieser BMW mit Gas und Lenkung den Grenzbereich entlang sauber auf Zug fahren, spurtreu und souverän, im Sportmodus mit mehr Verve bei unverändert akkurater Rückmeldung.

Der kleine Diesel ist mit 265 PS nicht besonders ehrgeizig motorisiert, aber mit 620 Nm fehlen dem 3,0-Liter-Sechszylinder nur 30 Nm auf den großen V8. Der ebenso durchzugsstarke wie drehfreudige Selbstzünder harmoniert bestens mit der Achtgang-Automatik und dem Chassis des kurzen Siebener. Hier wie dort überzeugt die Stahlbremse, die sich feinfühlig dosieren lässt, zackig anspricht und auch auf längeren Bergabpassagen nicht schlappmacht. Was fehlt, ist eine Einknopfbedienung für die Entkoppelung der Dämpfer und die Regelung der Fahrdynamik.

Unser Testwagen war bis zum Dach vollgepackt mit Extras, die an sich Begehrlichkeiten wecken sollen. Wer es drauf anlegt, kann für ein paar Sekunden die Hände vom Lenkrad nehmen, dem Auto beim Spurhalten zuschauen, sich vor dem Überfahren von Seitenlinie oder Mittelstreifen warnen lassen, den Abstand zum Vordermann wahren, per Computer beschleunigen und bremsen, vorausschauende Dämpfer erleben und jedem Tempolimit automatisch Folge leisten.

Nervende Assistenz-Extras

Das alles mag der Sicherheit dienen, und es hat auch einen gewissen Unterhaltungswert, doch weil das selbstbestimmte Fahrzeug ständig zittert und fiept, blinkt und vibriert, geht einem der Effekt schon bald mächtig auf die Nerven. Wenn das die Vorstufe zum autonomen Fahren ist, dann kann man sich nur schwer vorstellen, die volle Verantwortung fürs Lenken, Bremsen und Gasgeben zeitnah einem Auto zu übertragen.

Für 2016 haben die Münchner weitere Siebener-Derivate avisiert. Dazu gehören der 326 PS starke 740i, der sogar als xDrive erhältliche 740e Plug-in-Hybrid, der 740d mit 326 PS und der bärenstarke 750d, dem vier Turbolader zu 408 PS verhelfen sollen. Der Zwölfzylinder bleibt im Programm, möglicherweise jedoch nicht mit dem bekannten 544-PS-Aggregat, sondern als M760i, der deutlich mehr als 600 PS leisten soll.

Wie gesagt - dieser 7er dürfte der letzte seiner Art sein. Schon für die nächste Generation muss BMW die Entwicklung der Elektromobilität, den Power-Hybrid und in letzter Konsequenz die Brennstoffzelle vorantreiben, um die zunehmend schärferen Normen der Kernmärkte zu erfüllen.

© SZ vom 29.08.2015/reek/harl

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