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Neue Modelle bei BMW:Viel Feinschliff in München

BMW

Der 6er GT spielt zwar auf den meisten Märkten kaum eine Rolle, war aber einer der Lieblinge des ehemaligen BMW-Chefs Norbert Reithofer.

(Foto: BMW)

Bei BMW stehen Veränderungen quer durch alle Modelle an. Aber eines zeichnet sich deutlich ab: Der Mild Hybrid gehört bald überall dazu.

Von Georg Kacher

Mit sechs Motorvarianten plus M 4 geht BMW beim nächsten 4er in die Vollen. Sämtliche Diesel und der Sechszylinder-Benziner rollen mit 48-Volt-System und 11 PS starker Mild-Hybrid-Technik an den Start. Der Handschalter entfällt zugunsten der flinken Achtgang-Automatik, im Windschatten des Zweitürers folgt Anfang 2021 das Cabriolet und dann das Gran Coupé. Die SZ fuhr den 65 231 Euro teuren M 440 i xDrive mit dem um 48 auf 374 PS erstarkten Reihensechszylinder, der bis zu 500 Nm bedarfsgerecht an alle vier Räder verteilt. Der im Vergleich zum Vorgänger niedrigere Schwerpunkt, die breitere Spur, das kernig abgestimmte Fahrwerk und das um 55 Kilo reduzierte Leergewicht schaffen beste Voraussetzungen für ein dynamischeres Handling.

Obwohl der stärkere Motor rund fünf Prozent weniger Sprit verbrennt, liegen Durchzug und Spurtkraft (0-100 km/ h in 4,5 Sekunden) auf Sportwagenniveau. Ähnliches gilt für die trotz serienmäßigem Allradantrieb unterhaltsamen, weil heckbetonten Fahreigenschaften. Das Zusammenspiel aus geschmeidiger Federung, bissfester Bremse und ausgewogenem Eigenlenkverhalten macht Lust auf mehr. Nur die um die Mittellage sehr spitze Lenkung, die vor allem bei hohem Tempo zu nervös reagiert, passt nicht so recht ins Bild des souveränen Expressgleiters.

Mit dem 545e, der ab 68 235 Euro zu haben ist, bietet BMW das 394 PS und 600 Nm starken Plug-in-Hybrid-Modul (PHEV) aus dem 7er jetzt auch in der 5er Limousine an. Der E-Motor leistet 109 PS, kommt mit einer 400 Volt-Ladung bis zu 57 Kilometer weit und schaltet erst oberhalb von 140 km/h den Verbrenner zu. Den Normverbrauch gibt BMW mit 2,2 l/100km an, was natürlich praxisfern niedrig ist. Doch die stramme Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden ist beliebig oft reproduzierbar. Die asketische Seite des 2020 Kilo schweren 545 e offenbart sich zur Gänze erst nach zweimaligem Druck der Hybridtaste, denn nur in Hybrid Eco Pro nützt das System jede Schubphase zum fast lautlosen Segeln. Wer lieber rekuperiert und das One-Pedal-Fahrgefühl bevorzugt, den unterstützt das System durch vorausschauende Navigations- und Sensordaten. Im Sportmodus und bei Kickdown macht ein nachdrücklicher Boost-Effekt energetisch Eindruck.

Sound aus Hollywood

Das Geld für den in Hollywood komponierten Elektro-Soundtrack hätte man freilich besser dem Tierpark Hellabrunn gespendet, wo sich im Bärengehege vergleichbare Brummgeräusche zum Nulltarif abgreifen ließen. Kostenfrei mitgeliefert wird die Geofencing-Funktion, die beim Einfahren in urbane Umweltzonen automatisch das E-Programm aktiviert und nach einer entsprechenden Zieleingabe schon im Vorfeld bei Bedarf nachlädt. Nette Geste: Der 545 e reserviert auf Wunsch nicht nur ad hoc einen Platz an einer nahegelegenen Ladesäule, sondern auch einen Tisch in einem von dort fußläufig erreichbaren Café oder Restaurant.

Der 3er GT wird demnächst eingestellt, doch der vom 5er GT zum 6er GT geadelte Fünftürer wurde soeben ein weiteres - und möglicherweise letztes - Mal überarbeitet. Obwohl das Modell auf den meisten Märkten nur eine Nebenrolle spielt, genoss das über fünf Meter lange Schrägheck als erklärter Liebling des Aufsichtsratsvorsitzenden Norbert Reithofer bislang eine Art Bestandsschutz. An diesen will die auf noch mehr Komfort getrimmte Nischenvariante durch Designänderungen an Front und Heck zum Modelljahreswechsel anknüpfen. Nach diversen polarisierenden Ausprägungen der markentypischen Niere überrascht der GT durch ein evolutionäres und trotzdem eigenständigeres Make-up, von dem trotz des zerklüfteten Stoßfängers durchaus ein gewisser optischer Reiz ausgeht. Die SZ fuhr den 640 i xDrive, der zwar 6630 Euro teurer ist als der erstaunlicherweise nicht ganz so geräumige 5er Touring, andererseits aber satte 22 900 Euro weniger kostet als das etwas knapper geschnittene, identisch motorisierte 8er Gran Coupé.

BMW 545e

Der BMW 545e ist ab 68.235 Euro zu haben.

(Foto: BMW)

Riesiges Raumangebot

Preisvorteil hin oder her - der Premiumkunde kauft Image, und diesbezüglich muss sich der GT im Mittelklasse-Modellmix aller funktionalen Vorteile zum Trotz leider hinten anstellen. Dabei brilliert der Kombi-Coupé-Zwitter mit konkurrenzlosem Raumangebot, hoher Variabilität und einem geschmeidig-mitteilsamen Fahrwerk. Leider gibt es den Sonderling nur mit Mild-Hybrid-Motoren, nicht aber als PHEV. Zur aufgewerteten Serienausstattung gehören adaptive Matrixscheinwerfer, ein Top-Infotainment mit zwei großen Bildschirmen sowie elektrisch verstellbare Ledersitze. Die zwischen 25 und 160 km/h verfügbare Segelfunktion kann jetzt auch im Comfort-Modus genutzt werden.

In Summe ist festzustellen, dass BMW sein Hybridangebot zügig breiter ausrollt. Über den Mild Hybrid dürfte man bald kein Wort mehr verlieren, denn er wird in Verbindung mit dem 48-Volt-Bordnetz top down quer durch die gesamte Palette eingeführt. Die Evolution des PHEV lebt in der ersten Stufe von der Verfügbarkeit in zusätzlichen Karosserievarianten (als nächstes ist das 4er Gran Coupé an der Reihe) und von der Kombination mit Allradantrieb. Im zweiten Schritt stehen größere Batterien und damit höhere elektrische Reichweiten bis 100 Kilometer auf dem Programm. Dabei wird die Kapazität des Hochvoltspeichers in vier Schritten von zwölf bis 20 kWh ausgebaut. Weil gleichzeitig immer kräftigere E-Maschinen zum Einsatz kommen, wächst der Vierzylinderanteil am PHEV-Gesamtvolumen - ohne dass er den Reihensechszylinder mittelfristig ersetzen würde. Langfristig gesetzt ist in Verbindung mit den Fronttrieblern und Mini der bekannte Plug-in-Dreizylinder, der ab 2023 leistungsmäßig noch eine Schippe drauflegt.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

© SZ vom 31.10.2020/reek

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