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BMW Megacity Vehicle:2011 kommt bereits der Concept Active E

BMW geht damit einen anderen Weg als viele Wettbewerber, die bisher meist bestehende Automodelle nehmen und lediglich Verbrennungsmotor und Antrieb gegen einen Elektromotor austauschen. "Es genügt aber nicht, Autos mit traditionellen Verbrennungsmotoren einfach nur umzurüsten", sagt Entwicklungsmanager Ratz. Das Megacity Vehicle soll von 2013 an als neue Unter-Marke von BMW vertrieben werden. Das Projekt ist in mehrfacher Hinsicht ein Großexperiment: Der Hersteller testet nicht nur in großem Stil den Premiummarkt für Elektroautos, er geht auch bei der Fertigung vollkommen neue Wege und hat dazu eine eigene Produktionskette entwickelt.

Gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner SGL Carbon werden in den USA die Carbonfasern für das Auto hergestellt; diese werden dann in Wackersdorf zu Matten zusammengeknüpft. In Landshut schließlich entstehen daraus die eigentlichen Bauteile, die dann bei der Autoproduktion im Leipziger BMW-Werk verbaut werden. Noch ist über das endgültige Design des Autos nicht das letzte Wort gesprochen. Erste Skizzen, die BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk in München präsentierte, zeigen: Das neue Elektroauto wird kein Kleinwagen, sondern ein sportlicher BMW mit großen Rädern. "Auch die Autos der Zukunft müssen solide, sicher und sportlich daherkommen", sagt van Hooydonk. Ein grünes Lifestyle-Auto, aber kein Öko-Auto.

Die neue Großserie ist das vorläufige Ende einer Entwicklung, die mit dem Feldversuch des E-Mini begann. Anfang 2011 dann kommt der Concept Active E auf die Straße, ein elektrischer Bruder des 1er als Coupé. Die letzte Vorstufe, bevor zwei Jahre später das Megacity Vehicle kommt. Die Konzernstrategen hoffen auf die Premium-Kundschaft, die auch den üblichen Premiumaufschlag wird zahlen müssen. Noch hüllt sich der Konzern über den Preis in Schweigen; Brancheninsider taxieren ihn auf "irgendwo zwischen 40.000 und 50.000 Euro". "Sie können davon ausgehen, dass wir vom Vorstand den Auftrag bekommen haben, damit Geld zu verdienen", sagt Ulrich Kranz, Leiter des BMW-Entwicklungsteams "project i", das alternative Motorenkonzepte vorantreiben soll.

Das Megacity Vehicle soll nur das erste Einstiegsfahrzeug sein. Danach soll es mit neuen Modellen weitergehen, bei BMW spricht man von einem "offenen Feld". Dem Konzern dürfte auch keine andere Wahl bleiben: Carbon ist als Rohstoff teurer als Stahl und Aluminium, das lohnt sich nur, wenn das Material möglichst breit zum Einsatz kommt. BMW könnte seine Carbonfasern irgendwann auch an Dritte weiterverkaufen. Eher unwahrscheinlich ist jedoch, dass man auch seine direkten Wettbewerber mit dem Material versorgen wird. Realistischer sei es, so BMW-Manager, dass man den Baustoff später etwa an die Hersteller von Windrädern verkauft.

© SZ vom 02.07.2010/gf
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