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BMW:Lange Streichliste

Der BMW 2er Gran Tourer dürfte bald aus dem Angebot fliegen.

(Foto: Hardy Mutschler/BMW)

Weil der Konzern das Angebot vor allem bei den E-Autos ausbauen will, muss BMW bei Verbrennern sparen. Als eines der ersten Modelle, die auf der Kippe stehen könnten, gilt für viele der bei Familien beliebte 2er Grand Tourer.

Wie viel Risiko will und darf Oliver Zipse eingehen? Wenn man den Gerüchten im Vierzylinder, der Münchner Konzernzentrale von BMW, glauben mag, dann spielt der neue Chef auf Zeit, denn der Konzern muss sparen. So sollen etwa die kürzlich vorgestellten Frontantriebsmodelle bis 2030 im Programm bleiben - das wäre ein neuer Laufzeitrekord. Nach langem Hin und Her haben die Entscheider die rein elektrische iCar-Matrix auf Eis gelegt: zu teuer, Einsatztermin und Volumen nicht präzise genug planbar, keine ausreichende Abgrenzung zu den eben erst eingeführten Multitraktions-Architekturen. Stattdessen bleibt es bis auf weiteres bei der Weiterentwicklung der beiden Technologie-offenen Baukästen für Fahrzeuge mit Quer- und Längsmotor. Ob das reicht gegen Tesla und die deutsche Konkurrenz, wird sich zeigen.

Weil der verspätet in Angriff genommene Ausbau des E-Angebots hohe Investitionen bindet, muss anderswo gekürzt werden: Fix ist das für 2022 terminierte Produktionsende des 2er Grand Tourer (Foto), der 6er GT dürfte zwei Jahre später folgen. Auch das heckgetriebene 2er Cabrio soll keinen Nachfolger erhalten, die nur in China angebotene 1er-Limousine ist ein weiterer Streichkandidat, der nächste Z 4 steht trotz der Partnerschaft mit Toyota angeblich ebenso auf der Kippe wie die in diesem frühen Stadium schwierig einzuschätzende 8er-Reihe und der X2 in seiner jetzigen Form. Dem schmucklosen 6er GT fehlt die Zugkraft des Crossovers, dem 8er zumindest eine einzige herausragende technische Eigenschaft, dem X 2 die klare Botschaft, dem Z 4 die Perspektive. Bei Mini sollen hingegen das bereits totgesagte Cabrio und der Clubman nun doch eine zweite Chance erhalten.

Der Fahrplan für die angekündigte Höherpositionierung, zu der ursprünglich auch ein neues Leuchtturmmodell gehören sollte, ist angeblich nahezu beschlussreif. Der i 8 wird 2021 zwar frisch eingekleidet und bekommt einen zusätzlichen Zylinder, bleibt aber dem Plug-in-Konzept treu statt sich zum E-Antrieb zu bekennen. Hinter den andiskutierten aber noch nicht terminierten Überfliegern, der sportlich-eleganten 9er-Reihe und dem siebensitzigen X 9 Coupé, stehen zwei dicke Fragezeichen. Der i Next ist analog zum Audi e-tron und Porsche Taycan ein kostenintensiver Erstaufschlag, der als komplexer Solitär vor allem die Marke stärken soll.

Falls sich für Mini keine Deus-ex-machina-Lösung ergibt, muss die aktuell für 2024 vorgesehene Nachfolgegeneration nach einer wahrscheinlichen Laufzeitverlängerung wohl an die DNA des teuren 1er/X1 andocken. Wer glaubt, dass sich das hartnäckige Design-Dilemma irgendwann von selbst erledigt, den dürfte der gewöhnungsbedürftige neue 4er eines anderen belehren. Vergleichsweise verbindlich gibt sich dagegen die rasch wachsende i-Familie mit i Next, drei Crossover-Angeboten (i X1, i X3, i X5) sowie i 4, i 5 und i 7 als den wichtigsten Protagonisten.

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