BMW K 1600 B im Test Wenn das Schwere plötzlich ganz leicht wird

Koloss mit emotionaler Botschaft: BMW K1600 B

(Foto: BMW)

Mit der K 1600 Bagger und der verwandten Grand America will BMW bei den Luxus-Tourern punkten. Eine Testfahrt entkräftet so manches Vorurteil.

Von Peter Fahrenholz

Motorradfahrer sind aus der Sicht der meisten Nicht-Motorradfahrer Menschen, die ein rätselhaftes Hobby betreiben, das erstens gefährlich ist und zweitens überflüssigen Lärm erzeugt. Um welches Motorrad es geht, ist dabei völlig egal. Motorradfahrer hingegen wissen, dass ihre Welt in ganz unterschiedliche Fraktionen zerfällt, je nach der Art der Maschine. Und dass sich diese Fraktionen untereinander keineswegs alle grün sind, auch wenn sie sich auf der Straße mit erhobener linker Hand grüßen. Ein Tourenfahrer, der gerne ausgedehnte Reisen unternimmt, hat mit dem Heizer, der in unbequemer Zwangshaltung über dem Tank seines Supersportlers hängt, nur wenig zu tun.

Und von der Cruiser-Fraktion denken die meistern anderen Motorradfahrer, dass man mit solchen unhandlichen Eisenhaufen sowieso nicht richtig Motorrad fahren kann. Die Japaner haben die Schwergewichtsklasse dieses Segments mit der Verschärfung der Abgasnormen aufgegeben, hier dominiert mit weitem Abstand Harley-Davidson (auch wenn der US-Konkurrent Indian an Boden gewinnt).

Neben der barocken Harley-Welt gibt es noch ein paar andere Dickschiffe. Honda hat nach 17 Jahren endlich eine komplett neue Goldwing herausgebracht, die bei den eingeschworenen Goldwingern allerdings nicht auf ungeteilte Begeisterung stößt. Nicht-Goldwinger haben dieses Monument eines Motorrades schon immer eher für ein Sofa auf zwei Rädern gehalten. Und dann gibt es natürlich auch noch BMW.

Dort hat man schon immer auch schwere Tourenmaschinen gebaut, an denen zwar technisch meist nicht viel auszusetzen war, die aber optisch, nun ja, nicht so die Hingucker waren. Doch inzwischen weiß man auch bei BMW, dass attraktives Design und eine emotionale Botschaft neue Kunden anlocken können. Also hat man dem Flaggschiff der Marke, dem Sechszylinder-Tourer nebst einigen technischen Veränderungen ein zusätzliches neues Gewand spendiert, oder besser gesagt: zwei neue Gewänder. Im Sommer 2017 kam die K 1600 B ( das B steht für Bagger) auf den Markt, ein halbes Jahr später die K 1600 Grand America. Schon die Namen zeigen, welchen Markt man dabei vor allem Visier hat: die USA, das Harley-Land.

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Vor allem der Bagger liegt vom Styling her voll im Trend. Vorne hoch, mit einer abfallenden Linie nach hinten und ins Motorrad integrierten Seitenkoffern, aber ohne monströses Topcase (das die Grand America genauso wie viele Harleys hat). Wer zum ersten Mal vor einem Bagger steht, einem Koloss mit laut Werksangaben 336 Kilo Leergewicht, fragt sich unwillkürlich: Was macht man eigentlich, wenn einem das Ding umkippt? Die Antwort darauf ist auch ohne Praxistest einfach: Man wird dann in jedem Fall Helfer brauchen.

Doch sobald man den Startknopf gedrückt hat (den Zündschlüssel muss man bei so einem Motorrad natürlich nicht mehr ins Schloss stecken), weicht der ehrfürchtige Respekt sofort. Das Schwere wird plötzlich ganz leicht. Spielerisch, wie man es einem Motorrad mit diesen Dimensionen niemals zutrauen würde, lässt sich die Maschine dirigieren, bereitwillig folgt sie den Lenkimpulsen, stabil liegt sie auf der Straße, ohne dabei schwerfällig zu wirken.

Der Sechszylinder-Motor ist das Glanzstück.

Das Glanzstück ist ohne Zweifel der Motor. Sicher, 160 PS und 175 Newtonmeter maximales Drehmoment sind eine klare Ansage, dass hier Leistung im Überfluss zur Verfügung steht. Aber man muss diese Kraft auch richtig auf die Straße bringen. Der Sechszylinder ist hier in jeder Hinsicht mustergültig. Er arbeitet praktisch vibrationsfrei, hat schon im Drehzahlkeller einen immensen Schub und gibt seine Leistung sanft und gleichmäßig ab, ohne jemals angestrengt zu wirken. Der Kardanantrieb harmoniert ausgezeichnet mit diesem Triebwerk, es sind so gut wie keine Lastwechselreaktionen zu spüren.

Auch das Getriebe leistet seinen Beitrag zu einem geschmeidigen Fahrerlebnis, was bei BMW keine Selbstverständlichkeit ist. Beim Bestseller, der großen Reiseenduro 1200 GS, ist das immer wieder ein Kritikpunkt. Bei der K 1600 B arbeitet es einwandfrei, wozu auch der Schaltassistent beiträgt, mit dem man ohne Kuppeln schalten kann, was die Gangwechsel noch flüssiger macht.

Auch wer glaubt, mit so einer schweren Maschine werde es im Kurvengeschlängel heikel, wird eines Besseren belehrt. Selbst schnelle Wechselkurven sind kein Problem, die Maschine bietet dabei überraschend viel Schräglagenfreiheit. Und auch die Angst vor steilen und engen Kurven bergauf erweist sich im Nachhinein als unbegründet. Bei vielen Motorrädern muss man da bis in den ersten Gang zurückschalten und aufpassen, nicht zu langsam zu werden, weil sonst die ganze Fuhre umkippen könnte. Doch während sich ein paar Meter weiter zwei Harleys mühsam die steile Straße zum Hintersteiner See bei Scheffau in Tirol hinaufquälen, zieht der Bagger stoisch und ruckfrei im zweiten Gang nach oben. Um dem Rangieren seinen Schrecken zu nehmen, gibt es ein aufpreispflichtiges Extra, für das vor allem die Goldwing berühmt ist: einen Rückwärtsgang.

Das alles hat natürlich seinen Preis. Beim Bagger beginnt er bei knapp 22 000 Euro, bei der opulenteren Grand America gar bei 25 000 Euro. Und das lässt sich leicht noch um einige Tausend Euro nach oben schrauben. Damit bewegt man sich in der Zweirad-Luxusklasse. Nichts für Anfänger, Zielgruppe sind eher die arrivierten Silberrücken. Die bekommen für das Geld nicht nur eine Menge Motorrad. Sondern auch eine Menge Fahrspaß.

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