BMW C1 200 Mehr Schub für das Space Shuttle

Kundenwünsche veranlassen die Münchner zur Modellpflege: Windschott wie beim Cabrio soll Luftwirbel vermindern

(SZ vom 24.03.2001) Auch ein knappes Jahr nach seiner Markteinführung ist ein BMW C1 noch immer für jede Menge verrenkter Hälse gut: Das außergewöhnliche Gefährt, das die Vorteile von Zweirad (Wendigkeit, geringe Kosten) und Auto (Sicherheit, Wetterschutz) besser als jedes andere in sich vereint, erregt nach wie vor Aufsehen bei Autofahrern und Fußgängern. Selbst Motorradfahrer können das Staunen mitunter nicht unterdrücken: Spätestens dann nämlich, wenn ihnen ein C1-Fahrer auf kurvenreicher Berg(ab)-Strecke zeigt, wo es langgeht - das hervorragende, zugleich wendige und spurstabile Fahrwerk des C1 macht in Verbindung mit der ausgezeichneten Bremsanlage eine äußerst agile und dabei sichere Fahrweise möglich. Erst recht gilt das für die jüngste Version des C1 mit erstarktem Motor: Der C1 200 zieht dank vergrößertem Hubraums und stark gewachsenem Drehmoments auch in bergigem Terrain davon, dass Autofahrern häufig das Nachsehen bleibt.

Zu verdanken ist die Kraftkur nicht zuletzt den rund 7000 Käufern der ersten Serie, deren Gefährt einen Einzylindermotor mit 125 Kubikzentimetern Hubraum und 11 kW (15 PS) besitzt: "Der C1 könnte mehr Leistung vertragen", lautete nämlich die häufigste Klage der vom Hersteller befragten Kunden. BMW hörte die Kritik und handelte: 51 zusätzliche Kubikzentimeter Hubraum sorgen einerseits für drei Mehr-PS, andererseits aber für eine Steigerung des Drehmoments um 43 Prozent. Die Folge: Das Space Shuttle überrascht mit guter Durchzugskraft. Erfreulicherweise sinkt dabei das Drehzahlniveau, was in Verbindung mit der reduzierten Verdichtung (von 13:1 auf 11,5:1) eine wahrnehmbare Veränderung des Triebwerk-Klangbildes zur Folge hat.

Womit BMW gleich den zweiten häufig geäußerten Kritikpunkt angehen konnte: das nervige Geräusch der 125er-Version ist beim C1 200 gemildert. Nach wie vor unangenehm ist allerdings die Klangcharakteristik des Motors bei niedrigem Tempo und voller Last, also vollem Beschleunigen unterhalb von 50 km/h. Dass jetzt statt Tempo 103 maximal Tempo 112 erreicht werden kann, spielt insofern eine Rolle, als beim Überlandverkehr das Mitschwimmen im Verkehrsfluss erleichtert wird und Lkw in gebührender Distanz gehalten werden können. Der ermittelte Praxis-Benzinverbrauch liegt bei 3,7 Liter pro 100 Kilometer und damit exakt auf der Höhe des weiter angebotenen 125er-Bruders. Gut 200 Kilometer pro Neun-Liter-Tank sind also gewährleistet.

Besserer Witterungsschutz

Noch nicht ganz gelöst sind die aerodynamischen Probleme: Zahlreiche Kunden bemängelten, dass es im Cockpit des C1 stark zieht. Abhilfe ist immerhin in Sicht: Eine Netzkonstruktion im Bereich der Kopfstütze soll - ähnlich den bei Cabrios erfolgreich eingesetzten Windschotts - für etwas mehr Ruhe am Fahrerhaupt und weniger Regentropfen an der Innenseite der Frontscheibe sorgen. An den A-Säulen werden derzeit Windabweiser aus Plexiglas erprobt; sie sollen Luft- und Geräuschwirbel im Bereich des Fahrerkopfes reduzieren und, wie das Windschott, nachträglich an allen C1 montiert werden können. "Vor Beginn der nächsten kalten Jahreszeit" werde das mit Bestimmtheit der Fall sein, versicherte Marketing- und Vertriebschef Uhland Burkhart.

Beheizbare Griffe gegen kalte Finger

Apropos kalte Jahreszeit: Das Fahren mit dem C1 200 stellt auf Distanzen bis 25 Kilometern auch bei regnerischem Wetter und Außentemperaturen zwischen fünf Grad plus und etwa drei Grad minus kein Problem dar - wärmende und winddichte Kleidung sowie Mütze und leichte Handschuhe vorausgesetzt. Eine große Hilfe ist dabei die Heizung für die Lenkergriffe und den Sitz; schade nur, dass nicht auch die Sitzlehne ein paar Heizdrähte abbekommen hat, damit auch im empfindlichen Lendenbereich wohlige Wärme übertragen wird.

Auch das Problem der sparsamen Ablage- und Staumöglichkeiten ist noch nicht gelöst; wer das riesige Topcase nicht montieren will, findet für zwei Pfund Bananen und ein Säckchen Orangen keinen rechten Platz. Dafür ist die anfängliche Unsicherheit bei der Bedienung des Aufbockmechanismus kein Thema mehr; seit einiger Zeit verhindert ein zusätzlicher Überlastungsschutz kostspielige Fehlbedienungen. Mit der Akzeptanz des von seiner Konzeption her neuartigen Fahrzeuges ist Marketing-Mann Burghart zufrieden: "Unter Qualitäts- und Kundenzufriedenheits-Gesichtspunkten registrieren wir beim C1 eine der besten Markteinführungen der letzten Jahre", so sein Fazit der Kundenstudie. Mehr als 90 Prozent der Käufer seien "sehr zufrieden".

Die Umfrage ergab laut BMW allerlei Überraschungen: So sind die C1-Käufer deutlich älter (30 bis 65 Jahre) als erwartet (25 bis 50 Jahre), es sind viele leitende Angestellte, Selbstständige und Gutverdiener darunter. Der Preis (Bandbreite 9990 bis 11 490 Mark für die 125er Versionen, je 500 Mark mehr für den C1 200) war bislang offenbar kein Thema: Fast jeder zweite C1-Käufer wählte die Top-Version Executive, und auch die Sonderausstattungen (ABS, Topcase, Griff- und Sitzheizung) wurden mit 50 bis 70 Prozent Anteil häufiger geordert als von BMW vermutet (zehn bis 50 Prozent).

Die durchschnittliche Wochenfahrleistung der C1-Eigner liegt in Deutschland bei 80 bis 150 Kilometer, in südlichen Ländern fällt sie höher aus: "Dort ist ein C1 auch schon einmal das einzige Fahrzeug im Haushalt, während er in nördlichen Ländern eher das Dritt- oder Viertfahrzeug darstellt", so Burghart. Einen 100-prozentigen Business-Einsatz des Space Shuttle verzeichnet man am Airport Amsterdam-Schiphol: Dort leistet ein C1 gute Dienste als "Follow me"-Fahrzeug für Jets.

Von Ulf Böhringer