BMW 435i Coupé im Test:Zu perfekt, um ein BMW zu sein

Lesezeit: 4 min

BMW 435i Coupé

Als 435i leistet das BMW 4er Coupé 306 PS, sprintet in 5,1 Sekunden von Null auf Hundert und ist maximal 250 km/h schnell.

(Foto: LINE; BMW)

Er ist schön, schnell, stark - und teuer. Im Test zeigt das BMW 435i Coupé kaum Schwächen. Trotzdem wird es nicht jeden eingefleischten BMW-Fan überzeugen können.

Von Thomas Harloff

Die Traditionalisten unter den BMW-Fans machen schwere Zeiten durch. Erst entscheiden die führenden Köpfe in der Münchner Zentrale, dass nach und nach Vierzylinder mit Turboaufladung die so geschätzten Reihensechszylinder-Saugmotoren ersetzen sollen. Dann wirbeln sie die über Jahrzehnte in Stein gemeißelte Nomenklatur durcheinander, was aus dem 3er Coupé den 4er und, noch schlimmer, aus dem zweitürigen M3 den M4 macht. Schließlich fangen sie auch noch an, eigenwillig geformte Elektroautos zu bauen. Und der so heißersehnte Sportwagen kommt nicht etwa mit Sechs- oder Achtzylinder-Triebwerk, sondern mit einem aus Dreizylinder-Turbo- und Elektromotor arrangierten Hybridantrieb auf den Markt.

Zugegeben, das sind viele Neuerungen in kurzer Zeit. Doch gerade die geänderten Modellbezeichnungen sind ein konsequenter Schritt. Alle Coupés und Cabrios tragen nun eine gerade Ziffer am Anfang ihrer Typenkennung, so wie es der 6er schon in den Siebzigerjahren und der von BMW-Enthusiasten heiß und innig geliebte 8er in den Neunzigern vorgemacht haben.

Zurückhaltend klingender Motor

Der 4er unterscheidet sich optisch nun stärker von seiner technischen Basis, der 3er-Mittelklasse-Baureihe. Die Form geriet betont elegant, wenn auch das gewohnte Stufenheck durch die sanft nach hinten fallende C-Säule immer mehr zum Fließheck mutiert. Aber die Proportionen stimmen, und es wird kaum einer widersprechen, wenn man konstatiert: Das 4er Coupé sieht richtig gut aus.

Der Motor des BMW 435i Coupés.

Der Motor des BMW 435i verfügt über Turboaufladung. Das maximale Drehmoment beträgt 400 Newtonmeter.

(Foto: Alberto Martinez)

Vertrautes macht sich im Motorraum breit: Im 435i darf der seidige, mit drei Litern Hubraum und einer Leistung von 306 PS gesegnete Sechszylinder noch seinen Dienst verrichten. Ein Turbolader assistiert ihm dabei - und raubt ihm erst einmal einen Großteil seiner Stimme. Das je nach Drehzahl zwischen voluminös und heiser variierende Grollen der früheren Sauger ist passé, die aufgeladene Variante klingt deutlich zurückhaltender - wenn auch sicher nicht schwächlich.

Die Neuerungen sind Verbesserungen

Für Traditionalisten ist sie ein Frevel, doch objektiv betrachtet macht die Aufladung aus dem Reihensechser nicht nur ein sparsameres, sondern auch ein besseres Triebwerk. Klar, es fehlt das letzte Quäntchen zum exzellenten Ansprechverhalten und zur überragenden Drehfreude der alten Saugmotoren, dafür gibt es jetzt im Drehzahlkeller viel mehr Kraft als früher. Das Drehmoment-Maximum von 400 Newtonmetern steht zwischen 1200 und 5000 Umdrehungen zur Verfügung. Der Motor drückt nachhaltig, bleibt dabei aber immer kultiviert und versetzt den Insassen nicht den sprichwörtlichen Tritt ins Kreuz.

Die Frage "manuelle Schaltung oder Automatikgetriebe" hat schon immer für Diskussionsstoff gesorgt - vor allem im BMW-Lager. Wer die zu Recht hochgelobte optionale Achtgang-Sportautomatik einmal ausprobiert hat, findet kaum noch Argumente, die für das Selberschalten sprechen. Das Getriebe sortiert die Gänge sehr schnell, aber auch fast unmerklich, findet zielsicher die richtige Fahrstufe und schaltet dabei keineswegs nervös hin und her. Das einzige echte Gegenargument ist der Aufpreis von 2350 Euro - und Nostalgiker greifen sowieso zur Sechsgang-Handschaltung, die im 435i serienmäßig installiert ist.

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