Blech der Woche (2): BMW Isetta, 1962:Der kleine Fahrefroh

Lesezeit: 6 min

Der Zweisitzer versprach vor knapp fünfzig Jahren ein preiswertes Aus- und ein trockenes Fortkommen. Für Klaus Jungenhans reicht das manchmal heute noch: Er hat eine Isetta restauriert.

In der Serie "Blech der Woche" stellt die Redaktion von sueddeutsche.de Old- und Youngtimer vor - frei nach den Motti: Alte Liebe rostet nicht, oder: Liebe geht durch den Wagen. Schließlich ist die Beziehung von Mensch und Maschine eine unendliche Geschichte voller Leidenschaften.

Ein richtiges Auto, sagt selbst der Fahrer, ist das Ding in seiner Garage eigentlich nicht. Eher eine Haube mit Unterboden, die sich mit fünf Litern Unverbleitem hundert Kilometer weit bewegen lässt, die hupen kann und auf ein paar kleinen Reifen steht. Nur eine Kugel, die von vorn aussieht wie ein grinsender Käfer, und mit der Klaus Jungenblut (isetta1962) nichts zu melden hat bei Benzingesprächen über PS und Hubraum, harte oder komfortable Fahrwerke, um viel Platz im Innenraum oder eine sportliche Form.

Das Faltdach als Notausstieg

Deshalb fängt er damit gar nicht erst an. Wenn Klaus Jungenblut von seiner Isetta spricht, spielen technische Details und die damals modernen Auto-Designs aus den 50er Jahren gar keine Rolle. Er trumpft nicht auf und gibt nicht an, er sagt einfach: "Sie guckt doch so freundlich." Das muss dann reichen als Grund dafür, dass er eine Isetta fährt und keinen edlen Mercedes-Benz, der zwar viel bequemer und exklusiver wäre, aber eben nicht so ungewöhnlich wie dieses Ding.

Diese Isetta mit runden Scheinwerfern rechts und links über den kleinen Kotflügelchen, der minimalistischen Stoßstange und nur einer Tür, die zugleich die Front des Gefährts bildet. Zugelassen wurde sie in Deutschland nur, weil ein Faltdach mit der Aufschrift "Notausstieg" bei einem Frontalunfall das Entkommen der Passagiere sichert. "Das Auto hat ja eigentlich gar keinen Platz für Türen", sagt der 45-Jährige aus dem nordrhein-westfälischen Senden. "Es hat eigentlich kaum Platz für irgendetwas."

Um Platz ging es auch nicht, als bei BMW Anfang der 50er Jahre die Idee zum Bau der Isetta aufkam. Geräumige Wagen hatte man in München schon genug produziert, schwere Karossen mit viel PS, mit allerhand Luxus und in edlem Design. Schicke Autos, die richtig was hermachten, die allerdings einen Haken hatten - kaum jemand konnte sie sich leisten. Der BMW 501 oder der 501 V8 waren zwar genau das Richtige für eine schmale Oberschicht. Den Wunsch nach mehr Mobilität einer breiten Gesellschaft, die trotz Wirtschaftswunder nur wenig Geld für ein Auto übrig hatte, konnten die Bayern damit aber nicht befriedigen.

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