Der "Anhalter" in Berlin: Das ist wohl der poetischste, literarischste aller Berliner Bahnhöfe, und das nicht erst, seit er - im Krieg schwer getroffen und 1959 mit Ausnahme des Portikus gesprengt - als bloße Ruine von einer schicksalsbewegten Vergangenheit zeugt und das Gras über die Gleise wächst.

Im November 1938, kurz nach der "Reichskristallnacht", reiste Paul Celan über Berlin nach Frankreich, um in Tours sein Medizin-Studium anzutreten. Am Anhalter Bahnhof erkannte er die Zeichen der Zeit, und sein Gedicht nahm die nahe Zukunft vorweg:

Über Krakau bist du gekommen, am Anhalter Bahnhof floß deinen Blicken ein Rauch zu, der war schon von morgen.

Auch für Walter Benjamin gehört das "Tor in die blaue Ferne", das Berlin mit Athen, Rom und später auch Neapel verband, zu den Erinnerungen seiner Berliner Kindheit und wird ihm, als "Mutterhöhle" aller Bahnhöfe, zum Sinnbild für Ankunft und Abreise.

Im Bild: der Anhalter Bahnhof um 1900.

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1. August 2007, 16:062007-08-01 16:06:00 ©