Betrug beim Gebrauchtwagenkauf Was der Fachmann tun kann

  • Lassen Sie sich den Kilometerstand beim Kauf garantieren. Der ADAC rät: "Bestehen Sie auf der schriftlichen Angabe der tatsächlichen Laufleistung im Kaufvertrag." Nur so werde die Kilometerangabe verbindlich. Verkäuferangaben wie "Kilometerstand laut Tacho" oder "Kilometerstand abgelesen" seien weitgehend unverbindlich, schreibt der Automobilclub.
  • Sind Sie unsicher über die Laufleistung eines Fahrzeugs, so lassen Sie Fachleute einen Blick auf den Wagen werden. Prüforganisationen und Werkstätten führen zu einem relativ geringen Preis von etwa 50 bis 75 Euro Gebrauchtwagenchecks durch. Die Profis erkennen Ungewöhnlichkeiten an einem Fahrzeug meist schneller als Laien.
  • Auch spezielle Tachoservices können mit Justiergeräten Manipulationen nachweisen. Denn die Laufleistung ist in verschiedenen Speichermodulen eines Fahrzeugs vermerkt. Verändern Betrüger nur den Kilometerstand, vergessen aber, auch andere Module zurückzusetzen, kann der Schwindel nachgewiesen werden. Die Steuergeräte und Tachos haben außerdem einen digitalen Stempel, der ihr Produktionsdatum ausweist. Stimmt der nicht mit den Daten des Fahrzeugs überein, ist Skepsis angebracht.
  • Viele Händler garantieren die Echtheit der Laufleistung, wenn sie ein Fahrzeug verkaufen. Der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) beispielsweise verpflichtet seine Mitglieder, Privatkunden diese Sicherheit zu geben. Sollte der Käufer nachträglich eine Manipulation am Fahrzeug entdecken, so muss ihn der Händler zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten. Weigert sich der Verkäufer, so übernimmt der Verband seine Garantieleistung und kann ihn aus dem BVfK ausschließen.

Welche Maßnahmen gegen Tachomanipulation wünschenswert sind

  • Das Carfax-Prinzip: Die US-Firma Carfax bietet die lückenlose Dokumentation aller Fahrzeugdaten. Im Carfax Vehicel History Report befinden sich alle Informationen zu einem Auto, seine Wartungshistorie und auch die aktuellen Kilometerstände. In den USA ist der Report ein Standardinstrument beim Gebrauchtwagenkauf. In Europa ist der Service auch erhältlich, allerdings nur in Spanien, Schweden und Slowenien. Nach Angaben des ACE denken Verbände, Unternehmen und Politik derzeit an, die Dokumentation auch in Deutschland anzubieten.
  • Hersteller können noch vehementer gegen Sicherheitslücken vorgehen. In einer aktuellen Analyse der Universität Magdeburg und des ADAC konnten die Forscher nachweisen, dass die Autobauer ihre Bord-Software nur unzureichend gegen Manipulation schützen. Der ADAC wirft den Herstellern vor, absichtlich Sicherheitslücken in den Systemen zu lassen. Der Automobilclub vermutet, dass der Tacho-Betrug bei vielen Autos vorbereitet sei, damit die Autobauer den Kilometerzähler vor der Auslieferung von Neufahrzeugen nullen könnten. Auf dem Werksgelände seien Testfahrten vor der Auslieferung üblich. Durch die Manipulation würden die Kunden trotzdem ein Fahrzeug mit null Kilometern erhalten.

Eine endgültige Sicherheit vor gefälschten Kilometerständen gibt es nicht. Sind Interessenten unsicher, ob ihr Wunschfahrzeug manipuliert wurde, sollten sie die Finger davon lassen. Denn ein erfahrener Betrüger benötigt für das Zurücksetzen der Laufleistung nur wenige Minuten. Der Ärger, den ein solcher Wagen seinem neuen Halter bringen kann, dauert ungleich länger.