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Berühmte Marken: Land Rover:Die Last der Legende

Land Rover, eine britische Legende mit durchfahrenen Höhen wie Tiefen. Nun soll aus dem Verlustbringer wieder ein Gewinner werden. Nur wie?

Der erste Land Rover war ein Nachkriegskind. Seine Karosserie wurde nur deshalb aus Aluminium gefertigt, weil Stahl damals Mangelware war. Das eingeschmolzene Leichtmetall stammte von schrottreifen Kampffliegern. Auch die Lackierung - diverse Grüntöne - war ein Relikt der Militarisierung, denn anno 1947 lagerten in britischen Materialdepots fast ausschließlich Tarnfarben.

Land Rover

Die Modell-Palette von Land Rover führt der Range Rover an, es folgen: Freelander, Discovery, Range Sport und Defender (hinten).

Die Legendenbildung begann schon damals mit der rostfreien Karosse, dem unverwüstlichen Leiterrahmen und den unkaputtbaren Motoren, die notfalls auch mit Pflanzenöl funktionierten. Knapp 60 Jahre später hat sich am Urvater aller Land Rover zumindest optisch nicht viel verändert.

Ziegelstein zum Zähneklappern

Das Design ist immer noch so kantig wie ein Ziegelstein, die Zähigkeit und die Geländetauglichkeit beeindrucken selbst hartgesottene Offroad-Hasen und der nicht vorhandene Komfort lässt nach wie vor das Blickfeld der Besatzung erzittern und reihenweise Zähne klappern.

Einst der ruhende Pol von British Leyland, gehört Land Rover nach kurzen Intermezzi mit British Aerospace und BMW seit 2000 zu Ford, genauer gesagt zur Premier Automotive Group. Doch die Freude der Amerikaner über ihre Premium-Marken hält sich bekanntlich in Grenzen, denn vor allem Jaguar und Land Rover schreiben rote Zahlen. Nach 300 Millionen Dollar Verlust im Vorjahr steht für 2007 die schwarze Null auf der Wunschliste.

Die englischen Patienten

Trotz der Millionen Dollar aus dem Verkauf von Aston Martin wollen die Verkaufsgerüchte um Jaguar/LR nicht verstummen, doch der Nettoertrag liegt nach Insider-Schätzungen bei kaum 1,5 Milliarden Dollar - zu wenig, um die gewaltigen Investitionen auch nur annähernd wieder hereinzuspielen. Bleibt die Frage, ob Ford aus eigener Kraft die nötigen Restrukturierungsmaßnahmen durchführen kann, denn dazu gehören Entlassungen, Werkschließungen und eine grundlegende Konsolidierung der beiden so unterschiedlichen englischen Patienten.

Land Rover steht inzwischen produktmäßig auf fünf recht soliden Beinen. 1970 startete mit dem feinen Range Rover das Arbeitgeber-Pendant zum Landy seine Karriere, 1989 folgte mit dem Discovery eine Alternative für die Gummistiefelaffine Middle Class, 1998 begann mit dem Freelander die Eroberung der Arbeiterschicht und seit 2005 balanciert der Range Rover Sport auf dem schmalen Grat zwischen Furchenadel und Schickeria.

Obwohl die Marke auf den ersten Blick recht ordentlich aufgestellt ist, kommt die Traditionsfirma finanziell auf keinen grünen Zweig. Zu gering sind die Stückzahlen der einzelnen Baureihen, zu unterschiedlich die Technik, zu aufwendig die Fertigung, zu mächtig die Gewerkschaften. Trotz wiederholter Bemühungen haben die Engländer außerdem mit diversen Fertigungsproblemen ihre liebe Not - auch in der 2006er Zuverlässigkeitsstudie von J. D. Power bildet Land Rover weit abgeschlagen das Schlusslicht.

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Land Rover Defender 2007