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Autozulieferer:Bosch will den Diesel retten

Bosch Bilanzpressekonferenz

Schnell ein Selfie: Bosch-Chef Volkmar Denner (links) und Ingenieur Stefan Bareiss, der an der Entwicklung der neuen Dieseltechnik beteiligt war.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)
  • Autozulieferer Bosch hat eine Technik entwickelt, mit der sich der Stickoxidausstoß von Dieselmotoren angeblich auf ein Minimum reduzieren lässt.
  • Experten sehen in der Technik zwar einen Fortschritt, aber keineswegs eine "Revolution".
  • Es sei fraglich, ob die Autoindustrie das verlorengegangene Vertrauen der Autokäufer wiedererlangen könne.

Von Stefan Mayr, Renningen

Volkmar Denner lässt die ihm typische Zurückhaltung fast völlig fallen. Vor lauter Begeisterung rutscht der Chef des Technologie-Konzerns Bosch kurzzeitig in den schwäbischen Dialekt. "Setzen Sie sich rein und fahren Sie doch einfach!", ruft der promovierte Physiker einem Journalisten zu, der Denners frohe Botschaft kritisch hinterfragt hat. Denner spricht von einem "Durchbruch", sogar von einer "Revolution".

Seine Ingenieure hätten eine neue Technik entwickelt, die den Stickoxid-Ausstoß von Diesel-Motoren weit unter die künftigen strengen Grenzwerte senke. Denner gibt am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Renningen bei Stuttgart Vollgas und tönt: "Der Diesel kann wieder durchstarten - ökologisch rehabilitiert."

Im Foyer des konzerneigenen Innovationszentrums steht ein schwarzer VW Golf GTD, auf dessen Kühlerhaube zwei große weiße Ziffern prangen: 13. Lediglich 13 Milligramm Stickoxid pro Kilometer stoße der Mittelklasse-Wagen bei einer Normfahrt nach dem RDE-Standard (Real Driving Emission) aus. Das ist nur noch ein Zehntel des von 2020 an in Europa geltenden Grenzwertes von 120 Milligramm. Der Ausstoß bleibe selbst bei niedrigen Außentemperaturen, aggressivem Fahrstil und starken Steigungen unter 50 Milligramm, betont Denner.

Diese Technologie ändere alles, sagt der 61-Jährige, auch und vor allem die Diskussion um Diesel-Fahrverbote in abgas-belasteten Innenstädten: "Nicht der Verbrennungsantrieb ist überholt, sondern die Debatte über sein baldiges Ende", sagt Denner. Niemand werde einem derart ausgerüsteten Diesel die Einfahrt in die Städte verbieten können, prophezeit Denner. Sehr ähnliches hatte Daimler-Boss Dieter Zetsche Anfang April verkündet: "Die neuesten Dieselmotoren sind im Antriebsmix der Zukunft nicht das Problem, sondern ein wichtiger Teil der Lösung."

Revolution und Durchbruch? Eher nicht

Da ziehen zwei Top-Manager aus Stuttgart unübersehbar an einem Strang. Das ist der verständliche Versuch, eine in Verruf geratene Technologie zu retten, in die beide Unternehmen sehr viel Geld investiert haben und mit der sie sehr viel Umsatz machen. Bei Bosch alleine arbeiten immerhin 50 000 Mitarbeiter im Diesel-Bereich.

Ist die neue Bosch-Technik nun wirklich der große Durchbruch oder eher nur lautes PR-Getrommel? "Die Begriffe Revolution und Durchbruch würde ich nicht verwenden", sagt Auto-Experte Stefan Bratzel, "für mich ist es eher eine Evolution." Die neue Entwicklung sei zwar "durchaus eine Innovation", die auch dabei helfen könne, die Dieseltechnologie in Europa "für eine Übergangszeit weiter interessant" zu halten. Ob dies aber das verlorene Vertrauen der Verbraucher in Diesel-Pkw zurückbringen werde, sei noch offen, sagt der Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.

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