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Autosalon Paris 2018:Und ewig grüßt das SUV

Die wichtigste Automesse Europas in Paris zeigt vor allem, wie einfallslos die deutschen Hersteller sind. Schuld daran sind aber auch die Kunden.

Von Felix Reek

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Audi unveils its first production all-electric vehicle, the e-tron sport utility vehicle at an event in Richmond

Quelle: REUTERS

Irgendwie ist es bezeichnend: Wenige Wochen bevor der Autosalon Paris (2. bis 14. Oktober) startet, der sich im Zweijahrestakt mit der IAA in Frankfurt abwechselt, präsentieren die deutschen Hersteller ihre Prestige-Objekte für die nächsten Jahre - abseits der ehemals wichtigsten Fachmesse Europas. BMW ließ den iNext aus dem Bauch eines Cargo-Fliegers auf dem Flughafen München rollen, Audi zeigte den e-Tron in einer Halle nahe San Franciscos (im Bild), Mercedes verschaffte dem EQC in Stockholm seinen großen Auftritt. Alle drei SUVs, alle erstmals mit reinen Elektromotoren.

Das zeigt vor allem zwei Dinge: Noch immer hechelt die deutsche Autoindustrie hoffnungslos Tesla hinterher. In diesen Fällen dem zwei Jahre alten Model X. Und sie gibt das auch noch offen zu. So wurde bei der Premiere des e-Tron aus Audis Werbespruch "Vorsprung durch Technik" ein fast schon ein resignierendes: "Vorsprung heißt nicht der Erste zu sein, sondern der Erste, der es richtig macht", von Unternehmenschef Bram Schot. Selbstbewusstsein klingt anders.

Zweitens verdeutlicht es, wie sehr sich die Branche in den vergangenen Jahren verändert hat. Tesla und die Firmenkultur des Silicon Valley hat nicht nur beim Autobau Spuren hinterlassen. Auch die Präsentation hat sich geändert. Wichtige Neuheiten stellen die Automobilhersteller mittlerweile bei singulären Showevents vor. Dort ist die Aufmerksamkeit ungeteilt. Auf den Messen landet der Rest. Damit bloß nicht auffällt, dass sich das Portfolio der Industrie - Klimawandel und alternative Antriebe hin oder her - kaum gewandelt hat.

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Audi Q8

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Quelle: Audi

Deswegen umfassen die Neuheiten der deutschen Hersteller in Paris wie vor zwei Jahren vor allem SUVs in allen Größen. Wobei es zu einfach wäre, daran allein den Herstellern die Schuld zu geben. Die folgen den Gesetzen des Marktes. Und das heißt aktuell: Die Deutschen kaufen im Supermarkt zwar Bio-Produkte, wenn es um Autos geht, können die aber nicht groß und schwer genug sein.

Das beweist allen voran Audi. Das Unternehmen steigt mit dem Q8 in das Luxussegment ein und entwickelte sein erstes Stadtgeländewagen-Coupé. So absurd diese Kombination auch klingt.

Fünf Meter lang und zwei Meter breit, leitet der Q8 eine neue Designsprache bei Audi ein. Wie eigentlich bei allen Herstellern heißt das: ein noch aggressiveres Aussehen. Front und Heck des Q8 wirken kantiger als die bisherigen SUVs im Portfolio. Die meiste Technik stammt aus dem Q7, das Bedienkonzept mit drei Displays im Cockpit aus dem A8 und A6. Als Motor steht zur Zeit nur ein Dreiliter-Diesel mit 286 PS zur Verfügung. Anfang 2019 sollen ein weiterer 231 PS starker Selbstzünder und ein Turbobenziner mit 340 PS folgen.

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Audi Q3

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Quelle: Audi

Mehr Umsatz dürfte sich Audi vom neuen Q3 versprechen. Seit seiner Einführung 2011 verkaufte der Autohersteller aus Ingolstadt mehr als eine Million der "kompakten" SUVs. Es ist der letzte Lifestyle-Geländewagen dieser Größe aus dem VW-Konzern, der auf den modularen Querbaukasten (MQB) umzieht. Das heißt, der Q3 teilt sich die technische Basis mit dem Skoda Kodiaq und dem VW Tiguan.

Das sorgt dafür, dass das SUV etwa zehn Zentimeter länger ist als sein Vorgänger (jetzt 4,5 Meter) - das soll mehr Platz im Innenraum bieten. Auch der Kofferraum wächst dank der verschiebbaren Rückbank auf 530 bis 1525 Liter an.

Zusätzlich zu mehr Platz und aggressiverem Design ziehen diverse Assistenzsysteme in den Audi ein. "Pre sense" zum Beispiel warnt vor brenzligen Situationen mit anderen Verkehrsteilnehmern und leitet bei Bedarf eine Notbremsung ein. Hinzu kommt ein Fahrassistent, der die Steuerung des Q3 autonom übernimmt, solange die Hände am Lenkrad bleiben.

Zum Verkaufsstart im Herbst gibt es vier Motoren: drei Vierzylinder-Benziner zwischen 150 und 230 PS und Diesel mit 150 PS. Abgasskandal hin oder her: Die Verkaufszahlen geben Audi übrigens recht, nicht ganz auf Diesel zu verzichten. Im August legte der Verkauf von Selbstzündern wieder um acht Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Der Blick auf die Steigerungsraten bei SUV-Neuzulassungen fällt noch dramatischer aus: 49 Prozent mehr waren es laut Kraftfahrtbundesamt im Vergleich zum August.

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BMW X5

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Quelle: Uwe Fischer; BMW

Ähnlich wuchtig wie Audi Q7 und Q3 zeigt sich der neue BMW X5 in Paris, der Ende 2018 in den Handel kommt. Neben der üblichen Palette an Diesel- und Benzinmotoren bieten die Bayern das SUV auch als Hybrid an. Dann arbeiten ein 286 PS starker Dreiliter-Reihensechzylinder und ein Elektromotor mit 112 PS zusammen. Allein mit Strom schafft der X5 eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h und eine Reichweite von 80 Kilometern.

Einen Schlüssel braucht das SUV nicht mehr. Eine neue Funktion namens "BMW Digital Key" erkennt den NFC-Chip im Handy und öffnet die Tür, wenn der Fahrer das Smartphone an den Türgriff hält. Der X5 startet, wenn das Mobiltelefon auf der entsprechenden Ablage liegt.

Im Inneren schlägt auch im BMW die Digitalisierung voll zu. Ein riesiges Display erstreckt sich bis zur Mittelkonsole, gegen Aufpreis ist eine SIM-Karte mit unbegrenztem Datenvolumen integriert, mit der sich Apps runterladen, Office-Anwendungen ausführen und das Smartphone integrieren lassen. Zeit zum Lenken bleibt da kaum noch.

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Mercedes GLE

Der neue Mercedes-Benz GLE: Der SUV-Trendsetter, ganz neu durchdacht  The new Mercedes-Benz GLE: The SUV trendsetter completely reconceived

Quelle: Daimler AG

Entgegen dem Trend im Autobau wird der Mercedes GLE, der für Anfang 2019 angekündigt ist, wieder rundlicher. Aber natürlich ist auch das neue SUV größer als sein Vorgänger: Um acht Zentimeter ist der GLE gewachsen und kommt so mittlerweile auf fast fünf Meter Länge.

Die Unmengen an Knöpfen und Bedienelementen, die Mercedes-Fahrer aus anderen aktuellen Modellen des Herstellers kennen, finden sich auch in dem neuen SUV. Die Funktionen auf den zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen lassen sich per Gesten, Sprache oder Knöpfen oder Handberührung bedienen. Hinzu kommen wie bei Audi auch diverse Assistenzsysteme, die das Fahren sicherer machen sollen. Eines erkennt zum Beispiel ein sich näherndes Stauende und geht bei aktiviertem Lenk- und Abstandsassistenten selbstständig in den Stauassistenten über.

Zum Verkaufsstart bietet Mercedes den GLE mit Reihensechszylinder und 367 PS an, die Vierzylinder-Versionen erscheinen erst danach.

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Seat Tarraco

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Quelle: Seat

In Paris zeigt Seat zum ersten Mal seine Version des Skoda Kodiaq. Der Tarraco basiert ebenso wie der Tiguan Allspace auf der gleichen Basis von VW. Deswegen erhält er auch die neuesten Fahrassistenzsysteme des Konzerns. Der Tarraco erkennt Fußgänger und Fahrradfahrer, bremst im Notfall und fährt im Stau autonom.

Das SUV ist ab Dezember als Fünf- oder Siebensitzer mit vier Motorisierungen bestellbar: zwei Benziner und zwei Diesel mit jeweils 150 beziehungsweise 190 PS. Von den martialischen Pressebildern im Gelände sollte man sich übrigens nicht täuschen lassen: Das Einsatzgebiet des Mittelklasse-SUVs dürfte wie bei allen Autos dieser Klasse vor allem die Stadt sein.

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Porsche Macan

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Quelle: Porsche

Neues gibt es in Paris auch von Porsche: der neue Macan, der ab 2019 bei den Händlern steht. Da es sich allerdings nur um ein Facelift handelt, lassen sich die Unterschiede zum Vorgänger nur unter dem Mikroskop finden. Wirklich neu ist: Das SUV will kein SUV mehr sein. Zumindest vermied Designchef Michael Mauer bei der Premiere vor einigen Wochen in Shanghai das Wort geschickt und sprach immer wieder von einem "Sportwagen". Aber natürlich ist das der Macan immer noch nicht. Selbst ein SUV von Porsche lässt sich nicht in einen 911er verwandeln. Daran kann auch die jüngst verkündete Abkehr von Dieselmotoren nichts ändern.

Zum Start im Herbst gibt es den Basis-Vierzylinder des Macan mit 250 PS, der vor allem für den chinesischen Markt konzipiert ist. Ende des Jahres folgen der Dreiliter-V6 mit 354 und der Biturbo-V6 mit 440 PS. Das dürfte auch den meisten Porsche-Kunden sportlich genug sein.

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BMW Z4

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Quelle: BERNHARD_LIMBERGER; BMW

Apropos sportlich: In Paris zeigt BMW auch seinen neuen Roadster Z4, dessen Topmodell mit Reihensechszylinder 340 PS leistet - die zunächst einzige bestellbare Variante. Darunter bietet der Hersteller in Zukunft noch zwei Vierzylinder mit 197 und 258 PS an. Nur in der Basisversion gibt es eine manuelle Schaltung, sonst übernimmt dies eine achtstufige Automatik.

Das Design der dritten Generation des Z4 orientiert sich dabei nicht am Vorgänger sondern am Z8, der von 2000 bis 2003 gebaut wurde. Oder wie es BMW nennt: "Neuinterpretation der eigenen Ikonen". Die offensichtlichste Veränderung dürfte beim Z4 die Rückkehr zum klassischen Stoffverdeck der ersten Generation des Roadster sein. Das faltbare Metalldach kam bei den Kunden des Vorgängers nur bedingt an.

Durch den Einsatz von Carbon sinkt zudem das Gewicht des mindestens 35 000 Euro teuren Roadsters auf etwa 1,5 Tonnen, wodurch sich der Z4 noch sportlicher fahren lässt. Wenn der Pilot hinter dem Steuer überhaupt dazu kommt. Denn auch im BMW findet sich eine Vielzahl an digitaler Zerstreuung. So verwandelt eine Microsoft Office Einbindung den Z4 in ein mobiles Büro. Der BMW liest dann Mails vor und kann per Spracheingabe Nachrichten formulieren und Termine verwalten.

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Mercedes A-Klasse Coupé

Mercedes-Benz A-Klasse Limousine, V177, 2018  Mercedes-Benz A-Class Sedan, V177, 2018

Quelle: Daimler AG

Nach der Premiere der A-Klasse präsentiert Mercedes in Paris noch eine Coupé-Version seiner Kompaktklasse. Damit soll wohl endgültig das Image als Senioren-Auto abgelegt werden. Allerdings gibt es im Portfolio von Daimler schon den CLA, der nur unwesentlich größer ist. Deswegen soll dessen nächste Generation 2019 sportlicher werden.

Bis auf die veränderten Platzverhältnisse gibt es im Coupé aber kaum Unterschiede zur A-Klasse mit steil abfallendem Heck. Nur wer größer als 1,85 Meter ist, für den dürfte es durch die sportlichere Dachlinie auf der Rückbank eng werden. Auch das umfangreiche Programm an Assistenzsystemen und digitalen Anbindungen ist schon aus der A-Klasse bekannt.

Die Motorpalette umfasst bisher fünf Vierzylinder-Benziner zwischen 163 und 224 PS sowie einen Diesel mit 116 PS. Die Preise starten bei 31 000 Euro. Wer hier nicht fündig wurde - die nächsten SUV-Modelle kommen bestimmt.

© SZ.de/kaeb/rus
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