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Autos im digitalen Zeitalter:Smart ist nur das Phone

Jugendliche interessieren sich immer weniger für Autos, auch weil Hersteller die Verbindung zur digitalen Welt verschlafen haben.

Boris Herrmann

Man kann nicht laut genug betonen, dass das Leben im digitalen Zeitalter einfacher geworden ist. Früher, als die Computer so groß wie Tiefkühltruhen waren und die Telefone wie Hunde an einer Leine hingen, mussten die Menschen noch selber denken. Heute übernehmen das die Dinge für sie. Denn nicht nur die Menschen, sondern auch die Dinge sind inzwischen online.

Treffen mit lustigen Autos? Das ist nicht mal mehr Achtziger. Bei der digitalen Jugend des dritten Jahrtausends verliert sich der Wunsch nach einem eigenen Auto.

(Foto: AP)

Es gibt mittlerweile Turnschuhe, die ihren Turnschuhträger besser kennen als der Turnschuhträger sich selbst. Und wenn man die Schuhe dann ans Netz anschließt, erstellen sie dem Träger einen personalisierten Trainingsplan. Es gibt Kühlschränke, die nach Wurst und Käse rufen, wenn ihr Besitzer Hunger hat. Und es gibt Betten, die ihren Belagerer aufwecken, wenn er zu schnarchen beginnt. Ausgerechnet das Auto aber, das einmal zu den Pionieren der kommerziell genutzten Dinglichkeit gehörte, hat den modernen Menschen bislang im Stich gelassen. Es ist nie so recht im digitalen Zeitalter angekommen.

Hätte man einen Jugendlichen vor 20 Jahren gefragt, worauf er sich am meisten freut, wenn er 18 ist, hätte er ohne zu zögern gesagt: "Den Führerschein!" Bei der digitalen Jugend des dritten Jahrtausends dagegen verliert sich der Wunsch nach einem eigenen Auto zwischen unzähligen anderen Begehrlichkeiten - meist aus den Regalen der Unterhaltungselektronik. Früher hatte das Auto im Freiheitsgefühl Jugendlicher praktisch eine Monopolstellung. Inzwischen hat sich dieses Gefühl von der Straße in die sozialen Netze verlagert. Allein in den USA ist der Anteil junger Führerscheinbesitzer in den vergangenen drei Jahrzehnten um ein Drittel zurückgegangen. Und der Bremer Trendforscher Peter Kruse sagt: "Autos sind kein Bestandteil der Jugendkultur mehr."

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