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Autos für die Steckdose:Zu optimistische Umwelbilanz

"Elektroautos sind das Herz unserer künftigen Strategie. Wir wollen die Nummer eins auf diesem Markt werden", gibt sich Renault-Chef Carlos Ghosn besonders ehrgeizig. Von 2012 an sollen jährlich 100.000 E-Mobile in Flins bei Paris vom Band laufen. Zum Vergleich: Toyota verkauft in Europa bislang halb so viele Hybrid-Fahrzeuge, obwohl der benzinelektrische Antrieb ausgereifter ist.

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Renault verspricht Elektro-Fahrleistungen auf dem Niveau eines 1,6-Liter-Benziners. Die E-Maschine leistet 44 kW (60 PS) bei 12.000 Umdrehungen - nicht gerade viel für einen Kleintransporter mit 1600 Kilo Leergewicht. Dafür stehen 190 Newtonmeter Drehmoment von der ersten Motorumdrehung an bereit, die gefühlte Beschleunigung muss sich in der City hinter keinem Sportwagen verstecken; der Kangoo be bop Z.E. macht allerdings bei 130 km/h schlapp. Positiv ist dagegen, dass die Batterien wie bei Hybrid-Fahrzeugen während des Bremsens geladen werden, 20 Prozent der Bewegungsenergie will Renault zurückgewinnen. Trotzdem ist selbst bei moderater Fahrweise nach 100 Kilometer Schluss, bis zum Marktstart in 18 Monaten soll der Aktionsradius auf 160 Kilometer steigen. Genug für jene, die mit dem Elektroauto hauptsächlich zur Arbeit und zum Einkaufen fahren wollen.

Zu optimistisch ist allerdings Renaults Umweltbilanz: "Die CO2-Gesamtemissionen inklusive Stromerzeugung eines Elektroautos betragen nur rund die Hälfte eines herkömmlichen Verbrennungsmotors", behaupten die Franzosen. Für den deutschen Energiemix mit 50 Prozent Kohleanteil ist das schlicht nicht zutreffend, eher schon beim französischen Energiemix mit 90 Prozent Kernkraftanteil.

Irreführend ist auch Renaults Vergleich der Energieeffizienz: Elektro-Antriebe würden mit 90 Prozent Wirkungsgrad arbeiten, während Pkw-Verbrennungsmotoren nur rund 25 Prozent erreichten. Beim Elektroantrieb muss aber die gesamte Primärenergiekette von der Stromerzeugung über den Transport bis zur Speicherung und Umsetzung im Auto eingerechnet werden: Statt des elektromotorischen Wirkungsgrads von maximal 90 Prozent beträgt der Gesamtwirkungsgrad dann lediglich 42 Prozent.

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