bedeckt München
vgwortpixel

BMW, Mercedes, VW, Audi:Diese Autos verschwinden bald vom Markt

Vier Autos, die bald nicht mehr verkauft werden: Mercedes S-Klasse Cabrio, Audi TT, VW Golf Sportsvan und BMW 2er Gran Tourer (von links oben im Uhrzeigersinn).

(Foto: Hersteller)

Coupé, Crossover, Kompakt-SUV - die Vielfalt der Automodelle ist zuletzt immer mehr gewachsen. Doch nun dünnen die Hersteller ihr Sortiment radikal aus.

Es gibt nichts, das es nicht gibt auf unseren Straßen: SUVs mit Cabrio-Verdeck, Stretchlimousinen, eine Handvoll Wasserstoff-Autos, ein bahnbrechendes Elektrofahrzeug mit Karbonkarosserie, Coupés und Cabrios in fast allen Preisklassen und einige wenige billige Kleinwagen. Das zu diesem breit angelegten Spektrum passende Motto "Machen, was machbar ist" hat zu einer erstaunlichen Artenvielfalt geführt - die bei vielen Herstellern plötzlich in Frage gestellt wird.

Schuld daran ist das liebe Geld, das künftig nicht mehr in zusätzliche Karosserievarianten fließen soll, sondern in unverzichtbare Techniktrends wie E-Mobilität, Digitalisierung und autonomes Fahren. Die Idee, die bestehende Verbrenner-Palette als Elektro-Familie zu spiegeln und alle wichtigen Segmente doppelt zu besetzen, ist reizvoll, aber unbezahlbar. Deshalb wird gekürzt und gespart: Erste Maßnahmen betreffen Streichungen im Leistungsfächer der Benzin- und Diesel-Aggregate sowie das Ausdünnen des Portfolios in Bezug auf margenschwache Modelle mit zu geringen Stückzahlen.

Droht jetzt ein blecherner Einheitsbrei mit genormten Antrieben und von Big Data kontrollierten Betriebssystemen? Das könnte passieren. Fest steht, dass der anstehende Paradigmenwechsel neue Prioritäten setzt, auf die es schnell zu reagieren gilt. Ein Beispiel: Wenn in naher Zukunft jedes 08/15-Elektroauto in sechs oder sieben Sekunden von Null auf Hundert beschleunigen kann, sind Fahrleistungen plötzlich kein Verkaufskriterium mehr - schlecht für Marken wie BMW oder Porsche. Im Kommen als Differenzierungsmerkmal ist ein möglichst variables Raumangebot: Weil Verkehrsflächen und Wohnraum in den Städten knapper werden, gehören Cocooning und intelligenten Mobilitätsalgorithmen die Zukunft. Die Geister scheiden sich derzeit noch an der Verpackung, denn alles, das nur entfernt nach Mini- oder Microvan aussieht, steht sich im Handel die Reifen platt.

In der zunehmend komplexen Mischkalkulation der Autohersteller geht es den Flops nun mit Vehemenz an den Kragen. Typisch für diesen Umdenkprozess ist der Niedergang der Kleinwagen, die kaum noch profitabel sind, weil die obligatorische Aufrüstung in Sachen Emission, Sicherheit und Infotainment die ohnehin schmalen Gewinne auffrisst. Fiat hat deshalb den Rückzug aus diesem Markt verkündet, Opel schickt die Brüder Adam und Karl in Rente und Ford verabschiedet sich vom Ka+. Auch in anderen Segmenten brechen deutlich härtere Zeiten an. So fährt das Stufenheck schon seit geraumer Zeit auf der Vierliererstraße, der Kombi ist zu einem rein europäischen Phänomen degeneriert, Coupés und Cabrios funktionieren längst nicht mehr als smarte Kontraindikation zur SUV-Epidemie, sondern fast nur noch als exklusive Zweit- und Drittwagen.

Audi: Opfer der Controller

Das Audi TT Coupe steht auf der Streichliste des Unternehmens.

(Foto: Audi)

Aktuell arbeiten die Ingenieure von Audi am Nachfolger des betulich-biederen A8, der sich in Form und Konzept von Mercedes S-Klasse und BMW 7er deutlich absetzen muss. Ansonsten aber sind die Ingolstädter derzeit vor allem damit beschäftigt, ihre Modellpalette aufzuräumen. So soll das A 3 Cabrio aus dem Sortiment verschwinden. Ebenfalls keine Zukunft in seiner aktuellen Form dürfte der R 8 haben, der allerdings noch bis zum Jahr 2025 weitergebaut werden dürfte. Das nächste Opfer der Controller ist der Audi TT (Foto), der spätestens 2023 einem Elektro-Sportwagen auf Basis des künftigen Porsche Cayman weichen soll.

Auch bei e-tron GT und Taycan, Q5 e-tron und dem Macan-Nachfolger, dem Q8 e-tron und der dritten Cayenne-Generation machen beide Unternehmen gemeinsame Sache. Um Kosten zu sparen, wird man parallel dazu jedoch kaum darum herumkommen, den bestehenden Plattform-Wildwuchs einzudämmen. Die kleineren E-Autos bis zum Q4 e-tron beziehen ihre Gene künftig aus Wolfsburg, die größeren nutzen primär die mit Porsche konzipierte PPE-Architektur. Wie es mit der von Audi selbst entwickelten Premium-Multitraktions-Matrix weitergeht, die auch mit der Brennstoffzelle kompatibel wäre, ist noch offen.

Wenn 2020 mit dem Q 4 e-tron die E-Welle richtig anrollt, dürfte eine weitere Flurbereinigung anstehen. So wird zum Beispiel darüber diskutiert, A 5 Sportback und A 7 Sportback zu einem einzigen Modell zusammenzufassen, den fix und fertigen Horch (ein langer A 8 im Chrom-Ornat) wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen und den A 1 auf Polo-Basis nach Ende der Laufzeit einzustellen. Als Belohnung für so viel Verzicht winken ein kompakter und dennoch geräumiger A 3 e-tron (kommt 2021, ist im Prinzip das Audi-Gegenstück zum VW ID.3), der A 6 e-tron (2022) als Limousine und Avant oder Sportback sowie der konzeptuell noch nicht runde A 9 e-tron (2024). Zu diesen drei elektrifizierten Flachbodenkonstruktionen gesellen sich zeitnah die entsprechenden Q-Derivate mit E-Antrieb. Komplett neu im Modellfahrplan ist der coupéhafte Q 6 e-tron.