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Autoreparatur im Ausland:Diese Fallen lauern beim Reparatur-Tourismus

Freie Autowerkstatt in München

Eine Reparatur in einer ausländischen Vertragswerkstatt kann deutlich günstiger sein als in einem freien Betrieb in Deutschland.

(Foto: Robert Haas)
  • Für deutsche Autofahrer kann es sich finanziell lohnen, ihr Fahrzeug im Ausland reparieren zu lassen.
  • Um dabei auf der sicheren Seite zu sein, sollte man jedoch einige Grundregeln beachten.
  • Das Europäische Verbraucherzentrum gibt Tipps, wie Sie sich richtig verhalten, wenn Sie sich an eine ausländische Werkstatt wenden.

Mal eben den Kratzer ausbessern? Der Lackierer schaut skeptisch. "So einfach ist das nicht", sagt er, der Kroate, in perfektem Deutsch. Er betrachtet den Schaden, der sich vom vorderen Kotflügel bis nach hinten durchzieht. "Da müssen wir die ganze Seite neu machen", ergänzt der Lackierer. Auf einem Notizblock kritzelt er die Kosten zusammen: Metalliclack, drei Tage Arbeit, plus Steuern. "Macht 4100 Kuna oder 547 Euro. Sie können auch gerne mit einer Karte bezahlen."

Für die Opel-Niederlassung in Split sind solche Gespräche nichts Besonderes. Im Sommer schauen fast täglich ausländische Kunden vorbei, die ihren Urlaub mit einem Werkstattbesuch verbinden. In Südeuropa sind Reparaturen oft deutlich günstiger als in Deutschland. Verständlich also, dass sich in manchen Ferienregionen ein regelrechter Reparatur-Tourismus entwickelt. "Spontan nehmen wir gar keine Aufträge mehr an, weil wir so viele Anfragen haben", erzählt der Kroate. Gerade erst habe sich ein Schweizer per E-Mail gemeldet, um einen Termin auszumachen.

Bislang gibt es kaum Beschwerden

Die Vorteile bei solchen Auslandsreparaturen sind offensichtlich: weniger Geld, gleiches Ergebnis. Immerhin sind auf italienischen oder polnischen Straßen die gleichen Automodelle unterwegs wie in Deutschland. Dementsprechend ähnlich müsste der Service in der Werkstatt laufen. Oder nicht?

"Zunächst einmal ist es natürlich positiv, die Vorteile des europäischen Binnenmarkts zu nutzen", sagt Patrick Oppelt, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Kehl. Das EVZ wird von EU- und Bundes-Mitteln finanziert und berät Verbraucher, die mit grenzüberschreitenden Problemen zu kämpfen haben. Beschwerden zum Reparatur-Tourismus gebe es bislang kaum, sagt Oppelt. Aber: "Gepfuscht werden kann immer, genau wie in einer Werkstatt zu Hause. Der große Unterschied ist die Distanz."

"Man sollte höchst vorsichtig sein", sagt der ADAC

Wenn der neu installierte Motor in Deutschland den Dienst quittiert, besteht zwar ein Gewährleistungsanspruch. Doch wie lässt dieser sich durchsetzen, wenn die Werkstatt Hunderte Kilometer entfernt liegt? Versteht der Monteur, mit dem man sich per Handschlag geeinigt hat, überhaupt eine E-Mail auf Englisch? Stellt sich die Werkstatt stur, kann es schnell teuer werden. Gutachter, Übersetzer, Anwälte: Wer im Ausland sein Recht durchsetzen will, braucht einen langen Atem. Der ursprüngliche Spareffekt kann sich schnell ins Gegenteil verkehren.

Der ADAC gibt sich daher zurückhaltend, was Reparaturen im Ausland angeht. "Man sollte höchst vorsichtig sein", rät Klubjurist Klaus Heimgärtner. "Sonst wird ein solcher Ausflug schnell zum Vabanque-Spiel." Zum einen sei das Werkvertragsrecht in Europa noch nicht vereinheitlicht, was zu unterschiedlichen Gewährleistungsansprüchen führe. Zum anderen gebe es oft ganz praktische Probleme: Was, wenn mich der Mechaniker nicht richtig versteht? Oder der Auftrag innerhalb der Urlaubszeit nicht erledigt wird? "Dann können Sie nicht ohne Motor nach Hause fahren", sagt Heimgärtner, der selbst einmal einen Schaden in Spanien hatte. "Es dauerte ewig. Am Ende wurde es richtig knapp."