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Autonomes Fahren:Noch mehr, noch schneller - wenn man nur dürfte

Die Münchner haben in den neuen 7er, ihre Oberklasse-Limousine, schon viel von dem eingebaut, was künftig eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Ein Spurhalteassistent, eine automatische Einpark-Funktion per Schlüssel-Fernsteuerung, einen Stauassistenten, der beschleunigen, bremsen und lenken kann.

Auch Mercedes hat seine E-Klasse hochgerüstet: Einparken per Handy-App, selbständiges Überholen auf der Autobahn, das Erkennen von Verkehrszeichen. In den nächsten fünf bis sieben Jahren werde man das System weiter ausbauen, kündigte Daimler-Vorstandsmitglied Ola Källenius neulich an. Aber das alles sei eben auch "ein Prozess, der nicht unabhängig vom Gesetzgeber verläuft". Man würde schon gerne noch mehr noch schneller machen - wenn man nur dürfte.

Audi, BMW, Daimler, die Lkw aus dem Platoon: Sie alle haben gemeinsam, dass die Hände des Fahrers nicht über längere Zeiträume das Lenkrad loslassen dürfen. Oder, wie es die Ingenieure sagen: Die "Hands-on-detection" ist eingeschaltet. Nur ein paar Sekunden, dann wird es laut. Ein Warnsignal, Assistenzsysteme fahren langsam herunter, und wenn niemand reagiert, bremst das Auto langsam ab und fährt automatisch rechts ran.

Der Mensch ist ein Unsicherheitsfaktor

Der Mensch, so sehen es die Verkehrsexperten, ist ein Unsicherheitsfaktor - ersetzt man ihn durch einen Computer, wird die Straße sicherer. Aber ist das wirklich so? Und was passiert, wenn der Fahrer mal mit Assistenzsystemen, mal ohne fährt? Und das alles im Laufe einer mehrstündigen Fahrt? Verliert er nicht doch irgendwann die Konzentration?

Es gibt viele offene Fragen, selbst wenn die Hersteller mit ihren intelligenten Autos schon ziemlich weit sind. Die digitale Welt ist eine Abfolge von Algorithmen. Die können zwar vieles abbilden, aber nicht alles. Wie zum Beispiel mache ich einem Auto klar, wie es in Dilemma-Situationen handeln muss? Wenn links eine Frau mit Kinderwagen steht, rechts eine Radfahrergruppe fährt? Erst wenn Autos solche Situationen einschätzen können, dürfte sich die Technologie durchsetzen.

© SZ vom 05.07.2016/reek
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