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Autonomes Fahren:Ford will Autos ohne Lenkrad und Pedale anbieten

FORD FUSION HYBRID AUTONOMOUS VEHICLE

Noch fahren nur Testfahrzeuge von Ford autonom - aber auch diese Flotte soll nun kräftig ausgebaut werden, um die Entwicklungsarbeit voranzutreiben.

(Foto: Ford)
  • Der Autokonzern Ford will von 2021 an selbstfahrende Autos auf den Markt bringen - ohne Lenkrad, ohne Bremse und Gaspedal.
  • Die Fahrzeuge sollen vorerst aber nur in Großstädten und für professionelle Anbieter wie Uber fahren.

Die Vorstellung ist noch immer futuristisch, trotzdem scheint sie der Realität immer näher zu kommen: Autos, die von ganz allein ihr Ziel erreichen, ohne dass ein Mensch sie steuern oder navigieren muss. In fünf Jahren will Ford soweit sein. Der Autokonzern plant, selbstfahrende Autos im großen Stil auf die Straße zu bringen - und zwar ohne Kompromisse. Von 2021 an wollen die Amerikaner Autos anbieten, die kein Lenkrad und keine Pedale mehr haben. Das kündigte Ford-Chef Mark Fields an.

"Dahinter steckt eine echte Geschäftslogik", sagte Fields, der eine Reihe millionenschwerer Investitionen in verschiedene Technologieanbieter und die eigene Entwicklungsabteilung ankündigte. "Autonomes Fahren könnte ähnlich große Auswirkungen auf die Gesellschaft haben wie die Einführung der Fließbandproduktion bei Ford vor mehr als 100 Jahren."

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Angebot zunächst für Uber und ähnliche Dienste

Die massenmarktfähigen Selbstfahr-Autos will Ford zunächst aber nur für Geschäftskunden anbieten. Gemeint sind damit beispielsweise Fahrdienste wie Uber. Für reguläre Kunden würden die computergesteuerten Modelle dagegen frühestens 2025 auf den Markt kommen, sagte Technologiechef Raj Nair. "Es wird wohl noch einige Jahre nach der Markteinführung dauern, bis wir komplett selbststeuernde Fahrzeuge auch im privaten Einsatz sehen", sagte er. Fields sagte dem Wall Street Journal: "Wir haben viel getan, um die Kosten für technische Komponenten zu senken, aber es werden am Anfang noch relativ teure Fahrzeuge sein."

Zunächst sollen die autonomen Fahrzeuge in Großstädten fahren. Sie werden voraussichtlich Hybrid-Antriebe haben, um die nötigen Reichweiten zu garantieren und die Ladezeiten zu minimieren. Bereits jetzt habe Ford alle Bausteine zusammen, um ein komplett autonomes Fahrzeug zu fertigen, hieß es. Bis 2021 hätten die Ingenieure jedoch noch jede Menge Arbeit vor sich. Die will sich Ford mit externen Fachleuten teilen. Deshalb habe man gemeinsam mit Chinas größtem Internet-Konzern Baidu 150 Millionen Dollar in den Sensor-Hersteller Velodyne investiert. Zuvor hatte Ford Geld in den Landkartenentwickler Civil Maps gesteckt. Zudem soll die Zahl der Forscher am Standort Palo Alto im Silicon Valley auf 300 verdoppelt werden.

Die Konkurrenz arbeitet ebenfalls an dem Thema

Mit den Plänen tritt Ford in Konkurrenz zu anderen Herstellern, die Ähnliches vorhaben. BMW hat sich beispielsweise mit dem US-Chiphersteller Intel und dem israelischen Kameratechnik-Spezialisten Mobileye verbündet, um in den nächsten Jahren ebenfalls selbstfahrende Autos zu entwickeln. Erst im vergangenen Jahr hatten die drei deutschen Hersteller Audi, BMW und Daimler zudem Nokias digitalen Kartendienst Here gekauft. Die hochpräzisen digitalen Karten sind die Grundlage fürs autonome Fahren. BMW hatte vor kurzem mit dem "iNext" ein neues, elektrisches und vollautonomes Auto gezeigt und das Modell für das Jahr 2021 angekündigt.

Auch Fiat hatte zuletzt bekannt gegeben, mit Google zusammenarbeiten zu wollen, um einen selbstfahrenden Minivan zu entwickeln. Toyota hat sich am Fahrdienst Uber beteiligt. General Motors investierte eine halbe Milliarde in den Rivalen Lyft.

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