bedeckt München 27°

Autonomes Fahren:Fahrplan in die Zukunft

Mercedes plant autonom fahrende Autos ab dem nächsten Jahrzehnt.

Mercedes demonstrierte anhand einer speziell ausgerüsteten S-Klasse, wie weit die Entwicklung beim autonomen Fahren ist.

(Foto: dpa-tmn)

Bremsen, beschleunigen, lenken, all das können Autos heute schon ohne Zutun des Fahrers. Die Hände müssen dabei aber auf dem Lenkrad bleiben. Bis zum Ende dieses Jahrzehnt sollen deutsche Automobile aber ganz autonom sein - und von ihrem Fahrer lernen.

Mit einem Elchtest fing alles an: 1997 überschlug sich die erste Mercedes A-Klasse bei einem standardisierten Ausweichmanöver. Der Imageschaden war enorm, schließlich galten die Stuttgarter als Vorreiter bei der Fahrzeugsicherheit. Einziger Ausweg war das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP, das Mercedes und Bosch seit 1987 entwickelt hatten. 1995 konnten Serienfahrzeuge damit erstmals schneller reagieren als jeder Fahrer. Anfänglich gab es den Schleuderschutz als 1725 Mark teures Extra nur für die Mercedes-Oberklasse. Die Serieneinführung in der A-Klasse und entsprechend hohe Stückzahlen senkten die Kosten allerdings rapide. Ein alter Traum von Ingenieuren und Sicherheitsforschern ging damit in Erfüllung: Intelligente Systeme machen Autos unabhängiger von den Fehlern ihrer Fahrer.

"Automatisiertes Fahren ist die Königsklasse der Fahrerassistenzsysteme", sagt Werner Huber, "das ist eine Riesenchance, um Unfälle ganz zu vermeiden", so der Leiter Fahrassistenz und Perzeption bei der BMW Group Forschung und Technik. Wie weit die aktive Sicherheit vorangekommen ist, zeigt ein BMW 235i auf der Rennstrecke von Las Vegas. Auf dem künstlich bewässerten Rundkurs droht das Heck des Zweitürers zwar immer wieder auszubrechen. Statt gegenzulenken, nimmt Yves Pilat das Steuer aber nicht einmal in die Hand. Der BMW-Entwicklungsingenieur schaut lediglich zu, wie sich das Fahrzeug im Grenzbereich selbsttätig stabilisiert. Während bisherige ESP-Regelsysteme einzelne Räder abbremsen, wird bei dem BMW Versuchsträger auch die elektrische Lenkung aktiv genutzt: Das Fahrzeug findet die Ideallinie durch Gegensteuern und Ausweichen.

Der Assistent steuert mit

Wie Motorsport-Profis nutzen intelligente Systeme künftig alle Möglichkeiten zur Fahrwerkskontrolle. Dank Umfelderkennung und Lenkeingriff wird der Autopilot eine Reihe von Fahreraufgaben übernehmen. Im neuen BMW Siebener soll der elektronische Schutzengel 2015 nicht nur als fortgeschrittener Schleuderschutz in Serie gehen. Das kommende Topmodell aus München lässt sich auch mit einem Spurhalteassistenten ausstatten, der bis 210 km/h aktiv mitsteuert - vorausgesetzt der Fahrer behält die Hände am Lenkrad. Telefonate über die Freisprechanlage werden so wesentlich sicherer. Die nächste Generation des Spurwechselassistenten kann ebenfalls gegensteuern, wenn der Wagen seitlich einem anderen Fahrzeug zu nahe kommt. Erstmals wird auch das ferngesteuerte Einparken in enge Garagen oder Parkplätze von außerhalb des BMW Siebener möglich sein.

Noch reden wir über Assistenzsysteme, die unter der Aufsicht des Fahrers stehen. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen Autos dann zu digitalen Begleitern werden, die auf Autobahnpassagen auch eine Chauffeur-Funktion bieten. Wohin die Reise geht, hat Mercedes mit der Bertha-Benz-Fahrt im Sommer des vergangenen Jahres gezeigt. Für die erste autonome Stadt- und Überlandfahrt wurden die Stuttgarter mit dem Plus X Award als "Global Technology Innovator 2013" ausgezeichnet. Verblüffend war vor allem, dass sie ihr Geheimprojekt mit seriennaher Technik bewältigen konnten. Die S-Klasse war über Radarsensoren und eine Stereokamera hinaus lediglich mit zusätzlichen Rechnerkapazitäten und einer Kamera unter anderem für die Ampelerkennung ausgestattet.