Autonom fahrender Lkw Büroarbeiten am Steuer

Büro- statt Lenkarbeit: Weil der Lkw alleine fährt, kann sich der Trucker um andere Dinge kümmern.

(Foto: dpa)

Die Spritztour mit Jim Martin trägt deshalb Züge der Gemütlichkeit. Zunächst erklärt er die Inneneinrichtung, dann zieht er ein Tablet aus der Verankerung. "Ich könnte jetzt Büroarbeiten machen", sagt Martin lächelnd. Der Selbstfahr-Modus bedeutet für den Menschen am Steuer auch, künftig die Fahrt für anderweitige Tätigkeiten nutzen zu können.

Komplett ausklinken kann der Lenker sich jedoch nicht: Will er überholen oder die Autobahn verlassen, muss er selbst das Steuer übernehmen. Für den komplexeren Stadtverkehr ist der Prototyp noch nicht ausgerichtet. Auch bei schlechtem Wetter oder vor unübersichtlichen Baustellen resigniert der Autopilot und fordert den Fahrer auf, wieder aktiv zu werden. Dann erscheint auf dem Monitor ein Countdown, im Cockpit piepst es laut.

Autonomes Fahren Guck' mal - freihändig
Reportage
Autonomes Fahren

Guck' mal - freihändig

Unser Autor hat einen selbständig fahrenden Audi A7 ausprobiert und festgestellt: Dem Auto das Steuer zu überlassen, ist ebenso faszinierend wie furchteinflößend - wie es sich für eine anständige Zukunft gehört.   Von Jürgen Schmieder

Der Beruf des Lkw-Fahrers könnte künftig also eher dem eines Flugpiloten ähneln, der sich vor allem um Start, Landung, unübersichtliche Situationen und die Reiseroute kümmert. Für eine Branche, die über Nachwuchsmangel klagt, wäre ein Senkung des Stresslevels ein willkommenes Rekrutierungsargument - zumal sich das Frachtaufkommen bis 2040 in vielen Regionen der Welt verdoppeln soll.

Von der Highway-Romantik ist wenig übrig

Fracht-, Liefer und Traktorfahrer stellen in 29 US-Bundesstaaten die größte Berufsgruppe. Wer schon einmal auf einem US-Highway unterwegs war, kennt die Allgegenwart der Trucks, die meist um einiges größer als die europäischen Modelle sind.

Daimler in den USA - ein unterschätzter Markt

Zwei Dinge werden in Deutschland kaum registriert: Dass Daimlers Lkw-Sparte (inklusive Busse) ein Drittel zum Gewinn des Konzerns beiträgt, und dass die meisten Lastwagen in den USA deutsch sind, auch wenn die wenigsten mit einem Stern auf der Kühlerhaube fahren. Freightliner und Western Star heißen die Daimler-Truckmarken in den USA. 142 000 Zugmaschinen verkauften die Schwaben dort im vergangenen Jahr, bestückt auch mit Zulieferteilen etwa aus Wörth, Mannheim und Gaggenau. Es sind meist Haubenfahrzeuge, bei denen der Motor ist nicht wie in Deutschland hinter dem Fahrerhaus eingeklemmt ist, sondern eindrucksvoll Platz findet unter der Haube, vorne am Truck. So wie man es aus Steven Spielbergs erstem Spielfilm Duell kennt. Der Grund ist übrigens die Gesetzeslage: In den USA dürfen Lastwagen länger sein als in Deutschland und Europa. (Max Hägler)

Von der Highway-Romantik, wie sie in Deutschland der Country-Sänger Tom Astor besingt, ist allerdings nur noch wenig übrig: Zeit und Kraftstoffverbrauch sind die beiden Faktoren, die Logistikunternehmen stets optimieren wollen und müssen. Autonome Trucks finden auch deshalb Interesse, weil sie digital verbunden in geringem Abstand hintereinander fahren könnten - und Fahrzeug-Kolonnen effizienter als einzelne Lastwagen sind.

Der letzte Teil der Strecke führt den Berg hinab Richtung Las Vegas. Der Bordcomputer hält Geschwindigkeit und Spur, der Highway ist wieder einmal völlig überfüllt. Was, wenn dies alles nur Kulisse wäre? Wenn der Computer den größten Teil dessen erledigen könnte, was wir einmal fahren nannten? In diesem Moment gibt das System ein Signal, das die Gegenwart in Erinnerung ruft: Die Abfahrt vom Highway muss der Fahrer wieder selbst übernehmen.