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Automobilclub weiter in der Kritik:Geringere Steuern für den ADAC

Der Schriftzug des Automobilclubs ADAC ist am Sitz des ADAC-Nordbayern zu sehen.

Nach den geschönten Umfrageergebnissen zur Wahl des "Auto des Jahres" geraten jetzt auch die Steuerzahlungen des ADAC in die Kritik. Im Bild: Der Schriftzug des Automobilclubs am Sitz in Nürnberg.

(Foto: dpa)

In der Affäre um geschönte Teilnehmerzahlen bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" geraten nun auch die Steuerzahlungen des Vereins in den Fokus. Nach Angaben des ADAC zahlt der Club nur auf zehn Prozent der Beiträge der Basismitgliedschaft Umsatzsteuer.

Die Schlagzeilen um den ADAC nehmen kein Ende. Nachdem die Süddeutsche Zeitung in der vergangenen Woche aufdeckte, dass der Club die Abstimmungsergebnisse der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" manipuliert hat, stehen jetzt die Steuerzahlungen des ADAC in der Kritik. Der Verein zahlt wegen einer Vereinbarung mit den Finanzbehörden nur auf zehn Prozent des Basistarifs seiner Mitgliedsgebühr Umsatzsteuer. Im Klartext: Die Basismitgliedschaft kostet 49 Euro, auf 4,90 Euro davon wird Umsatzsteuer fällig. 2013 habe der ADAC so 11,3 Millionen Euro an den Staat gezahlt, hieß es bei dem Automobil-Club am Mittwoch. Allerdings, erklärte der Club, sei er als Idealverein von der Umsatzsteuer eigentlich befreit, weil der ADAC ideelle und gemeinnützige Zwecke verfolge. Bei den teureren Plus-Mitgliedschaften ist die Differenz zwischen Basis- und Plustarif mit 19 Prozent Versicherungssteuer belastet.

Zuerst hatte die Bild-Zeitung über die Steuervergünstigung berichtet. Die Unternehmen des ADAC würden unabhängig davon allerdings wie normale Firmen besteuert, hieß es beim Autoclub. Laut Bilanz 2012 führte etwa die ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH, unter deren Dach die meisten Firmen des ADAC gebündelt sind, im vorletzten Jahr 60,6 Millionen Euro an den Fiskus ab.

Ein Geschäftsführer verdient 319.000 Euro im Jahr

Gleichzeitig geraten auch die Gehälter der Führungsspitze des Autoclubs in die Kritik. Der ADAC zahlt jährlich etwa1,6 Millionen Euro an insgesamt zwölf Personen. Einen entsprechenden Bericht der Bild bestätigte der ADAC am Mittwoch auf Anfrage. 336.000 Euro gehen als Aufwandsentschädigung an die acht Mitglieder des Präsidiums. Diese erhalten demnach pro Monat im Durchschnitt 3500 Euro. Die übrigen knapp 1,3 Millionen Euro bekommen die vier Geschäftsführer des ADAC, die als Manager Verein und Konzern mit etwa 8600 Mitarbeitern wirtschaftlich führen. Im Schnitt verdient einer der Manager also etwa 319.000 Euro pro Jahr.

Als Konsequenz aus dem Skandal um die gefälschten Zahlen beim Autopreis "Gelber Engel" hat ADAC-Präsident Meyer ein Reformprogramm für den Autoclub angekündigt. "Ich werde dem höchsten Gremium des ADAC, der Hauptversammlung im Mai 2014 in Saarbrücken, Vorschläge unterbreiten, die dauerhaft für mehr Offenheit, höhere Transparenz und direktere Mitgliedereinbindung sorgen sollen", teilte er in einer persönlichen Erklärung mit. Der Autoclub nehme die aktuelle Kritik sehr ernst - "auch wenn diese manchmal sehr pauschal war". Oberstes Gebot sei jetzt, das verlorene Vertrauen in den ADAC zurückzugewinnen.

ADAC - Karl Obermair

Zurücktreten will ADAC-Präsiden Karl Obermair bisher nicht, stattdessen will er den Verein reformieren und verspricht höhere Transparenz.

(Foto: dpa)

"Das Engelskostüm ist beschmutzt"

Ob das so einfach sein wird, ist allerdings fraglich. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD), will jetzt auch die politische Rolle des Vereins auf den Prüfstand stellen. In der vergangenen Wahlperiode sei der ADAC bei fünf Expertenanhörungen des Ausschusses dabei gewesen, sagte Burkert. "Da ist auch Vertrauen angeknackst." Er verwies darauf, dass der ADAC etwa für eine Freigabe des deutschen Fernbusmarkts eingetreten sei und nun zusammen mit der Post Fernbuslinien anbiete. "Da gibt es eine Verquickung. Das müssen wir uns politisch sicherlich anschauen, welchen Stellenwert er in Zukunft haben wird bei Anhörungen."

Durch gefälschte Zahlen beim Autopreis "Gelber Engel" sei viel Vertrauen beim ADAC kaputt gegangen. "Das Engelskostüm ist beschmutzt", sagte Burkert. "Ich kann nur bitten, dass der ADAC jetzt Wort hält und völlige Transparenz walten lässt." Er hoffe sehr, dass es dabei bleibe, dass es nur in diesem Punkt Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Falls etwa bei Sicherheitstests wie für Kindersitze noch etwas nachkäme, "dann hätte der ADAC eine echte Krise".

© SZ.de/dpa/reek/feko

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