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Automesse:Protz und Power in Detroit

New Models Debut At North American International Auto Show

In den USA kann ein Truck nicht groß genug sein. Neben der Motorhaube des neuen Chevrolet Silverado sehen in Detroit die Fotografen verschwindend klein aus.

(Foto: AFP)
  • Auf der Detroit Motor Show zeigen vor allem die amerikanischen Hersteller ihre Autoneuheiten. Die sind in diesem Jahr mal wieder vor allem groß und schwer.
  • Die SUVs und Trucks sind verantwortlich für einen Autoboom in USA. Die fünf meistverkauften Modelle sind aus diesem Segment.
  • Auch Elektroautos haben die Hersteller im Programm, doch die sind bisher nur ein Nischenmarkt.

Mannshoch steht der blaue Wagen da, vorne ist ein Schneepflug befestigt, hinten auf der riesigen Pritsche lässt sich gegebenenfalls auch der halbe Hausrat aufladen. Am Eingang der Markthalle in Detroit haben die Manager von General Motors (GM) einen Silverado ihrer Marke Chevrolet hinstellen lassen, so dass er alle Leute gleich wieder hinauszuschieben scheint. Aus den Lautsprechern kommt Musik von Luke Bryan, Country-Musik für Karohemden-Menschen.

Dieses Auto sei das wichtigste von Chevy, sagt Alan Batey, Präsident von GM Nordamerika bei dieser Party am Vorabend der wichtigsten US-Automesse. Es ist in diversen Ausführungen zu haben - für Stadt, Land und Hinterland - und die "Männlichkeit" sei deutlicher herausgearbeitet worden. Darum geht es bei allen US-Autos in diesem Jahr: Größe und Stärke. Wahrscheinlich geben solche Wagen den Fahrern das Gefühl von Sicherheit - und Umweltschutz ist nicht so wichtig, da der Sprit gerade nur etwa 50 US-Cent je Liter Benzin kostet. Schon jetzt sind die fünf meist verkauften Automodelle in den USA sind Pickups und SUVs, erst auf Platz sechs eine Mittelklasse-Liomousine: der Toyota Camry.

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In Detroit werden auch Ford und RAM, die Marke von FiatChrysler (FCA), ihre neuen großen Pritschenwagen vorstellen. Mit solchen Modellen machen die "Big Three", wie GM, Ford und FCA mit ihren Submarken genannt werden, 90 Milliarden US-Dollar Umsatz. Und ordentlich Gewinn: Mindestens 10 000 US-Dollar verdient der Hersteller bei so einem Vehikel, das auf den europäischen Straßen kaum Platz fände. Bei einem normalen Auto sind es durchschnittlich nur 3000 US-Dollar.

Fast alle erwarten, dass die Nachfrage weiter sinken wird

Ist also die große Finanz- und damit auch Autokrise von 2009 vergessen, als GM und Chrysler in die Pleite rutschten? 10 Millionen Autos verkauften sich damals in den USA, jetzt sind es 17 Millionen. Die Autobranche war seitdem einer der wichtigsten Treiber des Aufschwungs in den USA und schuf Tausende neue Jobs; die triste, totgesagte US-Autohauptstadt Detroit ist wieder ein bisschen erwacht. Doch schon ist der Boom wieder zu Ende gegangen. Die Verkäufe brachen im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent ein. Fast alle Manager erwarten, dass die Nachfrage weiter sinkt; 2018 wohl auf 16,7 Millionen Autos.

Die sollen dafür mit möglichst hoher Marge verkauft werden, also groß und teurer sein, so geht der simple Plan. Zum einen schrumpft der Markt, weil die Menschen ihre während der Rezession aufgeschobenen Autokäufe nachgeholt haben. Außerdem seien die Autos besser geworden, was dazu führt, dass die Leute sie länger fahren, sagt Jessica Caldwell vom Automarktbeobachter Edmunds.com: "Der Markt ist jetzt ziemlich gesättigt." Inzwischen kommen in den USA auf jeden Menschen mit Führerschein 1,26 Autos.

Abgesehen von der zurückgehenden Nachfrage nach neuen Autos verschiebt sich zudem der Marktanteil der Hersteller - zum Nachteil der Arbeiter. Wer bei GM, Ford und FCA arbeitet, ist in Gewerkschaften organisiert, anders als etwa bei Volkswagen und den anderen amerikanischen Fabriken ausländischer Autobauer. Diese sind fast alle in den Südstaaten angesiedelt, wo die mächtige Autogewerkschaft UAW bislang kaum aktiv ist.

Die Europäer und Asiaten bauen mittlerweile mehr Autos

Vor wenigen Tagen haben Toyota und Mazda entschieden, eine gemeinsame Fabrik in Alabama zu eröffnen. Sie bringt 1,6 Milliarden US-Dollar Investitionen und 4000 Arbeitsplätze in den Südstaat, in dem auch Daimler seine US-Fabrik angesiedelt hat. Im Werk der Japaner sollen bald 300 000 Autos pro Jahr vom Band rollen. Und auch, wenn die stolzen US-Autobauer das ungern aussprechen: Bereits in diesem Jahr haben asiatische und europäische Konkurrenten in Nordamerika so viele Autos gebaut wie die Big Three zusammen.

Ein Abwärtstrend, der andauert, schätzt das Marktforschungsinstitut IHS, obwohl sich die US-Konzerne abseits der Pritschenwagen mühen, den Anschluss an die "Zukunftsthemen" Automatisierung und Elektrifizierung zu halten: Im Jahr 2024 werden die Big Three nur noch 8,1 Millionen im eigenen Land bauen, sechs Prozent weniger als heutzutage - und darin ist die steigende Produktion in Mexiko bereits mitgerechnet. Die drei großen amerikanischen Autobauer sind schlicht nicht ganz so heimatverbunden, wie sich US-Präsident Donald Trump das wünscht. Ford etwa hat vor Kurzem verkündet, einen Teil der Produktion zurück in die USA zu holen. Das ist teurer, aber gefällt der US-Regierung. Anderseits will der Konzern den Bau des Kompaktwagens Focus nach China verlegen - und von dort Wagen importieren.

Hauptsache groß und schwer

Die Deutschen, also Audi, BMW, Mercedes, VW und Porsche, haben übrigens einen Marktanteil von gut sieben Prozent. Der Absatz hat sich kaum verschlechtert in Folge des Dieselskandals. Im Gegenteil: Man will Marktanteile gewinnen und zwar ebenfalls mit dem Prinzip: schwer, groß und margenstark. BMW stellt in diesem Jahr einen großen SUV namens X7 vor, Audi etwas Ähnliches namens Q8. Und Mercedes hat für seinen neuen G-Klasse-Geländewagen Detroit als Ort der Weltpremiere gewählt.

Und was ist mit Tesla, dem vierten Autobauer aus den USA, der in Kalifornien sitzt und 2017 etwa 100 000 Wagen baute? Der Elektroautopionier überholte im vergangenen Jahr zwar GM beim Börsenwert. Doch er kämpft mit dem Serienstart seines vermeintlichen Massenmodells Model 3. Für Tesla geht es dieses Jahr um alles. Der E-Auto-Anteil im Land ist derweil ähnlich bescheiden wie in Deutschland, er liegt bei 0,6 Prozent. Auch der GM-Konzern hat E-Autos im Angebot: Die recht gut bewerteten E-Modelle Bolt und Volt der Marke Chevy. Doch darüber wolle man heute nicht sprechen, sagt GM-Präsident Batey bei der Party. Heute wolle man die Silverado-Trucks feiern. Die gibt es übrigens weiterhin nicht als reine Elektromobile, aber neuerdings mit: Diesel-Motor. Um gewappnet zu sein, falls der Spritpreis wieder steigt - und die großen Wagen ins Geld gehen.

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