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Internationale Automobil-Ausstellung:Die IAA mutiert zur Elektronik-Messe

Automessen verlieren an Bedeutung? Wer das Gedränge bei der Enthüllung des Mercedes-AMG Project One miterlebt, gewinnt einen anderen Eindruck.

(Foto: AFP)

Nur eben mit Autos: Es gibt einige Gründe, warum viele Hersteller der Frankfurter Automesse fernbleiben. Das heißt aber nicht, dass die IAA an Bedeutung verliert.

Nicht so sehr die Absage schlug ein, sondern die Art und Weise, wie sie dann später begründet wurde. "Wir bewerten jedes Event, um den besten Weg zur Interaktion mit unseren Kunden zu finden", erklärte der kalifornische Elektroautobauer Tesla seine Nicht-Teilnahme an der Frankfurter Automobilausstellung IAA. Das klang in etwa so: Wir haben das geprüft, aber ihr passt nicht zu uns, sorry! Und außerdem sei man ja kein traditioneller Autohersteller. Was also soll man dann bei dieser IAA? Man hätte die ganze Tesla-Nummer vielleicht abtun können als kühle Antwort auf eine überhitzte alte Autowelt. "Wir sind die Neuen, wir sind die Coolen, wir brauchen dieses ganze alte Messe-Zeug nicht." Aber es geht wohl um mehr.

Denn es haben auch andere die IAA-Teilnahme abgesagt. Hersteller, die ganz eindeutig zu den traditionellen Autobauern gezählt werden dürfen: Nissan, Alfa Romeo, Fiat, Infiniti, Jeep, Mitsubishi, Peugeot, Rolls-Royce, Volvo. Wenn also nicht nur Tesla das Hochamt der internationalen Autoindustrie schwänzt, sondern auch die anderen, dann gibt es ein Problem.

Volkswagen Bei VW ist die Party noch nicht vorbei
VW

Bei VW ist die Party noch nicht vorbei

Euphorisch ist die Stimmung nicht beim kriselnden Autokonzern, aber es gibt zumindest Optimismus. Neue Modelle und Milliarden-Investitionen sollen das Vertrauen der Mitarbeiter zurückbringen.   Von Max Hägler

Es gebe längst zu viele Messen, sagen die einen. Das gelte vor allem für Technologie-Messen wie die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Der Branchentreff der Autohersteller in Frankfurt sei ja inzwischen auch so etwas wie eine Schau der Unterhaltungselektronik, und Autos seien IT auf vier Räder gepackt und mit reichlich PS ausgestattet. Außerdem: Die Millionen, die man für ein paar Tage Automesse ausgibt, könne man als Firma auch besser investieren.

Das Internet und seine neuen Werbekanäle seien schuld, sagen die anderen. Was natürlich ein Killerargument ist, denn das Internet ist ja meistens schuld, wenn sich etwas verändert. Wenn sich jeder jederzeit die Welt digital anschauen kann, braucht niemand mehr aus dem Haus, geschweige denn auf Automessen zu gehen.

Der VW-Konzern begann früh damit, Automessen zu entzaubern

Andererseits: Messen waren ja nie nur reine Autoshows. Messen dienten immer auch dazu, dass sich Automanager auf großen Partys trafen und über die Manager sprachen, die gerade nicht dabei waren. Um dann, am Morgen danach, in kleinen improvisierten Büros aus Stellwänden hinter den Autobühnen Deals zu besprechen, oder um Jobwechsel und Karrierechancen zu sondieren. Warum soll das alles auf einmal keine Rolle mehr spielen?

Vielleicht ist ausgerechnet das Auto selbst ein Grund dafür, dass Automessen nicht mehr das sind, was sie einmal waren.

Der VW-Konzern begann schon früh damit, Automessen zu entzaubern, indem er ihnen am Vorabend die Show stahl. Es war immer das gleiche Ritual: Ein paar Stunden vor der IAA-Eröffnung stand erst mal die große VW-Show an. Die Wolfsburger luden Tausende Gäste ein, holten Seilartisten und Ballettgruppen auf die Bühne, das britische Pop-Duo Pet Shop Boys oder die französische Filmdiva Catherine Deneuve, gaben reichlich Nebel und Lichteffekte dazu - fertig war der große Auto-Zirkus, der eigentlich nie mehr sein sollte als eine verkaufsfördernde Maßnahme für all die Škodas, Golfs und Lamborghinis auf der Bühne. Nur, dass sich das dann schnell ins Gegenteil drehte: Die Autos, eigentlich die top acts jeder Messe, wurden zur Kulisse. Vorne standen Tänzer, Sänger und Männer wie VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Piëch tanzte nicht und er sang auch nicht, aber er war trotzdem ein VW-Show-act der besonderen Art. Weil er viel über die Branche im Allgemeinen und die Zukunft von Managern und Konkurrenten im Besonderen sprach, nannte man ihn auch das "Orakel".