Automatische Kennzeichenerkennung Was passiert, wenn die Geräte fehlerhaft arbeiten?

Kann der Rechner beim Abgleichen des Kennzeichens mit der Fahndungsdatenbank keine Übereinstimmung feststellen, werden die erhobenen Daten automatisch gelöscht. Allerdings meldet das System oft fälschlicherweise einen Treffer. Besonders dann, wenn schwierige Licht- oder Wetterverhältnisse herrschen oder es den Buchstaben O mit der Ziffer Null verwechselt.

Bei acht Millionen erfassten Kennzeichen registrieren die Geräte zwischen 50 000 und 60 000 Übereinstimmungen in den Datenbanken. Schlägt die Anlage Alarm, gleicht ein Polizeibeamter manuell das tatsächliche Bild mit dem Datenbankeintrag ab. Nur 500 bis 600 erfasste Bilder, also nur etwa ein Prozent aller vom System gemeldeten Datenbanktreffer, erweisen sich als richtig. Alle anderen vermeintlichen Treffer muss die Polizei unverzüglich löschen, ohne die Identität des Halters zu ermitteln.

Es gibt noch weitere, nicht technisch bedingte Fehlerquellen. "Neben der Technik sind die Polizisten die zweite Sollbruchstelle", sagt Datenschutzexperte Petri. So könnten in der Fahndungsausschreibung Fehler passieren, etwa ein Zahlendreher im in der Datenbank erfassten Kennzeichen. In Einzelfällen könnten auch verfallene Fahndungen nicht aus der Datenbank gelöscht worden sein.

  • Hat die Kennzeichenerfassung zu Fahndungserfolgen geführt?

Für Joachim Herrmann (CSU) ist die automatisierte Kennzeichenerkennung (AKE) ein wichtiges polizeiliches Einsatzmittel, um Gefahren abzuwehren und Straftaten zu unterbinden. Der bayerische Innenminister beruft sich auf zahlreiche Festnahmen von illegalen Schleusern. Auch Autoschiebereien sollen damit eingedämmt und Drogenkuriere bekämpft werden.

Ein aufsehenerregender, auf der millionenfachen Nummernschilderfassung basierender Fahndungserfolg gelang den Behörden beim mutmaßlichen Autobahnschützen von Würzburg, dem derzeit der Prozess gemacht wird. Monatelang glichen die Ermittler Autokennzeichen mit ihren Datenbanken ab, um schließlich dem nun angeklagten Lkw-Fahrer auf die Spur zu kommen.

Datenschutz Parken in der Grauzone
Report
Erfassung von Nummernschildern

Parken in der Grauzone

Die Polizei darf es nicht, aber Privatfirmen scannen an Hunderten von Orten in Deutschland massenweise Autokennzeichen. Datenschützer sind misstrauisch, aber sich noch nicht einig, was sie tun sollen.   Von Christian Baars, Jannis Brühl und Christian Deker

  • Werden auch auf Privatgeländen Autokennzeichen erfasst?

Wie Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des NDR ergaben, filmen Kameras Autokennzeichen an Hunderten Orten in Deutschland, besonders in Parkhäusern, Waschanlagen oder an Campingplätzen. An öffentlich zugänglichen Orten werden dabei täglich Tausende Bürger in ihren Privatautos erfasst, ohne es zu merken.

Datenschützer halten diese Praxis für problematisch. Erstens seien Nummernschilder besonders schutzwürdig, da sich damit zahlreiche Daten über den Fahrzeughalter herausfinden ließen. Zweitens liege keine Einwilligung der Autofahrer zur Speicherung ihrer Daten vor. Allerdings haben die Datenschützer in den 16 Bundesländern keine gemeinsame Linie, weshalb die Praxis dieses Datensammelns vorerst eine Grauzone bleibt.