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Autokonzern vor dem Umbruch:Die E-Mobilität kommt in drei Schritten

Noch bauen die Schwaben neue Aggregatewerke und Fertigungsstraßen, doch in der rasch wachsenden digitalen Welt spielen mechanische Komponenten nicht mehr die Hauptrolle. Stattdessen wollen die Daimler-Strategen drei neue Akzente setzen. Den Anfang macht der zeitnah serienmäßige 48-Volt-Mild-Hybrid als potenzieller Ersatz für den Diesel, im zweiten Schritt kommt der Plug-in-Hybrid (PHEV), Ende 2020 startet dann der erste maßgeschneiderte Elektro-Benz.

Die neue Strategie fordert natürlich auch Opfer. Auf der schwarzen Liste jener Modelle, die es kaum in die nächste Runde schaffen werden, stehen unter anderem die zweitürigen S-Klasse-Derivate, die dreitürige A-Klasse, CLS Shooting Brake, SLC Roadster und das fünftürige Sportcoupé auf Basis C-Klasse-Nachfolger. Gleichzeitig wird das Angebot erweitert, und zwar um A-Klasse-Limousine, GLB Crossover im G-Klasse-Look, AMG GT4 als selbsternannten Panamera-Rivalen, X-Klasse Pick-up und um ein fünftüriges S-Klasse-Coupé, das nach dem Rückzug von Audi (A9) und BMW (9er) praktisch ohne direkten Gegner wäre.

Formel-1-Renner für die Straße

Der mit Abstand extremste Neuzugang ist der AMG X1, ein Formel-1-Renner für die Straße, der zur 50-Jahr-Feier auf der nächsten IAA debütiert. Zu den kolportierten Eckdaten der 25-Stück-Kleinstserie mit Carbon-Karosserie gehören ein 1,6-Liter-V6 mit 600 PS, drei in Summe ebenfalls 600 PS starke E-Motoren und ein Preis von drei bis vier Millionen Euro.

Während der neue, mit Renault gezeugte Smart Forfour den Kundengeschmack nur zu streifen scheint, sonnt sich die Performance-Tochter AMG in der Sonne des Erfolgs. Spät, aber doch hat man in Stuttgart erkannt, was die Außenstelle Affalterbach unter der Leitung von Tobias Moers zu leisten vermag. Dabei geht es längst nicht mehr um Spoiler und Sportsitze, sondern um die fahrdynamische Gesamtfahrzeug-Kompetenz in Form neuer Achsen und Antriebe.

Das elektrische Basismodell soll 65 000 Euro kosten

In den Jahren 2020 bis 2022 will uns Mercedes vier reinrassige E-Autos bescheren. Nach EVA1 (Electric Vehicle Architecture) in Form des GLC-Derivats vom Pariser Salon steht EVA2 für eine komplett neue, in allen Dimensionen flexible Alu-Matrix. Die EQ-Familie besteht aus vier Mitgliedern. Die beiden SUV sollen sich in den Lücken zwischen GLC und GLE beziehungsweise GLE und GLS breitmachen, die Limousinen splitten C- und E-Klasse beziehungsweise E- und S-Klasse. Das Batteriepaket mit einer Kapazität von bis zu 105 Kilowattstunden verbirgt sich platzsparend im Bauch des Baukastens. Das Basismodell mit 400 Kilometer Reichweite, 170 kW starkem Heckmotor und Hinterradantrieb soll etwa 65 000 Euro kosten.

Mit EVA2 haben die Vordenker im Entwicklungszentrum Sindelfingen die Konkurrenz zunächst einmal in Zugzwang gebracht. Eine spezielle Architektur für Elektroautos ohne Querverbindung zur Serie - Patentlösung oder Geldvernichtung? BMW entschied sich für den günstigeren Weg und bindet den i20/iNext zumindest lose an 3er und 5er. Audi zögert noch, liebäugelt aber nach wie vor mit der vielseitig einsetzbaren Multi-Traktions-Plattform.