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Autoklassiker (39): Ford Mustang Boss:Boss mit Biss

Der Mustang Boss 302 wird Fords wildestes Rennpferd im Stall. Doch er bleibt ein Neuaufguss - das Original versprüht auf der Asphalt-Weide seinen ganz eigenen Charme.

Grazil und unschuldig galoppiert das Pony über den Kühlergrill, doch das täuscht gewaltig. Denn unter der Haube dieses 40 Jahre alten Ford steckt ein echtes Biest. Der Mustang Boss 302 mit seinem hochdrehenden Fünfliter-V8 gehört zu den heißesten Asphaltfräsen, die je unter dem Namen Mustang vom Band gerollt sind.

Die grelle Lackierung im Farbton "Grabber Orange" wird von einer schwarz abgesetzten Motorhaube und reflektierenden Rallye-Streifen an den Seiten gekrönt. Der Wagen stammt aus dem Fundus von Legendary Motorcar, einem der bekanntesten Händler und Restaurationsbetriebe für US-Klassiker.

Hinter dem Steuer blüht Bill DeBlois von Legendary Motorcar sofort auf. "Der Boss ist viel leichtfüßiger als ein klassisches Muscle Car", versucht der Mustang-Experte den bollernden Sound des V8 zu übertönen. Bill tritt aufs Gas, rupft am Hurst-Shifter - dieser T-förmige Schalthebel war ein beliebtes Extra beim Boss-Mustang -, und mit einem satten Klick wird der nächste Gang eingelegt.

Schon bei Tempo 80 ist er im vierten Gang angelangt. "Der Motor läuft einfach fantastisch bei hohen Drehzahlen", ruft Bill begeistert. In Kurven liegt das 1,5 Tonnen schwere Autos satt auf der Straße, auch wenn das Heck bei forscher Gangart schnell leicht wird.

Über die kleinen Schönheitsfehler des Mustang, etwa die Löcher im Dachhimmel, sieht Bill hinweg. "Der Wagen bleibt so, wie er ist", sagt er. Der 40 Jahre alte Boss 302 kann sich über einen unrestaurierten Originalzustand freuen, wie man ihn heute nur noch selten findet. So muss man für den Wagen natürlich auch mehr auf den Tisch legen als für einen normalen Mustang: Rund 40.000 US-Dollar kostet der Boss, umgerechnet rund 31.000 Euro.

Der Boss ist ein typisches Kind der leistungsverliebten sechziger und frühen siebziger Jahre. 1969 war der Ford Mustang, der Vater aller "Ponycars", sichtbar in die Breite gegangen. Auch unter der Haube hatte sich das Pony reichlich Speck angefuttert. Hubraum-Rausch und PS-Gier brachten Hochleistungsmodelle wie den Shelby GT-500 oder den Mach 1 Cobra Jet mit sieben Litern Hubraum und 395 PS hervor. Fords Ponycar war kein sportliches Kompaktauto mehr, sondern ein kraftstrotzendes PS-Monster.

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