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Autoklassiker (3): Polizei-Oldtimer:Grüne Minnas im Unruhestand

Ob Opel, Citroen oder VW: Früher entschied der Oberbürgermeister über die Automarke der Polizei. Ein einzigartiges Museum bei Marburg hat die Geschichte des Streifenwagens konserviert.

"Selbst böse Buben werden weich, wenn sie dieses Auto sehen", sagt Eberhard Dersch. Der Polizeihauptkommissar schält sich mit abenteuerlichen Verrenkungen aus einem Streifenwagen, der auch mit Blaulicht keinem Verkehrssünder Angst macht: Die tannengrüne BMW Isetta hätte 1961 mit ihren 12 PS wohl keine Chance bei einer Verfolgungsjagd gegen Käfer und Co. gehabt. Eberhard Dersch schiebt das Tor einer großen Wellblechhalle zur Seite und führt durch eine Sammlung, die in ihrer Art einmalig in Deutschland ist. Der Polizei-Motorsport-Club Marburg trägt seit knapp 20 Jahren Raritäten zusammen, die nur eines gemeinsam haben: das Blaulicht auf dem Dach.

Polizei-Oldtimer; Pressinform

Die BMW Isetta verfolgte mit zwölf PS wohl eher Ganoven, die zu Fuß unterwegs waren.

(Foto: Foto: Pressinform)

Ansonsten könnte das Sammelsurium der Polizeimobile variantenreicher nicht sein. Vom kargen Trabi bis zur gepanzerten S-Klasse, von der winzigen Isetta bis zum tonnenschweren Mannschaftswagen, vom Polizeimotorrad bis zum Amphibienfahrzeug: Das Museum zeigt einen Querschnitt durch alles, was irgendwann einmal auf deutschen Straßen für Recht und Ordnung gesorgt hat. Da steht zum Beispiel ein Porsche 924 der Autobahnpolizei, der schon eher als die knuddelgrüne Isetta mit Verbrechern Schritt halten: Der 125 PS starke Vierzylinder war immerhin für 204 km/h gut. Der weiß-minzgrüne Youngtimer ist perfekt in Schuss und hat sogar noch das Leuchtschild "Stop-Polizei" im Kofferraum.

Oder der Volvo 343. Den Damen und Herren eines hessischen Ordnungsamtes war der wohl langweiligste Volvo aller Zeiten bis 2004 ein treuer Begleiter - und dank seines staubtrockenen Charmes passte er wahrscheinlich gut ins Team. Der tannengrüne Opel Kapitän dagegen, in den 60er Jahren in Großstädten wie Nürnberg oder Frankfurt im Einsatz, war nicht nur in seiner zivilen Ausführung ein Auto für die oberen Zehntausend. "Der ist sicher so gut wie nie Streife gefahren", vermutet Eberhard Dersch. Eher fuhr der große Opel als Dienstwagen für Vorgesetzte, während die kleinen Beamten im Käfer auf Streife waren.

Der typische Streifendienst allerdings ist eine ziemlich moderne Erfindung. "In den 50er und 60er Jahren galt bei der Polizei das Feuerwehr-Prinzip: Man fuhr raus, wenn es einen konkreten Einsatzauftrag gab", erzählt Eberhard Dersch. "Damals war ja auch noch nicht so viel los - wenn der Schutzmann seinen Rundgang beendet hatte, wurde es still auf den Straßen", sagt er. Die ersten Polizeiautos hatten vor allem den Zweck, Funkgeräte unterzubringen. Bei den ersten "Funkstreifenwagen" nahmen die klobigen Geräte noch den ganzen Platz im Kofferraum ein.

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