Autoklassiker (13): Citroën DS:Es kann nur eine Göttin geben

Lesezeit: 3 min

Citroën zeigt wieder eine DS - Jahrzehnte nach dem Ende der legendären Modellreihe: Warum die "Göttin" so fasziniert und jedes Retro-Mobil nur ein Abklatsch sein kann.

Sebastian Viehmann

Als übernatürliches Wesen ist man manchmal ganz schön einsam. "Auf Oldtimer-Treffen fühlt sich meine Göttin nicht wohl", sagt Markus Zanner. Denn kein Auto hat sich so sehr das Prädikat "Zeitlos" verdient wie Citroëns DS. Zanners bordeauxrote Déesse altert nicht, allenfalls verändert sich die Welt um sie herum.

Autoklassiker (13): Citroën DS: Citroën DS: Die Technik ist weit zuverlässiger als unterstellt wird

Citroën DS: Die Technik ist weit zuverlässiger als unterstellt wird

(Foto: Foto: Pressinform)

Die weichen Polster ganz ohne Kopfstützen und der riesige Innenraum schaffen Salon-Atmosphäre. Das spindeldürre Volant ist nur über eine einzige Speiche mit der Lenksäule verbunden, die wie ein Arm nach dem Lenkradkranz greift. Rechts daneben ragt der Stock der Lenkradschaltung hervor. Die Knöpfe und Schalter erinnern an alte Küchengeräte, und unter dem Handschuhfach macht es sich ein Becker Monza Radio bequem.

Markus Zanner hebt seine Göttin ein wenig an, damit sie besser über den schneebedeckten Bordstein rollt. Die hydropneumatische Federung verändert in wenigen Sekunden den Charakter des Autos - vom eleganten tiefen Luxus-Gleiter zum hochbeinigen Stakser, dessen Bodenfreiheit manches SUV neidisch machen würde.

1962 rettete die Technik gar dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle das Leben. Obwohl bei einem Attentat zwei Reifen zerschossen wurden, raste die Déesse unbeirrt weiter und brachte den Präsidenten nebst Gattin in Sicherheit. Eine göttliche Fügung sozusagen, dank säkulärer Technik. Vor ein paar Jahren war auch Markus Zanners DS Retterin in der Not: Dank Hydropneumatik konnte er einen festgefahrenen Audi 80 aus dem Straßengraben ziehen.

"Alles an diesem Auto funktioniert mechanisch und hydraulisch, ohne ein Heer von Elektromotoren zu benötigen", ist Zanner fasziniert. Etwa die Scheinwerfer, die sich in der Kurve mitdrehen. Manchmal springen die Seilzüge zwar aus der Verankerung, Zanner verzeiht seiner Göttin diese Allüre - genau wie die manchmal bockige Elektrik oder die "erbärmliche" Heizung.

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