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Autoindustrie im Wandel:Diät für Benziner

Sprit-Diät klingt nach lahmer und lustloser Fortbewegung. Dabei fährt selbst Hybrid-Pionier Toyota mit Vollgas raus aus der Öko-Nische. Die erste Prius-Generation war ein Mauerblümchen mit 72 kW/98 PS, entsprechend verhalten war die Nachfrage der Kunden. Mittlerweile bereiten die Japaner den Serienstart des Lexus LS 600h vor. Die Luxuslimousine erreicht eine Systemleistung von circa 330 kW/450 PS. Als Hightech-Alternative für Hochleistungsautomobile kann der Hybrid seine hohen Kosten leichter kaschieren. Daher werden auch die deutschen Antworten auf die japanische Offensive aus der Oberklasse kommen.

Für 2009 sind Hybrid-Varianten des VW Touareg, Audi Q7 und Porsche Cayenne angekündigt, Mercedes und BMW setzen in Europa zur gleichen Zeit die S-Klasse und den BMW 7er unter Strom.

Hybrid bedeutet nicht Sparen um jeden Preis: Die VW-Allianz spielt mit einem 55 kW starken Elektromotor in der sportlichen Liga. Die E-Maschine wuchtet vom Start weg 300 Newtonmeter zusätzliches Drehmoment auf die Kurbelwelle. Für Fahrspaß ist also gesorgt, während der Verbrauch um bis zu 20 Prozent sinken soll. "Technisch gesehen ist das kein allzu großes Problem. Die ersten Autos fahren im Testbetrieb", erklärt VW-Chef Martin Winterkorn.

Hybrid bedeutet nicht Sparen um jeden Preis

Das Problem sind die hohen Systemkosten von mindestens 3000 Euro. Technisch und finanziell noch aufwendiger ist der Two-Mode-Hybrid, den General Motors, Mercedes und BMW gemeinsam entwickeln. Zwei E-Maschinen mit jeweils 60 kW Leistung können selbst massige Geländewagen rein elektrisch in der Stadt bewegen. Doch das Ganze bleibt ein Zuschussgeschäft, nur die Hälfte des geschätzten Systempreises von 5000 bis 10.000 Euro können die Hersteller an ihre Kunden weitergeben.

Um den Einstiegspreis in die Hybrid-Welt zu senken, werden BMW und Mercedes in Europa abgespeckte Hybride mit nur einem Elektromotor und einer kompakten Batterie anbieten. Gleichzeitig treiben sie die Weiterentwicklung des Benzinmotors voran. "Downsizing" heißt die Devise: Lieber zwei Zylinder weniger als einen Tropfen Sprit zu viel. Um den schwachbrüstigen Benzinern Beine zu machen, werden die Motoren per Abgasturbolader aufgepeppt. "Früher hatten Turbomotoren bis zu 35 Prozent Mehrverbrauch. Heute sehen wir in ihnen einen der wirkungsvollsten Ansätze, um das Ziel von 130 g/km CO2 zu erreichen", sagt Günter Karl Fraidl, Entwicklungsingenieur bei der AVL List GmbH.

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