Autohändler Max Hoffman "300 SL Flügeltürer? Ich kaufe 1000 Stück."

Der 300 SL war eigentlich ein Rennwagen. Erst nach Hoffmans Aufforderung machte Mercedes daraus einen Straßensportler.

(Foto: Daimler AG)

Anfang September 1953 trifft er sich in Stuttgart mit dem Daimler-Vorstand und macht einen kühnen Vorschlag: "Warum bauen sie keine Straßenversion des 300 SL Flügeltürers? Ich kaufe 1000 Stück davon." Die Firmenchefs werden blass. Dieses forsche Auftreten entspricht ganz und gar nicht ihrer bedächtigen schwäbischen Mentalität. Und außerdem: Der 300 SL ist ein erfolgreicher Rennwagen, der das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und die Carrera Panamericana gewonnen hatte - ein Auto für Profis, aber nicht für die amerikanische Schickeria.

Doch Hoffman lässt nicht locker und langsam erkennen auch die Daimler-Vorstände die Chance, auf dem wichtigen US-Markt Fuß zu fassen. Als sie endlich die Bestellung des straßentauglichen 300 SL akzeptieren und den Amerikaner loswerden wollen, legt Hoffman noch eine zweite Bestellung drauf. "Ich brauche auch einen preiswerteren Tourensportwagen, offen und mit Vierzylindermotor." Dann bricht er auf, denn im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen wartet schon sein nächster Gesprächspartner: Ferry Porsche.

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Hoffmans Wünsche werden erfüllt

Auch mit ihm diskutiert er über zukünftige Modelle und erklärt, dass sich die Amerikaner einfache, preiswerte Sportwagen wünschen. Porsche hört zu und beschließt gemeinsam mit Hoffman, einen neuen Typ: den Speedster - eine Mischung aus Cabrio und Roadster mit niedriger Panoramafrontscheibe, steckbaren Seitenfenstern und einfachem Klappverdeck. Eine Heizung gibt es nur gegen Aufpreis. Genau das richtige Auto für die sonnigen Momente des Lebens, wie man sie an der amerikanischen Westküste genießt. Hoffman ist zufrieden und reist in die USA zurück.

Dort liegt bereits die Antwort von Daimler-Benz auf dem Schreibtisch: Die Straßenversion des 300 SL kommt und gleichzeitig werde auch ein kleinerer offener Sportwagen gebaut. Der soll 190 SL heißen. Und die Schwaben halten Wort: Beide Autos treffen im folgenden Frühjahr pünktlich zur Automesse in New York ein, wo sie nebeneinander Weltpremiere feiern. Doch der 190 SL ist nur ein Showcar; kaufen können die Amerikaner ihn erst im Juni 1955 - im gleichen Monat als in New York der BMW-Roadster 507 präsentiert wird.