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Autodesign:Licht ist bei Autos das neue Chrom

Audi Aicon Studie

Beim Aicon, Audis IAA-Studie 2017, wird die Heckansicht von einer großen durchgängigen Leuchtfläche bestimmt.

(Foto: Audi AG)

Viele Automarken bauen schöne Autos. Um sich abzuheben, verwenden immer mehr teure Hersteller neue Lichttechnologien. Die Zulassungsbehörde muss davon manchmal erst überzeugt werden.

Ingolstadt, wir haben ein Problem. Die Freundfeinde von Audi und VW werden einander immer ähnlicher. Der VW Arteon ist womöglich das bisher schönste Auto aus Wolfsburg. Schräg von vorne sieht er fast wie ein Zwilling des neuen Audi A7 aus: Riesige Lufteinlässe in der Front und tief angesetzte, zeppelinförmige Motorhauben rahmen jeweils einen breiten Kühlergrill nach Art des Hauses ein. Was folgt, ist ein auffallend gleich proportionierter Gran Turismo mit niedriger, gestreckter Dachlinie, breiten Schultern, mittigem Glashaus und rund 4,90 Meter Länge.

Unterschiedlich sind die Rückansichten der Kontrahenten - und vor allem ihr Preis: Der Arteon kostet in der hochwertigen Elegance-Ausstattung mit Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe und 206 kW (280 PS) rund 20 000 Euro weniger als der billigste A7.

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Schön, dass der Arteon zwar beim Preis, aber nicht an den Auto-Emotionen spart. Fragt sich nur, was der typische Premium-Look ist, für den Audi so viel mehr Geld verlangt? Bisher war die Marke mit den vier Ringen nicht nur stolz auf Vorsprung durch Technik, sondern auch auf ihr progressives Design. Ein Volkswagen durfte zwar relativ teuer, aber nicht so extrovertiert sein.

Diese Zeiten des ins Blech gepressten Understatements (oder Prestige-Verzichts) sind vorbei. Auch mit den kommenden Elektromodellen zeigen die Wolfsburger, dass sie den Pelz nicht mehr nach innen tragen wollen. Bei Testfahren mit dem Arteon bleiben die Leute neugierig stehen und schütteln angesichts der Markenlogos in Front und Heck ungläubig den Kopf: Das soll ein Volkswagen sein? Kein Vergleich zum Passat CC. Der biedere Vorgänger stand nie im Verdacht, Sekt statt Selters zu tanken.

Verwässerte Design-Ideen

Dass der Arteon beim Stil- und Selbstbewusstsein aufgeholt hat, ist kein Zufall. Genau wie der A7 basiert er auf Entwürfen von Marc Lichte. Der heutige Audi-Designchef arbeitete in Wolfsburg am Sport Coupé Concept GTE, das VW 2015 vorstellte und nun als Arteon fast unverändert in Serie gebracht hat. Gleichzeitig gestaltete er Ende 2013 insgeheim die Studie Prologue, die das Audi-Design erneuern sollte. "Bei Herrn Lichte werden die Autos immer etwas dynamischer, als es eigentlich sein müsste", sagt Rüdiger Folten, ein lang gedienter VW-Designer, "das ist Teil seiner Persönlichkeit."

Am Ende hatten die Verantwortlichen in Ingolstadt wohl zu viel Angst vor der eigenen Courage. Das Serien-Coupé unterscheidet sich zwar in vielen Details angenehm vom ersten A7. Statt zwischen den Achsen Hüftgold anzusetzen, verschlankt sich der Nachfolger dort wie eine Cola-Flasche. Auch das abfallende Rucksackheck ist endlich Geschichte. Trotzdem wurden die Design-Ideen des stimmigen Prologue-Konzepts auf zu viele Serienmodelle verteilt und damit verwässert.

Viele Marken machen sichtbare Fortschritte im Design

Zum fulminanten Sprung nach vorn sind weder der neue Audi A8 noch der A7 geworden. Erst der Audi Sport Quattro darf nächstes Jahr aus dem Vollem schöpfen. Mit noch breiteren Radläufen und einer geduckteren Form erinnert er an den Audi 90 quattro Imsa GTO. Dieser Sportwagen, den Audi 1989 in der gleichnamigen amerikanischen Rennserie einsetzte, war als Weiterentwicklung des Ur-Quattro eine wesentliche Inspirationsquelle für den Prologue.

Doch der neue Audi A7 steckt - wie viele Modelle der Premiummarken - in einer Sandwich-Position. Sie müssen einen Respektabstand zu den echten Traumwagen halten und sich gleichzeitig von den aufstrebenden Volumenmarken absetzen: Mazda und Hyundai/Kia, aber auch Škoda und Seat machen sichtbare Fortschritte im Design. Was bleibt also, um dem bekannten Business-Dresscode der Ingolstädter eine neue Wendung zu geben?