Autobahnraststätten in Österreich Wo die Pinkelpause noch kostenlos ist

Toilettenfrauen, die ihren Kunden bis auf den Parkplatz folgen, weil sie für die Benutzung der Toilette nichts gezahlt haben: Derartige Szenarien will Österreich an seinen Autobahnen künftig verhindern. Ein Gericht hat WC-Gebühren in Autobahnraststätten verboten. Das kostenpflichtige deutsche Modell könnte sich trotzdem noch durchsetzen.

Von Cathrin Kahlweit

Was gar nicht gehe, sagt Christian Spitaler, seien Toilettenfrauen, die ihren Kunden bis auf den Parkplatz hinterherliefen und sich beschwerten, dass diese nicht für die Benutzung des stillen Örtchens gezahlt hätten. Schließlich sei der Obulus dafür, offiziell zumindest, freiwillig. Immer häufiger aber, so der Pressesprecher der Asfinag, der österreichischen Autobahngesellschaft, hätten sich Kunden beschwert, die zur Zahlung von 50 Cent regelrecht genötigt worden seien, bevor sie, um ein dringendes Bedürfnis erleichtert, an einer Autobahntankstelle irgendwo zwischen Linz, Wien oder Graz wieder in ihr Auto steigen konnten.

Um der Ehre der österreichischen Toilettenfrauen willen sei unterstellt, dass solche Exzesse im Alpenland sicher selten vorkommen. Gleichwohl hat die Asfinag gegen zwei Tankstellenbetreiber geklagt, auf dass diese endlich aufhören, für die Pipipause Geld zu verlangen. Das Oberlandesgericht Wien kam, wie jetzt bekannt wurde, daraufhin in zweiter Instanz zu dem Schluss, dass die Aufforderung zur Zahlung, wenn sie vor der Toilette mit einem Schild, einem Teller und womöglich noch dem drohenden Blick des Personals verbunden ist, wenig mit Freiwilligkeit zu tun habe. Die Pachtverträge mit den Tankstellenbetreibern seien ohnehin eindeutig, sagt Spitaler. "Der Zugang zu den Toiletten muss rund um die Uhr und kostenlos möglich sein."

Das wird alle jene Autofahrer freuen, die sich derzeit - auch aus Deutschland kommend - auf die Ferienreise durch Österreich machen, wenn, ja wenn das Urteil, das jetzt veröffentlicht wurde, denn auch umgehend befolgt wird. Andreas Frühwirth, der bei dem italienischen Ölkonzern Eni für das österreichische Tankstellennetz zuständig ist, sagt, man habe die Entscheidung an die Pächter entlang der Autobahn weitergeleitet. Eni steht besonders unter Beobachtung, weil es zwei seiner Tankstellen waren, welche die Asfinag exemplarisch verklagt hatte. Die Pächter aber, sagt Frühwirth, hätten ihre Toilettenbewirtschaftung meist ausgegliedert und müssten jetzt Lösungen finden.

In Deutschland herrscht das Sanifair-Regime

Eine Lösung, glaubt der Manager, könne - und werde - mittelfristig nach deutschem Vorbild kommen. An deutschen Autobahnen herrscht das Regime von Sanifair. Früher 50, mittlerweile 70 Cent zahlt, wer an einer deutschen Autobahn auf ein Klo geht, 50 Cent können per Bon später an der Kasse wieder eingelöst werden, für eine überteuerte Cola oder eine überflüssige Zeitschrift, nicht aber für: Benzin. Das Modell der Tank & Rast, das mit Sanifair sowohl die Hygiene als auch die Kosten auf Autobahnklos erhöht hat, war von den Kunden positiv angenommen worden - solange man 50 Cent zahlte, eine saubere Toilette vorfand, und für 50 Cent hinterher einkaufen konnte. Seit der Preiserhöhung um 20 Cent ist der Unmut groß, immer häufiger ist von Abzocke die Rede.

Was an deutschen Autobahnen allgegenwärtig ist, findet auch die Asfinag nicht schlecht. Allerdings gehe das nur, wenn man für die Bons nicht zu viel zahlen müsse, dafür aber alles, einschließlich Benzin, kaufen könne. Von einer Einigung auf diese Bedingungen sei man aber noch weit entfernt. Der ADAC hat übrigens festgestellt, dass österreichische Autobahntankstellen auch ohne Zwangs-Abgabe recht sauber sind.