Auto Shanghai 2017 China zeigt die Zukunft der Mobilität

Eines der Highlights der Auto Shanghai 2017: Der Nio EP9, ein fast 1400 PS starker Elektro-Sportwagen, der auch selbständig fahren können soll.

(Foto: Reuters)

Deutschland hängt dagegen im Status quo fest: Warum die Messe in Shanghai das Auto neu erfindet - und die Frankfurter IAA abgehängt wird.

Kommentar von Joachim Becker

Wo wird das Auto von morgen erfunden? Und wer zieht am meisten Prestige aus den Zukunftsthemen? China - so viel ist sicher - verändert die Autowelt. Auf dem größten Fahrzeugmarkt sollen nach Schätzungen des Car-Instituts bis 2025 jährlich zehn Millionen New Energy Vehicles (NEV) verkauft werden. Diese Zahl von Batterieautos und Plug-in-Hybriden bedeutet eine Energiewende auf der Straße. Die deutschen Hersteller bereiten sich intensiv darauf vor: Längst ist China für Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder VW der größte und gleichzeitig einer der dynamischsten Absatzmärkte. Doch in der Heimat springt der Funke nicht über.

Mit der Auto Shanghai 2017 startete gerade die weltgrößte Automesse in China. Völlig neue Autofirmen wie Lynk oder Nio geben dort ihren Einstand und sorgen für die richtige Prise Gründergeist. Wie die Volvo-Schwestermarke Lynk zielt auch Nio mit einem starken industriellen Hintergrund auf das Premium-Segment - und auf den europäischen Markt. Natürlich mit E-Antrieb und modernster Vernetzung.

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Doch anders als die Automesse in Shanghai wird die IAA in Frankfurt kaum für Aufbruchstimmung sorgen. Sechs Monate vor dem Start haben neun Autohersteller abgesagt, nämlich Alfa Romeo, Fiat, Jeep, Peugeot, DS, Nissan, Infiniti, Mitsubishi und Volvo.

Schlimmer noch: Wie auf dem Genfer Automobilsalon werden in Frankfurt wohl wieder die Vertriebsleute das letzte Wort haben. Die Weltpremieren werden wenig Neues zeigen, weil der deutsche Kunde vermeintlich nur SUVs in allen Variationen haben will. Die Gegenwart dominiert, kühne Visionen werden woanders präsentiert.

Nur Dieter Zetsche will neue Impulse setzen

Dieses Diktat des Faktischen ist eine gefährliche Falle. Im Internetzeitalter ändert sich nicht nur die Mobilität, sondern auch die Wertschöpfung gravierend. Es dreht sich eben nicht mehr alles um den Verkauf von Rendite-trächtiger Hardware. Fast alle Hersteller und Zulieferer versuchen gerade, ihre Mannschaften auf diese Zukunft und neue Geschäftsmodelle einzustimmen.

Eine plumpe Verkaufsmesse alter Schule ist auf diesem Weg genau das falsche Signal: Auf Hochglanz gewienerte Karossen helfen wenig, wenn der gedankliche Gehalt stumpf bleibt. Es scheint, dass sich der Automobilstandort Deutschland neu erfinden muss.

Dieter Zetsche setzt auf Dialog über das Autosilo hinaus. Während der IAA will der Daimler-Chef eine dreitägige Konferenz mit Happenings überall in der Stadt am Main veranstalten. Zusammen mit der Trendmesse South by Southwest (SXSW) soll der Diskurs über Zukunftsthemen neue Impulse bekommen. Es wird Zeit, dass auch der Verband der Automobilindustrie als Veranstalter der Frankfurter IAA endlich auf den Zukunfts-Zug aufspringt. Und nicht als Lobby-Behörde in Berlin weiterhin den Status quo zementiert.

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