Auto-Klassiker (13): Porsche Nr. 1 Eine Fahrt im 356-001

Manchmal kann man eine rollende Geschichtsstunde erleben: Wir waren im ersten Porsche auf dem legendären Willow Springs Raceway unterwegs.

Von Sebastian Viehmann

In Kalifornien brennt selbst im Winter die Sonne vom Himmel. Klaus Bischof rückt seine getönte Brille zurecht und genießt den Wind, der von der winzigen Scheibe des Roadsters kaum zurückgehalten wird. Seine Hände umklammern ein hauchdünnes weißes Lenkrad, mit dem der Leiter des Porsche-Museums seinen wertvollsten Schatz um die Kurven des Willow Springs Raceway dirigiert: Der allererste Porsche mit der offiziellen Bezeichnung 356-001 zählt schon 60 Lenze und steht normalerweise im Museum. Doch manchmal, etwa zur Vorstellung seines Urenkels Boxster, reist er noch um die Welt - und darf zeigen, was in ihm steckt.

Porsche 356-001: silberner Senior auf dünnen Rädchen

(Foto: Foto: Pressinform)

Mit Käfer-Motor und 585 Kilogramm Leergewicht

Ein leichtes Knacken im Getriebe irritiert Bischof nicht: "Das ist halt noch unsynchronisiert", ruft er seinem Beifahrer durch den Fahrtwind zu. Das Gebrabbel des Vierzylinders wechselt seine Klangfarbe, und der Porsche startet im dritten Gang durch. Auf seinen dünnen Räderchen huscht der silberne Senior überraschend spritzig und fast ohne Wanken um die Biegungen. Ein Kurvenkünstler nach heutigen Maßstäben ist er freilich nicht, doch puristischer und unbeschwerter als in diesem Gefährt kann man kaum unterwegs sein - schon gar nicht in einem mit Komfort und Elektronik voll gestopften Porsche von heute.

Willow Springs ist eine der ältesten Rennstrecken der Vereinigten Staaten und liegt mitten in der kalifornischen Mojave-Wüste. 1953 drehten die ersten Rennwagen hier ihre Runden. Der zweieinhalb Meilen lange Originalkurs mit seinen neun Kurven ist bis heute unverändert. Er wurde nach europäischen Vorbildern konstruiert und ist vor allem eins: verflixt schnell. Auf dem "Fastest Track in the West" erreichen Autos oder Motorräder auf den Geraden 320 km/h und durch die weiten Kurven geht es mit 100 bis 270 Sachen.

Von diesem Tempo kann der Ur-Porsche natürlich nur träumen. Der Vorwärtsdrang des 356-001 wird kurz nach der heutigen Autobahn-Richtgeschwindigkeit bei 135 km/h gestoppt. Schließlich wird der Senior vom Vierzylindermotörchen des Käfer mit 1,13 Litern Hubraum angetrieben, der ursprünglich nur 25 PS leistete.

Auto-Klassiker (13): Porsche Nr. 1

Eine Fahrt im 356-001