40 Jahre Mercedes 450 SEL 6.9

Heute sind Autohersteller bestrebt, mit ihren Modellen jede noch so kleine Marktnische zu besetzen. 1975 ist das noch anders. Mercedes bietet im Mai dieses Jahres exakt vier verschiedene Personenwagen an: den Strich-Acht in der oberen Mittelklasse als Limousine und Coupé, den 107er als Roadster und mit festem Dach, die Repräsentationslimousine Mercedes 600 und die Baureihe 116, die erste S-Klasse. Die Kompaktklasse ist für die Schwaben weit weg, SUVs gibt es nur aus England - ohne dass der Range Rover freilich als solcher bezeichnet wird. Mercedes ist ein echter Luxushersteller und ein führender Innovationstreiber unter den Autoherstellern.

Ausdruck dessen ist der etwa 70 000 Mark teure 450 SEL 6.9. Er debütiert im Mai 1975 fast drei Jahre später als seine technische Basis, die S-Klasse-Baureihe 116. Eigentlich sollte er eineinhalb Jahre früher auf den Markt kommen, aber mitten in der ersten Ölkrise scheut Mercedes die Markteinführung. Ein Auto, das im Schnitt locker 20 Liter verbraucht, ist da ein fragwürdiges Statement. Trotz seines Durstes gilt der 450 SEL 6.9 Mitte der Siebzigerjahre als bestes Auto der Welt, vor allem wegen seines monumentalen Motors. Der 6,9 Liter große V8-Benziner leistet 286 PS und bietet 549 Newtonmeter - das damals höchste maximale Drehmoment eines Autotriebwerks aus deutscher Produktion. Deshalb reicht eine Dreigang-Automatik, um beachtliche Fahrleistungen zu realisieren. Der Sprint von Null auf Hundert gelingt in acht Sekunden, dank des Spitzentempos von 225 km/h gehört dem Sechsneuner die linke Autobahnspur allein.

Trotz ordentlicher Fahrdynamik geht es bei diesem Inbegriff des dicken Benz' nicht ums Rasen. Eher ums Wohlfühlen, denn die Über-S-Klasse ist mit einem Federungs- und Abrollkomfort gesegnet, wie ihn sonst nur ein Citroën bietet. Es ist kein Zufall, dass der 450 SEL 6.9 ähnlich wie die Citroën DS über eine hydropneumatische Federung mit automatischer Niveauregulierung verfügt. Und dass es sie nur mit langem Radstand gibt. Wegen der ausladenden Beinfreiheit reist es sich im Fond der 5,06 Meter langen Limousine am bequemsten.

Bild: dpa-tmn 19. Januar 2015, 07:342015-01-19 07:34:21 © SZ.de/harl/reek