60 Jahre Mercedes 190 SL

Man muss schon ganz genau hinschauen, um ihn nicht mit dem 300 SL Roadster zu verwechseln. Tatsächlich ist das Schicksal des Mercedes 190 SL eng mit dem des großen Bruders verknüpft. Gemeinsam teilen sich der 190er und der legendäre 300 SL Flügeltürer die Bühne auf der "International Motor Sports Show" in New York - das große Coupé als Serienversion, der kleinere Roadster als Prototyp. Ein Jahr später beginnt auch die Serienproduktion des 190 SL, der als Begründer des bis heute beibehaltenen komfortbetonten SL-Charakters gilt.

Während der Flügeltürer und dessen 1957 aufgelegte Roadsterversion von waschechten Rennwagen abstammen, teilt sich der 190 SL weite Teile der Technik mit der braven Ponton-Limousine W 121. Darunter auch den Antrieb, einen biederen 1,9-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor. Im Ponton nie stärker als 80 PS, darf das Triebwerk im SL immerhin 105 PS leisten. Trotz aller Kraft geht es für Fahrer des Cabrios eher um gelassenes Gleiten als um aggressives Rasen, wofür das eher schwammige Fahrwerk mit Pendelachsen und die zahmen Trommelbremsen auch nicht ausgelegt sind.

Mit seinem gemütlichen Charakter passt der 190 SL gut nach Amerika, wohin Mercedes bis 1963 etwa 40 Prozent der fast 26 000 produzierten Exemplare exportiert. Besonders beliebt ist der Roadster bei Frauen, einige Berühmtheiten wie Gina Lollobrigida, Grace Kelly oder die Schriftstellerin Françoise Sagan lassen sich nur zu gern in ihm sehen und ablichten. Auch die Frankfurter Lebedame und Edelprostituierte "Das Mädchen Rosemarie" Nitribitt investiert den üppigen Preis von mindestens 16 500 Mark, um mithilfe des Mercedes' Männerbekanntschaften zu schließen. Es ist eine kurze Liaison, Nitribitt wird nur gut ein Jahr später ermordet. Der SL dagegen lebt weiter - in den Händen zahlreicher Autoliebhaber und als Mercedes-Baureihe, die sich auch in ihrer siebten Generation großer Beliebtheit erfreut.

Bild: AFP 16. Januar 2015, 15:152015-01-16 15:15:29 © SZ.de/harl/reek/lala