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Auf hoher See:Von der Schweiz aufs hohe Meer

Tatsache ist, dass Schiffe - auch ohne Hochseehafen - sowohl auf der Rhône nach Genf als auch über den Rhein in die Schweiz gelangen können; sie dürfen aber nicht mehr als 1,20 Meter Tiefgang haben. Blieb die Idee, Basel zum Umschlagsplatz für Schiffstransporte von und nach Köln, Düsseldorf und Rotterdam zu machen. Was angesichts des Klimawandels und schwankender Pegelstände heute aber ebenfalls mit Hindernissen versehen ist.

Der eidgenössische Weg war schließlich der, sich unter fremder Flagge einzukaufen. "Wenn es anders nicht zu machen war", sagt Zürcher, heute Analyst im Eidgenössischen Verteidigungsdepartement, "bedienten sie sich eines Strohmannes." Völlig legitim wurden aber auch nicht wenige Kaufleute aus dem Alpenland in den Hafenstädten zu Reedern. Einer der prominentesten war Gottfried Schenker aus Solothurn. Noch zu K.u.K.-Zeiten, als die österreichische Donaumonarchie über italienische Häfen wie Fiume und Triest verfügte, gründete er in Wien die Adria Steamship Company, später die Austro-Americana. Schifffahrtsgesellschaften, die bereits ordentliche Dampfer bauten wie die 1918 zum Kriegsende in New York beschlagnahmte 140 Meter lange Martha Washington mit ihren 7300 PS oder die Kaiser Franz Joseph I., die mit 12 800 PS und bis zu 675 Passagieren auf der Südamerika-Linie verkehrte.

Ein aus St. Gallen stammender Daniel Steinmann begründete im belgischen Antwerpen die White Cross Line, und übernahm auf allen Schiffen, die unter seiner Regie liefen, die Schweizer Flagge als Markenzeichen. Der Segler Helvetia gehörte zu den ersten Schiffen. Mit Dampfschiffen hatte die White Cross Line weniger Glück. Sechs von acht gingen verloren.

Als Pioniere betätigten sich Männer wie Henry Tschudi, Spross einer alteingesessenen Familiensippe aus dem Glarnerland, die es nach Norwegen zog. Das relativ kleine Land war mit seiner Hauptstadt Kristiania, dem heutigen Oslo, Ende des 19. Jahrhunderts hinter Großbritannien und den Vereinigten Staaten unversehens zu einer der führenden Seefahrernationen aufgestiegen. Bei Tschudi und seinem Compagnon Eitzen lagen bald Schiffe wie die Eiger, eine Titlis, die Rigi oder 1906 der Dampfer Gotthard auf Reede. In zurückliegenden Jahren transportierte Tschudi & Eitzen mit mehreren zehntausend Tonnen schweren Spezialschiffen gigantische Wellenbrecher für die Ölplattform Ekofisk und baute Hochseeschlepper, die bei erheblichen Minusgraden auch mal Riesentanker in der Hudson Bay vom Eis zogen. Felix Henry Tschudi fühlt sich mit seiner Schweizer Herkunft, aber auch als norwegischer Staatsbürger gut aufgehoben.

Dass die Schweiz heute tatsächlich über eine eigene Hochseeflotte verfügt, liegt daran, dass die Versorgungslage des Alpenstaates sich im Zweiten Weltkrieg unter dem Eindruck des U-Boot-Krieges auf den Weltmeeren verschärfte. Als erstes kaufte der Alpenstaat 1941 die Calanda. Das zweite war die Majola, der die Schweizer Flagge allerdings nichts nützte. Sie wurde am 7. September 1943 aus Versehen von britischen Flugzeugen versenkt. Nach Kriegsende wurde die Handelsflotte beibehalten. Der Bund verkaufte seine Schiffe an Privateigentümer. Heute macht die Schweizer Hochseeflotte ein Tausendstel der Welthandelsflotte aus. Nur eines dürften Eidgenossen unter Schweizer Flagge vermissen: Seeleute, die tatsächlich noch wie Walter Zürcher aus dem Alpenland stammen. 2009 hatten von 659 Seeleuten aus 17 Nationen nur noch acht einen Schweizer Pass.