Audi RS 3 Sportback im Fahrbericht:Es fehlt das Rebellische

Audi RS 3 Sportback

Der neue Audi RS 3 Sportback auf der italienischen Rennstrecke Vallelunga.

(Foto: JWO)

Er ist Sport- und Kompaktwagen in einem: Nie wurden diese gegensätzlichen Autogattungen so gut kombiniert wie beim neuen RS 3 Sportback. Der schnelle Audi kann einfach alles. Irgendwie schade.

Von Thomas Harloff, Campagnano di Roma

Wer wissen möchte, wie sich die Autoindustrie und ihre Produkte in den vergangenen 40 Jahren entwickelt haben, schaut sich am besten exemplarisch das Segment der sportlichen Kompaktwagen an. 1976 reichte dem ersten VW Golf GTI ein 1,6-Liter-Motor mit 110 PS, um sich den Ruf eines Sportwagens für Jedermann zu erarbeiten. Und heute? Leistet der stärkste Golf 300 PS - und ist damit noch einer der schwächeren Vertreter in einem Segment, das die Engländer so griffig "Hot Hatches" (übersetzt etwa: heiße Dreitürer) nennen. Hier treten außerdem an: der Ford Focus RS mit 320 PS, der BMW M135i mit 326 PS oder der Mercedes A 45 AMG mit 360 PS.

Es ist dieses Sich-gegenseitig-Aufschaukeln, das Kompaktwagen in den Leistungsbereich eines Porsche 911 Carrera katapultiert. Ein Wettrüsten, das nun mit dem Audi RS 3 Sportback einen noch stärkeren Kompaktwagen hervorbringt. Dessen Fünfzylinder-Turbobenziner mit 2,5 Litern Hubraum leistet 367 PS. 367 PS! Wenn die Konstrukteure des GTI damals als verwegene Haudegen galten, weil sie einen 110 PS starken Motor in den kleinen Golf pflanzten, was sind dann die Entwickler des RS 3? Verrückte Hasardeure, die mit den Leben der Verkehrsteilnehmer spielen, die in irgendeiner Weise mit diesem Auto in Kontakt kommen?

Enorme Kraft, leichtverdaulich serviert

Fährt man mit dem RS 3, zeigt sich bald, dass dessen Macher sogar sehr vernünftige Zeitgenossen sein müssen. Es war ihnen offensichtlich ein großes Anliegen, die enorme Leistung so leichtverdaulich wie möglich zur Verfügung zu stellen. Natürlich beschleunigt der Motor den 1,6-Tonner vehement, bei Bedarf in 4,3 Sekunden von null auf 100 km/h. Drückt die Insassen dabei in ihre Sitze und untermalt das mit einem lauten und kehligen Klang, wie er typisch ist für Audis Fünfzylinder.

Aber sonst? Heftig an der Lenkung zerrende Vorderräder? Ein schwänzelndes Heck, weil die Hinterräder die Kraft von maximal 465 Newtonmetern nicht auf den Boden bekommen? Nein, nichts von alledem. Der RS 3 beschleunigt stoisch bis auf Tempo 250. Wenn gewünscht und bei der Bestellung des Autos für 1500 Euro hinzu gebucht, sogar bis auf 280 km/h. Einfach so.

Ähnlich ist es in Kurven. Egal ob auf dem wunderbar ebenen Kurvengeschlängel der nördlich von Rom angesiedelten Rennstrecke Vallelunga oder den Landstraßen in der Umgebung: Nichts bringt dieses Auto aus der Ruhe. Der RS 3 ist stabil beim Bremsen, Einlenken in die Kurve und Beschleunigen aus der Biegung. Immer und ausnahmslos. Bremse, Lenkung, Fahrwerk und Allradantrieb verschmelzen zu einer Einheit, die es dem Fahrer leicht macht, schnell zu sein - viel zu oft viel zu schnell für das, was auf öffentlichen Straßen erlaubt ist.

Audi RS 3 Sportback

Der neue Audi RS 3 kostet mindestens 52 700 Euro. Ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gehört zur Serienausstattung.

(Foto: JWO)
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