Audi R8:Ein Hoch auf die Unvernunft

Audi hat den Supersportler R8 überarbeitet. Vor allem als Roadster bietet er deutlich mehr Fahrspaß als der Vorgänger. Noch immer ist der Mittelmotor-Sportler sündteuer und völlig unvernünftig. Aber das spielt bei einem Auto mit mindestens 430 PS eine untergeordnete Rolle.

Jürgen Wolff

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Vollblut-Sportler

Quelle: JWO

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Audi hat nach fünf Jahren Produktionszeit seinen Sportler R8 für die nächsten fünf Jahre überarbeitet. Ein knackiges Doppelkupplungs-Getriebe mit sieben Stufen, ein bisschen Leistung mehr für die ohnehin schon nicht gerade schwächlichen V8- und V10-Motoren, deutlich weniger Gewicht, Voll-LED-Scheinwerfer, neue Farben und Stoffe.

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Die neuen LED-Blinkerleisten am Heck sind Schnickschnack pur: Bei jedem Richtungswechsel blinken die gelben Leuchtbänder nicht nur im Takt, das Licht läuft über die ganze Breite der Heckleuchten von innen nach außen in die Richtung, in die der Fahrer will. Ein Band von 30 Leuchtdioden sorgt für den Effekt, bei dem im Takt von 150 Millisekunden je drei Segmente nacheinander angesteuert werden.

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Wie bisher gibt es mit Coupé und Spyder zwei Karosserieformen in Audis R8-Programm. Ebenso bleibt es bei zwei mächtigen Aggregaten, die den Sportler antreiben: Der V8-Sauger im 4.2 FSI leistet aus 4163 Kubikzentimetern wie gehabt 430 PS und ein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern. Er schickt das Coupé binnen 4,6 Minuten von 0 auf 100 und ist gut für 300 km/h.

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Fast 100 PS mehr leistet der Zehnzylinder: Mit 525 PS und einem maximalen Drehmoment von 530 Newtonmetern katapultiert er den R8 auf bis zu 314 km/h. Im V10 plus, den es nur im Coupé gibt, legt Audi noch einmal 25 PS nach und puscht die Leistung auf 550 PS und ein maximales Drehmoment von 540 Newtonmetern - das reicht dann für 317 km/h Höchstgeschwindigkeit.

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Komplett neu ist das Doppelkupplungs-Getriebe S tronic. Es funktionierte in einem ersten Test hervorragend. Unterbrechung des Kraftflusses? Nicht merkbar. Vom sechsten gleich runter in den dritten Gang? Ohne Umweg. Das Getriebe hat einen wesentlichen Anteil daran, dass der R8 bei Bedarf zum Alltagsauto wird, das sich trotz eine Leistung von mehr als 500 PS sanft in die Parklücke vor dem Supermarkt dirigieren lässt - oder seine Passagiere beim Beschleunigen wuchtig in die Sportsitze presst, wenn er in nur 3,6 Sekunden (Spyder: 3,8 Sekunden; V10 plus: 3,5 Sekunden) aus dem Stand auf 100 km/h stürmt.

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Audi R8:Audi R8 5.2 FSI Spyder

Audi verspricht einen Durchschnittsverbrauch, der zumindest offiziell knapp einen Liter unter dem seines Vorgängers liegt: 13,1 Liter auf 100 Kilometer beim Achtzylinder, 14,9 Liter beim Zehnzylinder.

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Wenn man nicht gerade in dem doch recht straff abgestimmten R8 V10 plus unterwegs ist, zeigt sich der Sportler aus der Audi-Manufaktur in Neckarsulm alltagstauglicher als zuvor. Der Federungskomfort der beim V10 serienmäßigen adaptiven Dämpfung und die ebenso griffigen wie bequemen Sitze lassen auch lange Strecken zu einem angenehmen Erlebnis werden. Im Stadtverkehr schwimmt der Fahrer entspannt mit - die mächtige Leistung im Rücken sorgt selbst im Stau der Rush Hour nicht für nervöses Ruckeln beim dezenten Antippen des Gaspedals.

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Vorne im Gepäckabteil ist sicher nicht genug Platz für die Utensilien eines zweiwöchigen Urlaubs zu zweit - aber für den normalen Wocheneinkauf samt Sprudelkasten reicht es allemal. Wer das sportliche Herz des Wagens freilässt, den belohnt der R8 mit einer präzisen Performance in engen Kurven und über steile Pässe - erst recht im offenen Spyder. Der V10 wiegt dank des Ultra-Leichtbaus weniger als 1,6 Tonnen - damit haben die 525 PS ein leichtes Spiel. Traktionsprobleme hat der allradgetriebene R8 so gut wie nie, die Achslastverteilung ist dank des Mittelmotor-Konzepts mit 43:57 nahezu perfekt, der Schwerpunkt auch wegen der Trockensumpfschmierung sehr niedrig.

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Ein Druck auf den Knopf für den Sportmodus sorgt dafür, dass die Gänge höher drehen, die Lenkung direkter wird und das Fahrwerk straffer. Und er sorgt für ein zusätzliches Sounderlebnis: Beim Herunterschalten simuliert die Abgasanlage den Klang von Zwischengas. Das ist technisch völlig überflüssig, aber der Klang geht über die Ohren bis in die Zehenspitzen.

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Bei den Preisen für sein Manufaktur-Stück hat Audi ebenfalls nachgeschärft. Der Einstieg in die R8-Klasse beginnt nun bei 113.500 Euro für das 4.2 FSI-Coupé mit V8-Motor und Sechsgang-Handschaltung. Das sind 4400 Euro mehr als bisher. Mit S tronic-Automatik werden noch einmal 5100 Euro mehr fällig. Der Spyder kostet mit V8 und Handschalter mindestens 124.800 Euro.

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Den offenen 5.2 FSI gibt es nur mit S-Tronic und von 165.900 Euro an aufwärts. Wer sich das V10-Spitzen-Coupé mit den 550 PS in die Garage stellen will, muss wenigstens 173.200 Euro bezahlen. Schluss ist damit aber noch lange nicht. In der Aufpreisliste finden sich so exklusive Extras wie ein speziell auf den Gepäckraum zugeschnittenes Kofferset zum Preis von 5600 Euro, eine Einparkhilfe mit Rückfahrkamera für 1540 Euro oder eine Keramikbremsanlage für 8820 Euro.

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Selbst für Farbnähte muss man in der Volllederausstettung noch 300 Euro extra zahlen. Der Wow-Effekt der Blinker immerhin ist im Grundpreis mit enthalten.

© süddeutsche.de/pi/goro/pauk
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