bedeckt München 22°
vgwortpixel

Audi R8 e-tron:Eine Fusion von Hightech und Highmech

Der Zwischenspurt von 60 bis 120 km/h ist eine 4,1 Sekunden kurze Momentaufnahme, aber die Höchstgeschwindigkeit wird schon bei 200 km/h eingebremst, weil die Fahrwiderstände bei Vollgas die Reichweite des eiligen Stromers schmelzen lassen wie Eis in der Sonne. Falls nicht ein zufällig verfügbares Schnell-Ladekabel samt Starkstromanschluss die Prozedur auf rund zweieinhalb Stunden verkürzt, dauert Nachtanken gefühlt ungefähr so lange wie ein Transatlantikflug. Im Normalbetrieb ist der Audi aber spätestens nach 248 Kilometer reif für die Steckdose, Bleifuß bergauf reduziert die Reichweite auf einen zweistelligen Wert.

Wenn das Cockpit in bunter Broadway-Beleuchtung die Show eröffnet, schalten die Neurotransmitter im Hirn des e-tron-Piloten elektrisiert von Ruhe- auf Wachstrom.

(Foto: Foto: oh)

Der e-tron basiert auf dem R8, doch wo im Mittelmotorcoupé der Verbrennungsmotor sitzt, türmen sich im Elektromobil die Lithium-Ionen-Batterien. Der nutzbare Energieinhalt des Akkupakets beträgt 42,4 Kilowattstunden. Während die Zellen nicht wärmer werden dürfen als 25 Grad, liegt die Schmerzgrenze für den Wandler und die Steuerungselektronik um die 65 Grad. Gekühlt wird über ein ausgeklügeltes Thermomanagement, dessen Wasserkreislauf, Wärmepumpe und Ventilatoren vor allem bei extremen Temperaturen ziemlich viel Strom verbrauchen. Während der Fahrt fächeln diverse verstellbare Gitterlamellen den Aggregaten Luft zu.

Die vier radnahen Elektromotoren mobilisieren in Summe 313 PS. Eine Ein-Stufen-Automatik koordiniert die deutlich heckbetonte und entsprechend unterhaltsame Drehmomentverteilung. Weil jedes Rad einzeln angesteuert wird, kann auch gezielt beschleunigt, eingelenkt und gebremst werden. Theoretisch wäre es sogar möglich, den e-tron auf Kommando automatisch Pirouetten um die eigene Achse drehen zu lassen.

Praktisch ist man dagegen voll damit beschäftigt, die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Zum Beispiel die selbst bei Vollgas absolut gleichbleibende Tonalität der Elektromotorik, das Hintergrund-Schaben der Rekuperation beim Bremsen, den vierstimmigen Reifenchor beim Einlenken, das E-Lok-ähnliche Hochfrequenz-Singen bei Konstantfahrt. Elektromobilität hat auch etwas zu tun mit Pioniergeist, Abenteuerlust, der Fusion von Hightech und Highmech. Im Audi e-tron kommt man als Strom-Novize aus dem Staunen gar nicht heraus. Da signalisieren grüne Leuchtdioden und kühne Balkendiagramme die Restreichweite und den voltaischen Aderlass, da spielt das bekannte MMI-System jetzt auch auf der berührungsempfindlichen Klaviatur eines iPhone, da bilden kleine LED-Farbmonitore statt schnöder Spiegel das Geschehen hinter dem Fahrzeug ab.

Audi R8 V12 TDI

Der coolste Audi, den es je gab