Süddeutsche Zeitung

Audi Q5:Hoch soll er streben

Wenn nicht alles täuscht, hat Audi mit dem neuen Q5 einen Treffer gelandet. Doch die Preise sind stramm.

Glück muss man haben. Während die Benzinpreisexplosionen großen und noblen Geländewagen gerade den Garaus machen, laufen die kleinen, kompakten und - relativ - sparsamen wie geschnitten Brot. Gut 42 Prozent weniger große SUVs wurden in den ersten vier Monaten 2008 in Europa verkauft, auch die Premium-Dickschiffe mussten Rückschläge verkraften: 9,4 Prozent Minus gegenüber 2007. Ausnahme war nur der BMW X5. Aufwärts ging es dagegen bei den mittleren und kleinen SUVs. Dank neuer Modelle wie dem VW Tiguan, der inzwischen den Toyota RAV4 als meistverkauften Geländewagen abgelöst hat, verbuchten die mittleren Allradler 15,6 Prozent Zuwachs und die kleinen immerhin noch 6,4 Prozent.

Elegante und kraftvolle Proportionen

Könnte leicht sein, dass Audi da mit seinem kompakten Q5 genau zur richtigen Zeit auf den Markt kommt. Und wenn nicht? Dann dürfte es, so viel darf man vorwegnehmen, schwerlich am Auto liegen. Angefangen beim Design. In Zeiten, in denen allzu bullige Optik eher peinlich ist und sozial immer weniger akzeptiert wird, verkneift sich der Q5 jede Wucht. Das liegt zum einen an den Außenmaßen. 4,63 Meter Länge sind bei stattlichen 1,88 Meter Breite und nur 1,65 Meter Höhe die Voraussetzung für elegant-kraftvolle Proportionen. Und die Linienführung tut ein Übriges. Scharfe Konturen begrenzen weich modellierte Flächen, die je nach Lichteinfall ihre Erscheinung ändern. Auch wenn wir das Heck mit der über die gesamte Breite reichenden Klappe für seine Schokoladenseite halten - echte Schwächen leistet sich der Q5 aus keiner Perspektive.

Auch innen nicht, daran hat man sich bei der Marke schon langsam gewöhnt. Und dass der Q5 an vielen Stellen die Gene des A4 erkennen lässt, gereicht ihm ja nicht zum Nachteil. Vertrautheit, wohin man blickt und wonach man fasst. Auch Zutrauen in die Qualität. Dazu kommen beim Q5 ein hoher, aber bequemer Einstieg mit weit öffnenden Türen hinten und vorn, bequeme Sitze (gegen Aufpreis klimatisiert) mit betont langer Auflagefläche. Und reichlich Platz - auch im Fond und für den Kopf.

Dass Geländewagen in erster Linie Reiseautos sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. Vom Q5 darf man hier Besonderes erwarten. In beliebiger Reihenfolge und längst nicht komplett: eine längsverschiebbare Rücksitzbank (Option), ein je nach Bedarf und Geldbeutel optimierbares Ordnungssystem aus Schienen, Haken und Fächern, die den großen Gepäckraum (540-1560 Liter) vor dem Chaos bewahrt. Außerdem eine vorklappbare Vordersitzlehne für Menschen, die am liebsten das Surfbrett als Beifahrer haben. Und für Skier und Snowboards eine herausnehmbare Tasche. Wie stets bei deutschen Premiummarken ist die Wunschliste fast unbegrenzt - und richtig teuer, nicht nur, wenn es um Elektronik-Spielereien geht wie die Soundanlage von Bang&Olufsen. Da ist beim Kauf Selbstdisziplin gefragt.

Hoch soll er streben

Auch beim Fahren übrigens. Der Q5 bewegt sich derart leise, dass man nicht nur meint, in einem Pkw zu sitzen, sondern gern auch in die nächste Radarfalle tappt. Meist ist man schneller, als man meint. Der Motor klingt wie von fern ans Ohr, das Fahrwerk - ideal abgestimmt zwischen Komfort und Vorwärtsdrang - ist still wie der Lesesaal einer Bibliothek. Den Rest kennt man schon aus dem A4: die präzise und direkte Lenkung, die neutrale Kurvenlage, die Präzision, mit der alle Wünsche des Fahrers umgesetzt werden. Dazu kommt die unerschütterliche Steifigkeit der Karosse: Man erkennt den automobilen Fortschritt nicht zuletzt daran, wie viel gefühlte Qualität heute schon in der Mittelklasse geboten wird.

Vier Ringe müssen einem eine Menge Wert sein

Und nicht zuletzt bei den Motoren. Drei Alternativen bietet Audi im Q5. Der 2.0 TDI leistet 125 kW (170 PS) und verbraucht nach Norm 6,7 Liter Diesel. Dieser Antrieb ist mit seinen 350 Nm Drehmoment bei 1750 Umdrehungen mehr als ausreichend, zumal die aktuelle Entwicklungsstufe mit Common-Rail-Einspritzung endlich auch vorbildliche Laufkultur bietet. Wer dennoch mehr will, für den gibt es den exzellenten Dreiliter-TDI (176 kW/240 PS; 7,5 l/100 km; 47 400 Euro) und den nicht minder faszinierenden, völlig neu entwickelten und extrem laufruhigen 2.0 TFSI Benziner (155 kW/211 PS; 8,5 l/100 km; 42 350 Euro). Alle Motoren haben Direkteinspritzung und Turboaufladung. Übertragen wird die Kraft über ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe oder über das brandneue Doppelkupplungsgetriebe (S-tronic). In jedem Fall aber auf alle vier Räder. Ansonsten ist auch der Q5 ein Beispiel dafür, wie Innovationen durch die Baureihen mäandern - von Gags wie den LED-Leuchten bis hin zur elektronischen Dämpferverstellung oder allerlei Assistenzsystemen wie zum Spurwechsel oder zum Einparken. Alles nur eine Preisfrage.

Überhaupt das Geld. Wie selbstbewusst Audi den Q5 sieht, spiegelt sich auch im Preis. Blieb man bislang stets eine Handbreit unter dem Wettbewerber aus München, ist der Q5 jetzt um eben jenes Quentchen teurer als der BMW X3: 38.300 Euro sind der Eintrittspreis für das Audi-Basismodell, den 2.0 TDI. BMW verlangt für den X3, vergleichbar motorisiert, 37.900 Euro. Allerdings bietet man dort noch ein preisgünstigeres Modell an - den 2.0i für 34.900 Euro. Und der gewiss nicht schlechte Tiguan aus dem eigenen VW-Konzern beginnt sogar schon bei 26.700 Euro. Die vier Ringe müssen einem also schon eine Menge Wert sein. An alle anderen sollte Audi bald mit einem günstigeren Einstiegsmodell samt kleinerem Motor denken.

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Quelle:
SZ vom 12.7.2008/gf
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