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Audi A7 Sportback:Rucksack im Frack

Perfektes Timing: Mit dem A7 Sportback setzt sich Audi frühzeitig in Szene. Die Hauptkonkurrenten BMW 6er und Mercedes CLS haben das Nachsehen. Die erste Ausfahrt.

Günther Fischer

Selten hat ein Hersteller ein so perfektes Timing bewiesen wie Audi. Während der A7 Sportback schon demnächst zu den Händlern rollt, stellt Mercedes erst auf dem kommenden Pariser Autosalon seinen neuen CLS vor. BMW bringt sein 6er Gran Coupé, unlängst in Peking und München nur als "Clay-Modell" gezeigt, nicht vor 2012 auf den Markt. Das heißt: freie Fahrt für Audi.

Wem ein A4 oder A5 noch zu sehr Mittelklasse ist, ein A6 zu sehr schicker Business- und ein A8 ein zu gediegener Abendanzug, dem dient Audi ab sofort den A7 Sportback an - eine schicke Mischung aus Coupé und Kombi. Und wie nebenbei bricht Audi einst heilige Premiumregeln: So weit oben in der Auto-Hierarchie wäre eine Heckklappe früher tabu gewesen - das Image hätte Schaden nehmen können. Jetzt gilt: Auch feine Autos dürfen Heckklappe tragen.

Der Griff in die Baukästen des VW-Konzerns ermöglichte es den Ingolstädtern Autobauern zudem, Entwicklungs- und Produktionskosten zu sparen und ihren Edellaster rasch und wahrscheinlich gewinnbringend zu realisieren. So teilt sich der A7 Sportback die Plattform mit der kommenden Generation des Audi A6, die ebenfalls schon im Frühjahr 2011 zu haben sein wird. Auch Motoren und Getriebe stammen aus den Konzernregalen.

Wie wichtig dem Konzern der A7 Sportback ist, zeigt die Tatsache, dass zur ersten Fahrvorstellung im italienischen Olbia neben Audi-Chef Rupert Stadler auch VW-Konzernboss Martin Winterkorn seine Aufwartung machte. Entsprechend selbstbewusst gab sich der Audi-Boss: "Der Audi A7 ist ein außergewöhnliches Automobil - und ein besonders schöner Meilenstein auf unserem Weg an die Spitze. Es ist ein Auto mit eingebautem Wohlfühlfaktor."

Eingebautes "Wohlfühlambiente"

Wir fuhren das neue Modell mit der Spitzenmotorisierung 3.0 TFSI quattro S line und den Basisdiesel 3.0 TDI. Steht der A7 Sportback ohnehin schon mächtig und satt auf der Straße, mutiert er mit dem 220 kW / 300 PS starken Benzinmotor unter der Haube , dem Allradantrieb und dem S-line-Sportfahrwerk ansatzlos zum Sportwagen. Flott und wie auf Schienen zieht der Allradler durch die Kurven und über Kuppen. Das automatische Siebenganggetriebe arbeitet dabei so präzise und schnell, dass alle Aufmerksamkeit des Fahrers dem Kurvengeschlängel gelten kann.

Doch so viel Kraft und Übermut muss gar nicht sein: Der frontgetriebene Basisdiesel mit seinen 150 kW / 204 PS und der stufenlosen Achtgangautomatik Multitronic reicht völlig aus. Mit ihm mutiert der 4,97 Meter lange A7 Sportback zum gelassenen Cruiser, dem nur beim schnellen Sprint und beim Überholen auf einer bergigen Landstraße manchmal die Puste ausgeht. Dafür soll er sich mit nur 5,3 Litern Diesel auf 100 Kilometer zufrieden geben - für ein Oberklassen-Auto ein grandioser Wert.

"Bei einem solchen Verbrauch muss sich zum Beispiel ein Hybridfahrzeug schon sehr anstrengen, um daneben bestehen zu können", so Audi-Sprecher Stephan Öri. Oder, wie Stadler frohlockt: "Damit sind wir unserem derzeit einzigen Konkurrenten um rund drei Liter voraus."

Das kommt natürlich nicht von ungefähr: Zwar bietet Audi im A7 nur Sechszylinder-Motoren an, aber Spritspar- und Effizienzmaßnahmen wie Leichtbau, Start-Stopp-Automatik, aktives Thermomanagement, Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation) und eine neu entwickelte elektrische Servolenkung, die bis zu 0,3 Liter Sprit spart, tragen einiges dazu bei.

Auch sonst gibt Audi seinem A7 auf Wunsch alles mit, was sinnvoll und gut erscheint: unter anderem ein Head-up-Display, Luftfederung, Doppelkupplungsgetriebe, LED-Frontscheinwerfer, Tempomat mit Abstandsradar, Spurhalte- und Nachtsichtassistent, aktives Hinterachsdifferenzial und natürlich den quattro-Antrieb.

Eine Flatrate fürs Surfen wird empfohlen

Verarbeitung, Ergonomie und Materialien waren und sind im Innenraum eines Audi schon länger state of the art. Aber selbst hier hat Audi noch einmal nachgelegt - mit der Folge, das der A7 in seiner noblen Art dem A8 fast schon zu sehr auf die Pelle rückt. So bekamen die Designer einige Freiheiten mehr - zu sehen ist das an den Holzintarsien im Yachtdesign oder an den sehr leicht und elegant wirkenden Formen von Armaturentafel und Konsolen. Das Wohlfühlambiente weiter verstärken sollen auch offenporige Hölzer, edle Leder und versteckte Lichtleisten. Die Sitze gibt es auf Wunsch auch selbstverständlich mit Klimatisierung- und Massagefunktionen.

Längst definieren sich Oberklassen-Autos auch über Kommunikations-Features. Wer will, kann unterwegs sogar im Internet surfen - der A7 Sportback wird auf Wunsch auch zur mobilen Internet-Zone: Das Auto stellt die Datenleitung nach außen her und gibt den Datenstrom per W-Lan an die mobilen Geräte im Innenraum weiter. Ein Audi-Sprecher dazu: "Wir empfehlen eine Flatrate!"

Eine andere Möglichkeit: Wird im Festplatten-Navi eine Route eingegeben und berechnet, holt sich das Auto auf Wunsch auch die Bilder von Google Maps dazu und zeigt sie dem Fahrer in 3D. Das schon aus dem A8 bekannte MMI Touch ist im A7 ebenfalls zu haben: Via Touchpad werden Straßennamen oder Telefonnummern dann einfach mit dem Finger eingegeben ....

Bei all dem sollte nicht vergessen werden, dass der A7 Sportback auch ein Lademeister sein kann: Der üppig dimensionierte Laderaum fasst zwischen 535 und 1390 Liter, die mächtige Klappe des Hecks wird - natürlich - elektrisch bedient.

Der Preis für den Basisdiesel mit seinen 204 PS steht noch nicht fest - Audi führt das Auto erst später in den Markt ein. Der 3.0 TSFI quattro ist - ohne S-line und Sportfahrwerk - ab 58.600 Euro zu haben. Der A7 mit dem 3.0-TDI-Motor mit quattro und Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic steht ab 58.100 Euro in der Preisliste.

Wie immer gilt: Die Aufpreisliste lässt lässig weitere Steigerungen zu. Für den Fall, dass man noch schicker unterwegs sein möchte.

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