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Audi A4 im Fahrbericht:Viel Talent, wenig Charisma

Der Audi A4 3.0 TDI Quattro

Die Preise des neuen Audi A4 starten bei 30 650 Euro.

(Foto: STG)

Der neue Audi A4 will der Primus der Mittelklasse sein. Bei einer ersten Probefahrt konnte er dank seiner inneren Werte überzeugen - auch wenn nicht alles perfekt funktionierte.

Von Georg Kacher

Hier am Fuß der Schauinsland-Strecke wurde früher die europäische Bergmeisterschaft ausgetragen. An diesem Tag mit warmem Nieselregen rollen sechs neue Audi A4-Vorserienwagen an den Start. Mit von der Partie sind Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg und seine Bereichsleiter sowie ein Dutzend Journalisten. Die Ingolstädter haben drei verschiedene Motorisierungen in den Schwarzwald mitgebracht. Den Anfang macht der 272 PS starke 3,0-Liter-V6-Diesel (0-100 km/h in 5,3 s, 250 km/h, 4,2 l/100 km).

Doch ehe es losgeht, will das Eigenschaftsprofil per Drive Select nachgeschärft werden: Motor und Getriebe in "auto", Lenkung und Dämpfer in "comfort", die ACC-Abstandsregelung in "dynamic", die Klimaanlage in "auto", denn für "efficiency" ist es zu dampfig. Leider ist die Programmierung eine ziemliche Fummelei, die über drei Tasten, Knöpfe und Drücker mühsam zum Ziel führt. "Der Kunde stellt das einmal ein, und dann ist gut", versucht Michael Neumayer, Leitung Gesamtfahrzeug, unsere Kritik zu entkräften. Was aber, wenn eine bergige Schlechtwegestrecke oder eine freie Autobahn rasche Anpassung erfordern? Auch das überfrachtete Multifunktionslenkrad mit den drei Multifunktions-Stockhebeln stellt die Aufmerksamkeit des Fahrers auf eine ernste Probe.

Die satte Straßenlage fördert Vertrauen

Schon auf den ersten Kilometern wird es ruhig im Wagen. Das ist wörtlich zu verstehen, denn zum einen geht der neue A4 selbst als TDI ungewöhnlich leise zu Werke, und zum anderen bringt die forcierte Gangart sogar sendungsbewusste Ingenieure zum Schweigen. Trotz der geschmeidigen Federung und der sämigen Kraftentfaltung animiert die Flüsterlimousine nämlich durchaus zum Gasgeben.

Das gilt vor allem für den Sechszylinder, der seine 600 Nm über eine Achtgangautomatik an alle vier Räder verteilt. Die leichte Frontlastigkeit ist sauber kaschiert, das um 120 Kilo erleichterte Stufenheck liegt satt auf der Straße, selbst auf dem regennassen und kurvigen Geläuf fasst der Pilot sofort Vertrauen. "Mit der Fahrdynamik bin ich recht zufrieden", lobt der Entwicklungschef, den alle nur Hacki nennen. Nicht ganz so toll ist das Ansprechverhalten der Motoren bei niedrigen Drehzahlen, beim Ampelstart und nach Lastwechseln. "Reine Software-Sache", sagt der oberste Vordenker und verzieht dabei keine Miene.

Wie aus dem Vollen gefräst - trotz kleiner Schwächen

Mit einer Rothaut und zwei Bleichgesichtern an Bord rollt der A4 knisternd und knackend auf der Passhöhe aus. Fahrerwechsel, Fahrzeugwechsel. Jetzt ist die kräftigste von drei 2,0-Liter-TDI-Varianten an der Reihe, die nicht 122 oder 150, sondern 190 PS leistet (0-100 km/h in 7,7 s, 237 km/h, 4,1 l/100 km). Statt der eher komfortbetonten Automatik ist diesmal ein fixes Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen installiert. "Achten Sie mal darauf, wie souverän dieses Premiumauto mit den Tücken eines Vierzylinder-Diesel umgeht", bittet Peter Fromm, der sich im Konzern um den Aufbau kümmert.

Stimmt - auch dieser Audi fühlt sich an, als hätte man ihn aus dem Vollen gefräst. Trotzdem registrieren wir im TDI zu hohe Windgeräusche, im TFSI eine zu harte Anbindung des Antriebsstrangs und im V6 deutliche Vibrationen beim Halt mit dem Fuß auf der Bremse. Doch sobald das Auto Fahrt aufnimmt, überwiegen wieder die Ohs und Ahs. Selbst Kanaldeckel und Bahnübergänge, mit denen die vier Ringe seit Generationen auf Kriegsfuß standen, werden ab sofort zuverlässig neutralisiert.

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