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Antares DLR-H2:Der Flüster-Flieger

Brennstoffzellen-Systeme an Bord von Passagiermaschinen sollen zukünftig die Hilfsturbinen ersetzen. Ein Versuchsträgers startet noch in diesem Jahr zum Erstflug.

Ein normaler Motorsegler sieht anders aus. Denn der Flieger, der Antares genannt wird, verfügt über einen einklappbaren Propeller, der hinter dem Piloten an einem Mast über dem Rumpf schnurrt und den Start ohne Seilwinde und fremde Schlepphilfe erlaubt. Und zu Forschungszwecken wurde das Flugzeug von seinen Erbauern jetzt auch noch mit zwei Tanks, sogenannten Außenlastbehältern, versehen, die wie Düsentriebwerke unter den schlanken Tragflächen hängen.

Es handelt sich um Drucktanks, die mit Wasserstoff gefüllt sind - der liefert die Energie für eine Brennstoffzelle, die den Elektromotor antreibt. Der Hintergrund: Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) testet mit Hilfe des Antares DLR-H2 alternative Systeme. Bei einem weiteren Projekt von Stuttgarter Flugzeugbauern namens Hydrogenius (die SZ berichtete) ist der Wasserstofftank hinter dem Pilotensitz untergebracht. Die unter sehr hohem Druck stehenden Behälter jetzt unter die Tragflächen zu verbannen, überzeugt schon aus Gründen der Sicherheit.

Noch vor wenigen Jahren hätte es kaum jemand für möglich gehalten, dass es eines Tages möglich sein könnte, ein bemanntes Fluggerät ohne Getöse und Kerosingeruch abheben zu lassen. Jetzt geht es zunächst um kleinere Maschinen, aber "in einem weiteren Schritt auch um die Bordstromversorgung größerer Jets", wie Projektleiter Josef Kallo vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik in Stuttgart erläutert.

Die Konkurrenz, der US-Flugzeughersteller Boeing, war im April dieses Jahres in ihrem Forschungszentrum bei Madrid zwar schneller mit der Premiere eines Wasserstoffseglers. Statt des üblichen Treibstoffs für Propellermaschinen lieferte eine Polymer-Elektrolyt-Membran-Brennstoffzelle die Energie für den Motor. Tatsächlich jedoch war ein zusätzlicher Batterieblock vonnöten, um das Fluggerät in der besonders energiezehrenden Startphase mit dem nötigen Strom zu versorgen.

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