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Alternativer Antrieb:Abschied vom Erdgas

Dieses Verkehrsschild weist den Weg zu einer Erdgastankstelle, an der Compressed Natural Gas (CNG) getankt werden kann.

Verkehrsschilder, die zu einer Erdgastankstelle führen, könnten in Zukunft rar werden. Der Volkswagen-Konzern will diese Antriebsalternative nicht mehr weiterentwickeln.

(Foto: dpa-tmn/Erdgas Mobil)

Volkswagen will Druckgas-Autos (CNG) nicht weiterentwickeln. Gründe sind die schwache Nachfrage, ein Rückgang der Zapfstellen und die mangelnde Unterstützung der Politik: Die Autohersteller können Biogas nicht auf ihre CO2-Flottenbilanz anrechnen.

Von Joachim Becker

"Erdgas ist sofort verfügbarer, nachhaltiger und kostengünstiger Klimaschutz!", verkündete der Volkswagen-Konzern noch im vergangenen Jahr. 19 CNG-Modelle (Compressed Natural Gas) hat der Konzern im Angebot, weitere wie der neue Golf 8 TGI und VW Caddy TGI folgen in diesem Jahr. Doch einen Nachfolger werden diese sparsamen und sauberen Autos wohl nicht mehr bekommen. Ein Konzernsprecher bestätigte, dass die Weiterentwicklung gestoppt werde.

Trotz der Modelloffensive bleibt die Nachfrage nach Gasmodellen gering. 110 000 derartige Autos hat der VW-Konzern im vergangenen Jahr weltweit verkauft, in Deutschland waren es 7700Fahrzeuge - von allen Herstellern zusammen. "Die Resonanz am Markt ist nicht gewachsen", sagt VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch laut dem Handelsblatt, "und es werden auch absehbar nicht signifikant mehr verkaufte Fahrzeuge." Auch das CNG-Tankstellennetz schrumpft. Statt der mittelfristig geplanten 2000 Zapfstellen, gab es im vergangenen Jahr in Deutschland nur 837 Stück - knapp 30 weniger als im Jahr zuvor.

Für Tankstellenbetreiber lohnt sich die Investition in die Kraftstoffalternative ebenso wenig wie für die Autohersteller: CNG-Autos sparen zwar rund 20 Prozent CO₂ gegenüber Benzinern. Da die Autohersteller den Ausstoß des Klimagases in Europa aber um 37,5 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts senken müssen, kann der Gasantrieb kaum mehr als eine Brückentechnologie sein.

Die nächste große Hürde dürfte die EU-7-Abgasnorm werden, die 2023/24 einsetzen könnte. Dann müssen die zulässigen Höchstmengen für Feinstaub und Stickoxide absehbar halbiert werden. Das wäre im Prinzip kein Problem für den sauberen Gasmotor, trotzdem wird die Entwicklung aufwendig. Weil die Emissionen künftig über die gesamte Lebenszeit des Fahrzeugs kontrolliert werden sollen, muss das Abgasreinigungssystem mit der Bordelektronik verknüpft werden. Entsprechende Software-Experten sind rar, was das Position von CNG laut einem Konzernsprecher weiter schwäche.

Das ultimative K.O.-Kriterium ist aber nicht technischer, sondern politischer Natur. Obwohl es an knapp einem Drittel der Tankstellen Biogas gibt, können die Hersteller den erneuerbaren Kraftstoff nicht anrechnen lassen. Egal wie klimafreundlich die Fahrzeuge also unterwegs sind - in der CO₂-Flottenbilanz wird fossiles Erdgas zugrunde gelegt. Reine Elektroautos und Plug-in-Hybride zählen ab einer gewissen elektrischen Reichweite dagegen als Nullemissionsfahrzeuge.

95 Prozent aller neuen CNG-Autos in Deutschland kommen aus dem VW-Konzern. Mit dem absehbaren Ausscheiden dieses Vorreiters werden sich die allermeisten anderen Anbieter wohl ebenfalls von der Technologie verabschieden. Die Erdgaswirtschaft hofft noch auf eine Überprüfung der CO₂-Flottenregelung, die durch den European Green Deal auf Mitte des Jahres 2021 vorgezogen wurde. Doch Volkswagen-Konzern-Chef Herbert Diess hat sich bereits entschieden: Auch die Entwicklung der Brennstoffzelle und nachhaltiger Kraftstoffe aus Strom und Wasser will er nur noch "auf Grundlevel" betreiben. Ohne den europäischen Marktführer wird es schwierig für solche Antriebsalternativen, weil sich der Ausbau einer entsprechenden Infrastruktur kaum lohnt.

© SZ vom 07.03.2020
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