bedeckt München

Alternative Antriebe:Letzte Chance China?

Die letzte Chance für die mobile Brennstoffzelle könnte die chinesische Regierung sein. Mehrere Tausend Busse und Transporter sind in China bereits mit Wasserstoff unterwegs, die Brennstoffzelle wurde in den aktuellen Fünfjahresplan aufgenommen. Schon spricht ein deutscher Börsenbrief von einem Schwenk weg von der reinen E-Mobilität hin zur Wasserstoff-Technik. Bis zum Jahr 2030 sollen demnach 3000 H₂-Tankstellen in China entstehen. Ausschlaggebend ist aber die schlechte Luft in den Städten und weniger der Klimaschutz. "Von der Ökobilanz her ist die Brennstoffzelle im Moment nicht so prickelnd", macht Peter Mertens klar, "um Wasserstoff durch Elektrolyse herzustellen, braucht es wahnsinnig viel Energie." Außerdem sei die Wasserstoff-Infrastruktur deutlich komplexer als die Stromversorgung von Elektroautos. Sein Fazit: "Mit Wasserstoff kann man Emissionen steuern, aber im Moment nicht vermeiden."

Die Kosten für eine flächendeckende Wasserstoffinfrastruktur und eine Batterieladeinfrastruktur liegen gar nicht so weit auseinander. Zu diesem Schluss kommt eine Szenario-Analyse des Forschungszentrums Jülich. Das Problem ist nur: Beides wird sich kaum ein Land leisten können oder wollen. Laut Klaus Fröhlich werden Brennstoffzellen erst 2025 das Niveau der besten Batterien erreichen. Bis dahin ist der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für die reinen Stromer weit fortgeschritten, während die Wasserstoffinfrastruktur hinterherhinkt. Dieser Vorsprung von zehn Jahren könnte den Ausschlag geben bei der Energiewende auf der Straße.

Trotzdem geht die Forschung an der Brennstoffzelle weiter, weil Europa hier weltweit in der ersten Liga spielt. Anders als bei Batteriezellen, wo alles am Tropf der Chinesen, Koreaner und Japaner hängt. Die Versorgung mit raren Zellmaterialien ist ebenfalls unsicher. Als Technologie in Reserve hat die Brennstoffzelle noch lange nicht ausgespielt.

© SZ vom 31.03.2018/mike
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema